Gelächter in der Urwald-Aula

JSK feiert im Dschungel: mit Wort-Machete und Expedition in den Paragrafenwald

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Auftritt des Bürgermeisters: Dank der Gugisheimer wissen die Giesemer jetzt, wie man Ehrenbürger wird.

Jügesheim -  In Giesem, das weiß der Narr, wird Hellau mit zwei L geschrieben und nach Mitternacht mit drei L gesprochen.

Im Jügesheimer Dschungel setzte die Drei-L-Phase am Wochenende pünktlich ein: Als der Stundenzeiger von Samstag nach Sonntag schlich, hatte sich die JSK-Sitzung in der ausverkauften Aula der Georg-Büchner-Schule gerade in ein tosendes Finale aufgelöst. Grund zum Weiterfeiern hatte das knapp fünfstündige Programm mit 23 Nummern reichlich geliefert.

Prinz Lars I. und Prinzessin Angie I., vom Hofstaat und den Zweiklang-Musikern schmissig in die Narrhalla eskortiert, durften mit ihren Untertanen zufrieden sein: Jügesheims Jecken fanden sich im Dschungel, den das Kampagnenmotto in Sälen und Gassen wuchern lässt, hervorragend zurecht. Zwischen Affen, Tigern und Elefanten lotste sie neben Sitzungspräsident Bernd Otto mit seiner Schelle ein ganzer Schwarm von Dschungelführern hindurch.

Zielbewusst schwang der Gugi seine scharf geschliffene Wort-Machete und legte Urwaldpfade durch das Nahverkehrsgestrüpp, den Schilderwald und den Baustellensumpf in Rodgau frei. Gar nicht klar kommt Philipp Jansen mit Leuten, die öffentliche Bücherschränke abfackeln: Bücher haben in Deutschland schon früher gebrannt. Was dann kam, das braucht niemand.

Von der Raupe zum Schmetterling: närrische Metamorphose mit den „Mothers on Move“.

Wie man in Rodgau Ehrenbürger werden kann, führten die Gugisheimer in einer viel beklatschten Shownummer vor: Drei Jahre lang immer die Mülltonne rausstellen – schon klopft der Bürgermeister an. Multitalent Julien Grimm hatte die künftigen Rentner, „die Kinner“, im Visier und verriet nicht ohne selbstironisches Augenzwinkern, warum zu Omas und Opas Zeiten alles besser war – als man Kaugummis noch verlieh, mit Klosterfrau Melissengeist als Schlaftrunk für Hyperaktive und ohne Helikoptermütter in der Blechlawine vor der Schuleinfahrt. Immer weniger Kinder? Kein Verlust, denn dafür sind sie schwerer.

Da hob denn auch, noch vor der Pause, die erste Fastnachtsrakete des Abends ab. Soenke Herzog zündete kurz darauf die zweite, mischte als Nachrichtensprecher munter Zitiertes mit Erdichtetem und wiegelte ab: Raute bleibt Raute, auch wenn die Kanzlerin kopfsteht. Was tut es da, wenn Sigmar Gabriel sein Profil verliert, ein tauber Generalsekretär keinen Plan hat und die CSU dem Familiennachzug doch noch zustimmt – zumindest von Ober- nach Unterfranken.

Ernster sieht die Lage der Till, weil die Narren weltumspannend von Amerika über die Türkei bis nach Nordkorea immer mehr Konkurrenz kriegen und die Separatisten im Kommen sind. Nicht nur beim Brexit und in Katalonien sieht Stefan Schmidt die Spalter am Werk, schon Martin Luther sei einer gewesen. Damals, als Rom noch geistiges Zentrum war wie heute Washington.

Da war’s nur noch ein kleiner Schritt zum heiligen hessischen Reich Rodgauer Nation, heraufbeschworen und närrisch ausgemalt von Claudia Wenhardt. In der Welt der schwäbelnden Christine Häberle rollen Einkaufswagen statt Diesel-VW, im Kolosseum am Badesee ringen die Gladiatoren aus dem Stadtparlament und durch die Rodgau-Rohrpost fegen Fleischwurst und Weck, bis die Telekom irgendwann all ihre Leerrohre mit Glasfaser füllt.

Konnte Sebastian Mahr, der aus der engen Orchester-Ecke in die Bütt geklettert war und beredt das harte Los des Sitzungsmusikers beklagte, noch mit einem guten Schluck geholfen werden, wurden die „Kehlewetzer“ bei ihrer Expedition in den Paragrafendschungel einzeln zum Tier. Was als Bürokratenrallye im Rathaus begann, endete in einer bunten Urwald-Menagerie. Wie immer hatten die singenden Mimen des AGV Sängerkranz und des JSK ihre Story mit Ulk-Liedern gewürzt.

Singend – mit dem Kampagnen-Mottolied – waren die Narren auch in den Abend eingestiegen. Wert auf Harmonie legten die Giesemer Singsang-Mädels zwar stimmlich, nicht aber dem Inhalt nach. Ihrem Aufruf zum Aufstand gegen den König der Tiere folgte nach der Pause die Sound-Anarchie mit den Guggemusikern von „Prost“.

Premiere-Sitzung des Jügesheimer JSK: Fotos

Als die Giesemer Streuner zu später Stunde mit handgemachtem Fastnachts-Folk noch einmal alles in Bewegung setzten, war das Finale nur noch einen mitreißenden Showtanz entfernt. Den führten die „Marionetten“ von Stephanie Weimer und Annika Skaliks auf.

Sportlich-choreografische Höchstleistungen hatten die Besucher da schon mehrfach bejubelt. Mit zirkusreifer Akrobatik begeisterten „Cupiditas“ unter der Regie von Sabrina Stark als tanzende Pflanzen und Solo-Tanzmariechen Franziska Mahr. Von schlichten Raupen in bunte Schmetterlinge verwandelten sich die „Mothers on Move“ auf offener Bühne. Beifallsstürme verdiente sich das Männerballett „Taktlos“ als ebenso sportliche wie farbenfrohe Clowntruppe.

Jurema Schmidt wurde nicht nur für den gelungenen Auftritt der Prinzengarde gefeiert, die sie gemeinsam mit Alina Grimm und Susan Hebeisen trainiert: Von ihr stammt auch das allgemein bewunderte Dschungel-Bühnenbild. (zrk)

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