Rodgau: Materialmangel verzögert auch den Bau städtischer Gebäude

Erste Mieter kommen im nächsten Frühjahr

Isoliermaterial zur Wärmedämmung liegt auf der Baustelle bereit. Lieferengpässe beim Baumaterial führen immer wieder dazu, dass sich Arbeiten verzögern.
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Isoliermaterial zur Wärmedämmung liegt auf der Baustelle bereit. Lieferengpässe beim Baumaterial führen immer wieder dazu, dass sich Arbeiten verzögern.

Zwei Jahre nach dem ersten Spatenstich sind die drei neuen städtischen Wohnhäuser an der Dudenhöfer Straße immer noch nicht ganz fertig. Erster Stadtrat Michael Schüßler rechnet aber damit, dass die ersten Mieter im Frühjahr einziehen können. Die Baukosten liegen laut Schüßler im geplanten Rahmen: knapp unter sechs Millionen Euro. Bei den Materialien müsse man aber weiterhin mit Lieferverzögerungen rechnen. Als Beispiel nennt er die Platten für die Wärmedämmung. Es sei sehr aufwendig, die unterschiedlichen Gewerke zeitlich zu koordinieren.

Jügesheim - „Der Markt ist sehr angespannt“, sagt der städtische Baudezernent. Das gehe hin bis zur Verfügbarkeit der Baugerüste. Es sei für die Unternehmen offenbar günstiger, ein Gerüst für ein paar Tage wieder abzubauen, als es bis zum nächsten Arbeitsschritt stehen zu lassen.

Bis Anfang 2022 wolle die Stadt mit den drei Häusern „weitestgehend fertig“ sein. Die ersten Mieter könnten dann voraussichtlich im Frühjahr einziehen. Michael Schüßler: „Wir werden erst dann einen Termin nennen, wenn wir zu 100 Prozent sicher sind, dass wir ihn halten können.“ Es sei nicht sinnvoll, das letzte Haus an der Zufahrt schon zu beziehen, während am vorderen Haus noch gearbeitet wird.

Seit dem ersten Beschluss werden dann fünf Jahre vergangen sein. Im April 2017 hatte der Magistrat das Wohnbauprojekt auf den Weg gebracht. Die ersten zweieinhalb Jahre vergingen mit einem Architektenwettbewerb und der Aufstellung des Bebauungsplans.

Die Stadt hat sich „bezahlbares Wohnen“ zum Ziel gesetzt. Das bedeutet eine monatliche Kaltmiete zwischen 8,50 und 9 Euro pro Quadratmeter. Dennoch werden es keine Billigbauten. „Wir haben einen innovativen Ansatz gewählt, um zu zeigen, wie man zwar reduziert, aber architektonisch wertvoll bauen kann“, sagte Baudezernent Schüßler nach der Fertigstellung des Rohbaus.

Die Architekten Jan Dilling und Claudia Euler aus Berlin (de+ architekten GmbH) haben überall dort gespart, wo es nicht wehtut. So gibt es weder einen teuren Keller noch einen Aufzug, der laufende Kosten produziert.

Gleichzeitig wird ein hoher Wohnwert angestrebt. Die 30 Wohnungen verteilen sich auf drei Häuser, sodass sie viel Tageslicht erhalten. Jede Wohnung hat eine Terrasse oder einen Balkon. Die Wohnungen im Erdgeschoss sind barrierefrei. Eine kleine Spielstraße führt zu den drei Häusern. Zwischen den drei Neubauten und den bestehenden Wohnblocks an der Mühlstraße entsteht ein grüner Innenhof, der vom Verkehr freigehalten wird.

Mit ihrem Entwurf hatten die Berliner Planer einen Architektenwettbewerb gewonnen, an dem sich 22 Büros beteiligten. Die Stadt hatte diesen Wettbewerb ausgeschrieben, um der exponierten Lage gerecht zu werden. Die drei Häuser stehen am Übergang von der aufgelockerten Bebauung zur dicht bebauten Ortsdurchfahrt.

Dieser Lage werden die Architekten mit einem planerischen Kunstgriff gerecht: Die drei quaderförmigen Gebäude (13,90 mal 17,60 Meter) sind von der Hauptstraße zurückgesetzt und leicht gegeneinander verdreht.

Der parkähnliche Eindruck, den das Grundstückfrüher machte, ließ sich allerdings nicht halten. Nicht alle Bäume, die auf dem Gelände stehen bleiben sollten, erwiesen sich bei näherer Betrachtung als erhaltenswert. Insgesamt 24 Bäume wurden gefällt. Die Stadt pflanzte dafür anderswo Ersatz.

Eine ehemalige Müllkippe mit Abfällen aus der Lederwarenproduktion sorgte für zusätzlichen Aufwand während der Bauarbeiten. Obwohl eine Bodenuntersuchung keinen Hinweis auf Giftstoffe ergeben hatte, musste ein Teil des Geländes zwei Meter tief ausgebaggert werden: Die Schnitt- und Stanzreste hatten den Baugrund instabil gemacht. (Ekkehard Wolf)

Die Balkonbrüstungen sind noch provisorisch gesichert, aber im Garten steht schon das erste Spielgerät.
Dudenhofer Straße 69 a bis 69 c ist die Anschrift der drei neuen Wohnhäuser am südlichen Ortsrand Jügesheims.

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