Rodgauer Landwirte in Sorge

Federball-Match im Getreidefeld

Das seit Corona veränderte Freizeitverhalten macht Landwirten zu schaffen. Immer mehr Menschen zieht’s ins Freie. Und es gibt immer mehr Hunde. Ob aus Unwissenheit oder Ignoranz: Viele Spaziergänger benehmen sich auf den Feldern gründlich daneben. Und beeinträchtigen damit die Qualität der Lebensmittelproduktion.

Rodgau – Federball auf dem Getreidefeld, Grillfest am Kartoffelacker: Mit dem besseren Wetter gewinnt ein Problem auf den Feldern in unserer Region an Fahrt, das Bauern Sorge bereitet: Wegen Corona haben die Menschen mehr Freizeit denn je. Und die verbringen sie gerne im Freien. Dort lassen sich die Abstände gut einhalten. Auch wiegt die frische Luft in Sicherheit. „Nur leider wissen viele nicht, was sie mit ihrem Verhalten in der Natur anrichten“, schildert Landwirt Stefan Wolf seine Situation. Aktuell ziehe es auch viele Städter hinaus aufs Land – immer auf der Suche nach Freizeitvergnügen, die aktuell ja so beschränkt sind. „Da sind Menschen darunter, die haben zur Landwirtschaft leider überhaupt keinen Bezug mehr. Denen ist nicht klar, dass hier draußen Lebensmittel produziert werden.“ Entsprechend benehmen sich manche. Ob Gedankenlosigkeit oder Unverschämtheit: Wolf ist der Meinung, dass es nicht sein darf, dass am Feldrand jemand auf die Idee kommt, zum Beispiel zu grillen.

Sein Kollege Richard Löw hat schon Gruppen fröhlicher Ausflügler beobachtet, die auf einem seiner frischen Getreidefelder Federball gespielt haben. „Die dachten, das sei eine Wiese. Und die Windeln von ihren Kindern haben sie auch liegen gelassen.“

Ein weiteres Beispiel: Erst kürzlich hat Stefan Wolf auf einem großen Acker an der Schillerstraße in Weiskirchen Dämme für den Kartoffelanbau gezogen und die Knollen gesetzt. Kaum war er fertig, begann der Ärger.

Zahl der Hunde steigt binnen eines Jahres um 1279 auf 2976

„Viele haben ihre Hunde nicht im Griff. Die jagen dann über die Dämme und zerstören sie.“ Das geht zwar langsam, aber sicher. Was Hundehalter nicht wissen: Die Kartoffelknollen dürfen während der Reifung kein Licht abbekommen, sonst werden sie grün und sind für ihre eigentliche Bestimmung nicht mehr geeignet: die Produktion Millionen lecker-krachiger Kartoffelchips in gigantischen Fabriken nahe Mailand.

Jedes Loch in einem der Dämme ist also eins zuviel. Und jeder Fußtritt darauf auch. „Wir müssen bei der Ernte viel mehr Kartoffeln aussortieren als früher. Sonst laufen wir Gefahr, dass unsere Abnehmer aus Italien ganze Chargen stornieren“, beschreibt Wolf den wirtschaftlichen Schaden.

Nochmals zum Hundeproblem: Das reden die Landwirte nicht groß, sondern Zahlen aus der Stadtverwaltung belegen einen drastischen Zuwachs an Vierbeinern in Rodgau in den vergangenen zwölf Monaten. Im Mai vor einem Jahr waren der Steuerabteilung 1 697 Hunde gemeldet. Bis gestern waren es 2 976. Mehr Freizeit, mehr Hunde!

Unappetitlich wird’s, wenn Hundebesitzer sich nicht an die einfachsten Regeln halten. Die vielen Haufen auf den Wiesen (und damit dem Privateigentum der Bauern) und in den Feldern sind aber nicht nur aus hygienischer Sicht ein Problem: Sie verunreinigen obendrein den Arbeitsplatz der Bauern und das Futter der Tiere. Kühe sind deshalb stark gefährdet, schwer zu erkranken.

Wolf: „Oft finden wir im Heu auch die vollen Kackbeutel. Das kann’s nicht sein.“ Seine Kollegen und er wünschen sich mehr Wertschätzung für ihre Arbeit. Und ein besseres Gespür dafür, dass auf den Feldern Nahrung produziert wird, die auf keinen Fall auch nur ansatzweise verschmutzt werden sollte.

Von Bernhard Pelka

Langsam, aber stetig, werden die Dämme zum Kartoffelanbau zerstört. Hunde jagen darüber, Fußgänger latschen darauf herum. Oder Witzbolde stochern darin herum und machen daraus mit Stöcken einen Schweizer Käse.

Rubriklistenbild: © Pelka

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