Harald Webers Schrauber-Paradies in Rodgau-Jügesheim

Erlesener Fuhrpark

Harald Weber genießt Ausfahrten mit den schmalen Messerschmitt-Vehikeln. Sobald nationale und internationale Präsenztreffen wieder möglicht werden, wird der Jügesheimer mit anderen Oldtimerfreunden fachsimpeln.
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Harald Weber genießt Ausfahrten mit den schmalen Messerschmitt-Vehikeln. Sobald nationale und internationale Präsenztreffen wieder möglicht werden, wird der Jügesheimer mit anderen Oldtimerfreunden fachsimpeln.

In der Werkstatt von Harald Weber stehen die Bänder niemals still. Der Jügesheimer restauriert für sein Leben gerne alte Maschinen. Besonders historische Kraftfahrzeuge, bevorzugt die Modellreihe Messerschmitt TG 500, hat er in sein Herz geschlossen. Er liebt die Touren mit den Oldtimern, die ihn bereits bis ins Ausland geführt haben.

Jügesheim - „Ich bin an allem interessiert, wenn nur ein Motor dran ist“, bringt der gelernte Maschinenbauer seine Leidenschaft auf den Punkt. Vor 42 Jahren gönnte er sich deshalb seinen ersten Wagen aus der Nachkriegszeit. Neben zwei Messerschmitt-Kabinenrollern zählt der vor wenigen Monaten erworbene Messerschmitt TG 500 „Tiger“ zu seinen Schmuckstücken.

Dabei war die Jungfernfahrt mit dem roten Flitzer aus den Wirtschaftswunderzeiten so gar nicht von Erfolg gekrönt. Im Alten Weg gestartet, fraßen sich schon in Nieder-Roden die Kolben fest. Tag und Nacht wurde der Messerschmitt wieder flottgemacht, denn es wartete eine Fahrt zu Fachleuten nach Dingolfing im Osten Bayerns.

Durch die Reparaturen an der Werkbank gewann Harald Weber detaillierten Einblick in die Konstruktionen. „Die Autos waren damals noch reine Handarbeit“, informiert er sich über seine kleinen Lieblinge.

Die überlieferten Produktionszahlen schwanken zwischen 260 und 320 Stück. Somit sind alle noch heute bei Sammlern erhältlichen Stücke echte Unikate. Die Zweitaktmotoren mit zwei Zylindern und 500 Kubikzentimeter sowie 20 Pferdstärken bringen Harald Weber bei seinen Ausfahrten auch über Landesgrenzen hinweg. Bis nach England und an den Lago Maggiore im Norden Italiens fuhr er mit den restaurierten Pkw.

Begeisterte Messerschmitt-Freunde finden zahlreiche Details in den Vehikeln. So wartet der Messerschmitt TG 500 „Tiger“ auf dem hinteren Sitz mit einer außergewöhnlichen Innovation auf. Zur Innenausstattung gehört bei den Originalmodellen ein Zigarettenanrauchgerät. Mit Unterdruck vom Vergaser bekam der Fahrgast die Zigarette angezündet. Mit dieser Serviceleistung ausgestattet, wurden nur eine Handvoll Prototypen produziert.

Über so viel Kreativität zeigt sich Harald Weber gar nicht verwundert: „Damals gab es sogar Autos mit Plattenspielern.

Hobby und Berufswahl greifen bei dem früheren Inhaber eines Maschinenhandels wie Zahnrädchen ineinander. Im Alter von 13 Jahren weckte ein Motorrad im Schuppen eines Freundes das Interesse an der Technik. „Das haben wir sogleich repariert“, denkt er an diese prägende Erfahrung seiner Jugend zurück. Kaum war das Zweirad flottgemacht, ging es querfeldein durch die Rodgauer Gemarkung.

Bis heute hat der Freund historischer Fahrzeuge große Freude, wenn ihm bei Ausfahrten der Wind ins Gesicht weht.

Neben den Vierrädern hat es ihm die Technik von Zwei-Mann-Motorsägen angetan. Gut 300 Stück hat er im Lauf seines Lebens wieder betriebsbereit gemacht. Die älteste stammt aus den Produktionsanfängen der 1920-er Jahre. Für ihn ist es die größte Freude, wenn reparierte und frisch geölte Technik wieder schnurrt wie am ersten Tag. So entwickelt sich die Werkstatt im Alten Weg mehr und mehr zu einem Schrauber-Paradies mit musealem Charakter. Maschinen aus mehr als 100 Jahren finden bisher Einzug in den Fundus.

Und wenn die Motoren in der Halle ohne Störgeräusche tuckern, ist Harald Weber stolz auf das Geleistete und immer offen für einen netten Plausch unter Gleichgesinnten.

Von Andreas Pulwey

Markantes Detail: Zur Innenausstattung gehört bei den Originalmodellen ein Zigarettenanrauchgerät.

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