Rodgauerin erhält Recht

Ex-Heimkind muss nicht für Unterhalt der Mutter zahlen

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Gabriele Dietz-Paulig aus Rodgau

Offenburg/Rodgau - Der Fall schlägt sein Monaten bundesweit Wellen. Die Rodgauerin Gabriele Dietz-Paulig will als ehemaliges Heimkind keinen Unterhalt für ihre pflegebedürftige Mutter zahlen. Nun gab ihr das Amtsgericht Offenburg Recht. Von Angelika Dürbaum

Mit großer Erleichterung hat die in Rodgau lebende Gabriele Dietz-Paulig auf einen Beschluss des Familiengerichts Offenburg reagiert, wie ihr Anwalt Michael Klatt gestern gegenüber unserer Zeitung berichtete. Demnach muss Dietz-Paulig keinen Unterhalt für ihre in einem Pflegeheim im Ortenaukreis lebende Mutter bezahlen. Dies hatte der zuständige Kreis gefordert. Der Fall sorgt seit Jahresbeginn für Schlagzeilen. Denn letztendlich geht es um die Frage, wie weit die Verpflichtungen der Kinder gegenüber ihren Eltern im Alter gehen.

Die heute 55-jährige Dietz-Paulig wurde sechs Wochen nach der Geburt von ihrer Mutter in ein Kinderheim in Offenbach gegeben – nach Aussage des Anwalts ohne Notlage. Akten aus der Zeit liegen nicht mehr vor. Auch weitere vier der insgesamt fünf Geschwister der Frau landeten im Heim. Dietz-Paulig wuchs weitgehend ohne Kontakt zur Mutter auf, auch später gab es nur sporadisch Treffen. Nach ihrer Heimzeit machte sie beruflich Karriere.

Im Sommer 2016 ließ das Landratsamt des Ortenaukreises die Rodgauerin wissen, ihre schwerkranke, in einem dortigen Pflegeheim lebende Mutter habe einen Unterhaltsanspruch von monatlich 768 Euro gegen sie (die Unterbringung schlägt beim Sozialamt mit etwa 1800 Euro zu Buche). Dagegen zog die 55-Jährige vor Gericht und bekam nun Recht.

Zur Entscheidung des Gerichts liegt nach Angaben des Rechtsanwalts noch keine Begründung vor. Es ist aus Sicht von Klatt ein Sieg auf ganzer Linie. Er sieht schwere schuldhafte Verfehlungen auf Seiten der Mutter. Mehrfach habe des Landratsamt in dem sehr „sorgfältig und gewissenhaft“ geführten Prozess die Möglichkeit zum Einlenken gehabt. Etwa nach Zeugenaussagen zugunsten von Dietz-Paulig. Die Behörde habe aber bis zum Schluss darauf beharrt, dass kein „Härtefall“ vorliege, und in einem Schriftsatz erklärt, die Mutter habe „nach besten Kräften“ für ihre Kinder gesorgt.

Erster Eindruck zählt - Das richtige Pflegeheim finden

Ein Sprecher des Landratsamtes hatte im Mai gesagt, man sei wegen der Forderungen von Anfang an gesprächsbereit gewesen. Nach der jetzt ergangenen Entscheidung will der Kreis nicht ausschließen, Rechtsmittel einzulegen, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtete. „Wir werden nun prüfen, ob unsere Argumente ausreichend gewürdigt wurden“, hieß es.

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