Pflanzer arbeiten im Akkord: 12 000 Stieleichen im Wald bei Jügesheim

Erster Schritt zur Aufforstung in Rodgau

Vier Männer pflanzen Setzlinge im Wald
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Wie man Bäumchen pflanzt, übten gestern auch die Magistratsmitglieder Winno Sahm, Michael Schüßler und Jürgen Hoffmann (von links). Zweiter von links: Steffen Freckmann, Fachgebietsleiter Forst im Rathaus.

Eineinhalb Jahre nach dem verheerenden Sturm vom 18. August 2019 hat die Stadt Rodgau mit der Wiederaufforstung begonnen, allerdings in kleinem Rahmen. Auf einer zwei Hektar großen Waldfläche hinter dem Jügesheimer Wasserwerk haben Forstarbeiter 12 000 Stieleichen und 100 Vogelkirschen gepflanzt.

Rodgau - Auf den ersten Blick wirken die zwei Hektar wie eine der vielen verwüsteten Flächen im Wald. Äste und Zweige liegen kreuz und quer, Baumstümpfe ragen aus dem Boden. Ein unwegsames Gelände. Aber warum steht dort ein nagelneuer Drahtzaun?

Dass dort ein neuer Laubwald entsteht, kann man nur mit Mühe erkennen. Etwa alle zwei Meter ist die Erde auf einer tellergroßen Stelle frisch festgetreten. Dort ragt ein dünnes Reisig aus dem Boden, kaum länger als ein Unterarm. Jeder dieser Triebe ist eine zweijährige Stieleiche und soll einmal so groß werden wie die Bäume in der Waldabteilung nebenan.

„Zarte Pflänzchen der Hoffnung“ in Rodgau

Von „zarten Pflänzchen der Hoffnung“ spricht die Stadt in einer Pressemitteilung. 12 .000 dieser Setzlinge wurden dieser Tage eingepflanzt. Mit den letzten paar Exemplaren durften sich gestern die hauptamtlichen Magistratsmitglieder als Pflanzer erproben: Hohlspaten einstechen, herausziehen, um 180 Grad versetzt nochmals einstechen, den Erdklumpen vorsichtig herausheben, den Setzling ins Loch stellen, die Erde einfüllen und festtreten. Fertig! Wenn’s denn nur so einfach wäre. Tatsächlich stößt man häufiger auf Wurzeln, als einem lieb ist.

Ein geübter Pflanzer schafft 100 bis 130 Setzlinge pro Stunde, wie Steffen Freckmann vom Fachgebiet Forst der Stadtverwaltung weiß. Das ist Akkordarbeit: zwei Pflänzchen pro Minute. Ein Vergnügen sei das bei diesem schwierigen Untergrund nicht – aber notwendig.

Die zwei Hektar sind nur ein Bruchteil der riesigen Fläche, die vom Sturm verwüstet wurde. Erst beim Aufräumen wurde das ganze Ausmaß der Schäden sichtbar. Seit gut einem Jahr ist ein Forstbetrieb mit dem Harvester im Stadtwald unterwegs, um angeknackste und umgestürzte Bäume zu entfernen.

Schäden im Rodgauer Wald größer als gedacht

Noch immer kann die Stadt den Waldschaden nicht genau beziffern. „Wir sind noch bei der Erfassung“, sagt Steffen Freckmann. Die betroffene Fläche ist zwei- oder gar dreimal so groß wie zunächst gedacht. Die Stadt spricht jetzt von 100 bis 129 Hektar. Dieser ungenaue Wert ist nicht zuletzt durch die unterschiedlichen Schadbilder bedingt. „Wir haben definitiv 65 Hektar Totalausfall“, berichtet Freckmann. Zusätzlich sei allein in Weiskirchen ein Teilausfall von etwa 35 Hektar zu verzeichnen.

Nicht nur der Sturm hat weite Waldgebiete zerstört. Dazu kamen Schädlinge wie der Diplodia-Pilz, der ganzen Kiefernbeständen den Garaus machte. Besonders eindrucksvoll ist das zwischen Weiskirchen und Froschhausen zu sehen: Die hohen Kiefern sind tot, der stabile Buchenbestand hat überlebt. „Wir hoffen, dass die Buchen damit zurechtkommen, dass ihr Sonnenschirm weg ist“, sagt der Fachmann aus dem Rathaus.

Was die Fallbö innerhalb einer Viertelstunde zerstörte, kann man nicht so schnell ersetzen. Waldeigentümer wie die Stadt Rodgau brauchen dafür Personal, Geld und vor allem Saatgut und Setzlinge. Die Baumschulen kommen mit der Anzucht kaum nach. So hatte es auch mit Glück zu tun, dass 12. 000 kleine Stieleichen für Jügesheim erhältlich waren. Damit es keine Monokultur wird, kaufte die Stadt 100 Vogelkirschen dazu. Eine kleine Douglasie, die zufällig mit auf dem Lastwagen lag, wurde auch gleich eingepflanzt. Steffen Freckmann ist sich sicher, dass die Artenvielfalt in dem neuen Mischwald noch zunehmen wird: „Die Birken kommen von selbst.“ Und wer weiß, was sonst noch an Samen im Boden liegt und keimt.

Etwa 30 .000 Euro hat die Anpflanzung in Jügesheim gekostet. Ein 900 Meter langer Zaun gegen Wildtiere ist im Preis enthalten. Eine weitere Fläche bereiten die städtischen Forstwirte für eine Bepflanzung im Herbst vor.

Sobald es die Corona-Lage erlaubt, will die Stadt auch Pflanzaktionen für Schüler, Familien und interessierte Erwachsene anbieten.

(Von Ekkehard Wolf)

Eine Stieleiche wird aus diesem zarten Pflänzchen wachsen, erklärt Forstwirt Simon Hoffmann von der Stadt.

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