Johanniter lehren erstmals Hilfe für Vierbeiner

So können Ersthelfer Hunde retten

+
Wer zeitig übt, hat es im Ernstfall leichter. Beim Erste-Hilfe-Kurs der Johanniter in Nieder-Roden verpasst Nico Merker seiner Hündin Blua einen Trichterkragen. Er verhindert, dass Hunde Wunde lecken oder an Verbänden nagen.

Nieder-Roden - „Jeder sollte seinem Tier helfen können.“ Rico Merker gibt sich alle Mühe, diesem Ideal so nahe wie möglich zu kommen.

Erstmals lehrten der bewährte Rettungshundeführer und sein zweiköpfiges Team dieser Tage im Nieder-Röder Schulungszentrum der Johanniter-Unfallhilfe (JUH) die Erste Hilfe am Hund. Weitere Kurse sollen folgen. Wer einen Hund hat, kennt sich aus. Beim Gassigehen, Spielen und Toben im Freien lauern Gefahren. Die weitaus meisten Notfälle, mit denen es Tierärzte zu tun bekommen, beginnen laut Merker damit, dass der Hund etwas frisst, was er nicht fressen darf. Vergiftungen oder Verletzungen am Maul und im Verdauungstrakt können die Folgen sein. Gleich danach kommen Verletzungen durch Beißereien. Beide Risiken vermindern sich laut Merker erheblich, wenn der Hundebesitzer seinen Vierbeiner gut im Griff hat und auch selbst vorausschauend auf mögliche Gefahren reagiert: „Gut erzogene Hunde leben sicherer“ – ein weiterer Lehrsatz des Experten, der die mit 23 Jahren älteste durchgehend aktive deutsche JUH-Rettungshundestaffel in Linden bei Gießen führt.

Gänzlich ausschalten lassen sich Gefahrenpotenziale freilich nicht. Dass sich ein Hund eine Glasscherbe oder einen spitzen Stein in die Pfote tritt, ist kaum zu verhindern. Verletzen können sich die Vierbeiner auch bei Verkehrsunfällen oder Stürzen, große Hitze und extreme Kälte greifen sie ebenso wie Menschen an. Wer wissen will, ob es seinem tierischen Kameraden gut geht, muss sich mit den Vitalparametern auskennen: Herzfrequenz, Atemrhythmus und Körpertemperatur. Solches Wissen vermitteln Merker, JUH-Tierärztin Maria Reichel und Ausbildungsleiterin Anne Christen gleich zu Kursbeginn.

Ist ein Notfall eingetreten, funktioniert die Erste Hilfe am Hund ähnlich wie bei Menschen. Kleine Blutungen lassen sich mit kaltem Wasser und aufgedrückter Kompresse stoppen, bei größeren Verletzungen bremst ein Druckverband den Blutverlust. Grundsätzlich sollten Wunden gereinigt und möglichst mit handelsüblichem Desinfektionsmittel – ohne Alkohol – behandelt werden. Immer gilt laut Merker: Zum Tierarzt gehen. Dessen Kompetenz könne der Kurs nicht ersetzen. Ob es etwa bei Vergiftungen richtig ist, den Hund zum Erbrechen zu bringen, sollte grundsätzlich der Veterinär entscheiden.

14 Dinge, die jeder bis 30 beherrschen sollte

Mehr Mühe als beim Menschen macht die Nachsorge, weil verletzte Hunde fast immer ihre Wunden lecken und an Verbänden nagen wollen. Hilfsmittel wie ein Maulkorb, ein verstellbarer Trichterkragen, ein Body für den Rumpf oder Pfotenschuhe kosten nach Worten des Fachmanns nicht die Welt und können zuhause bereitliegen. Nicht nur das: Wer sich selbst und dem Hund im Ernstfall unnötigen zusätzlichen Stress ersparen will, übt das Anlegen solcher Schutzmittel möglichst oft. „Was der Hund schon kennt und als normal empfindet, stört ihn weniger“, erläutert Merker. Noch besser fährt in der Regel, wer das nicht immer angenehme Training mit kleinen Belohnungen versüßt.

Üben konnten auch die fünf Kursteilnehmer in Nieder-Roden. Nico Merker hatte drei seiner Rettungshunde mitgebracht. Die Berner Sennhündin Blua und Labrador-Mix Maja, beide noch in Ausbildung, sammelten beim Unterricht auch selbst Erfahrungen. Ebenso wie Rettungshunde-Veteran Kiron hielten sie geduldig still, als die Schüler gegen Ende des siebenstündigen Seminars mit Verbänden und Kompressen experimentierten. Die Premiere in Nieder-Roden war nach Nico Merkers Geschmack zwar etwas schwach besucht, entmutigen lassen will er sich freilich nicht. Im Herbst will er den Kurs wiederholen. (zrk)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare