1200 Karten am ersten Strandbadtag verkauft / Maximal dürfen 1700 Gäste kommen

Eröffnung mit gemischten Gefühlen

Max Oertl
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Max Oertl

Die Eröffnung der Strandbadsaison war gestern ein Wechselbad der Gefühle: einerseits Freude über zurückgewonnene Freiheit und ein neues Betriebsgebäude, andererseits Bestürzung über die Bergung einer Wasserleiche am vergangenen Samstag. Es könnte sich um jene Frau handeln, die am 3. August 2017 nach dem Schwimmen nicht zum FKK-Strand zurückgekehrt war und die seither verschwunden ist. Dieser Zwiespalt wurde nicht nur während einer Pressekonferenz deutlich, die der Magistrat zur Saisoneröffnung an den Badesee verlegt hatte. Auch Badegäste äußerten sich in diese Richtung.

Rodgau - Etwa Max Oertl. Der 27-Jährige ist am Strandbad Stammgast. Um 8 Uhr zählte er gestern zu den Ersten, die Einlass begehrten. „Ich fange im Homeoffice um 6 Uhr an zu arbeiten und nutze eine kurze Pause vor der nächsten Telefonkonferenz für eine Runde im See“, erzählte der junge Mann. „Sofern es sich bei der Toten um die seit vier Jahren vermisste Frau handelt, wäre es schon eine Erleichterung, dass sie jetzt gefunden ist.“ Ähnlich empfindet das Philipp Klein, der mit seinem Vater Jürgen die Gastronomie mit jetzt um eine Lounge erweiterter Terrasse und den Verleih von Brettern zum Stehendpaddeln (auch für Kinder) sowie schwimmender Liegen, Matten und Sesseln am Badesee stemmt. „Es wäre gut, wenn für die Angehörigen nach so langer Zeit Gewissheit einkehrt.“

„Gänsehaut“ bekam beim Gedanken an den tragischen Fund Marion Plegge aus Jossgrund. Auch sie ist Stammgast in Nieder-Roden. „Da wird mir ganz anders. Aber ich gehe sowieso nicht ins Wasser, es ist mir zu kalt.“

Am vergangenen Samstag, gegen 15 Uhr, hatte ein Schwimmmeister die Wasserleiche an der Oberfläche entdeckt und nach dem Eintreffen von Kripo und Spurensicherung geborgen. Nach Angaben in der gestrigen Pressekonferenz wurden dem Mann und einem Kollegen Gespräche mit einer Psychologin des DRK angeboten – was die Beteiligten auch angenommen haben. Beide Männer arbeiten und können zur Bewältigung des grausigen Erlebnisses weitere Entlastungsgespräche führen.

Unterdessen teilte die Polizei auf Anfrage mit, die Leiche werde binnen dieser Woche im Institut für Rechtsmedizin Frankfurt obduziert. Auch werde dort zur Feststellung der Identität ein DNA-Abgleich gemacht mit Vergleichsmaterial aus einer Datenbank des Bundeskriminalamts. Das Material war in diese Datenbank eingestellt worden, nachdem die 64-jährige Vermisste trotz intensiver Suche an zwei Tagen nicht hatte gefunden werden können. Dieses Verfahren sei bei Vermisstenfällen üblich, um bei Entwicklungen wie der aktuellen schnell Klarheit schaffen zu können, sagte eine Polizeisprecherin. Ein Ergebnis sei nicht vor nächster Woche zu erwarten.

Das Strandbad öffnete gestern wieder seine Türen, um Besuchern entspannte Stunden bei hoffentlich überwiegend gutem Wetter zu bieten. Erstmals können die Gäste das neue Betriebsgebäude nicht nur vom Zaun aus sehen. Es ist zwar noch nicht ganz fertig, aber gestern funktionierte die Kasse schon, und der Zugang zum Wasser war barrierefrei möglich. Das alte Gebäude war 2018 bei einem Brand zerstört worden. Zwischenzeitlich dienten Container der Wachmannschaft und den Besuchern als Zwischenlösung. Die Sanitärcontainer bleiben den Besuchern auch noch kurze Zeit erhalten: Die Arbeiten in den neuen Sanitärräumen sind leider noch nicht abgeschlossen (es fehlen Trennwände). Der Plan ist aber, auch diese möglichst vor den Sommerferien freigeben zu können. Fünf Rettungsschwimmer stellen im Moment die Wachmannschaft – unterstützt von der DLRG. Zudem ist auch Strandbad-Chef Thomas Dursun, städtischer Fachbereichsleiter, mit seinem Team vor Ort und damit direkter Ansprechpartner. Bürgermeister Jürgen Hoffmann dankte allen Beteiligten (Strandbad-Team, Architekten, Handwerker) ausdrücklich für die exzellente Arbeit an dem Bauprojekt – begonnen im Oktober 2020.

Wegen Corona können gleichzeitig nur 1700 Menschen das Bad besuchen. In Spitzenzeiten waren es 10 000 und mehr. Schilder weisen auf Einhaltung der Corona-Regeln hin. Spezielle Laufwege werden markiert. Damit sich die kommenden und die gehenden Gäste nicht begegnen, wurden Ein- und Ausgang getrennt. Die Besucherzahlen müssen erfasst werden. Hier hilft ein Online-Buchungs-Ticketsystem. Dass sich die Badegäste auf die Saison freuen, lassen Zahlen erkennen: Für gestern waren 1200 Karten verkauft worden. Bisher sind 172 Dauerkarten für Erwachsene, 75 ermäßigte und 40 Familiendauerkarten schon weg.

Von Bernhard Pelka

Philipp Klein
Ein dickes Lob gab es bei einer Pressekonferenz gestern für die Planwerk Architekten Hanau und die Handwerker, die das neue Betriebsgebäude gebaut haben.
Zurückgewonnene Freiheit genießen die Besucher des Strandbades.

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