Feuerwehr Rodgau hat jetzt eine Atemschutz-Notfallstaffel

Wenn Retter Hilfe brauchen

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Wenn Feuerwehrleute einen Kollegen retten müssen, ist eine spezielle Ausbildung gefragt. Das Foto entstand im November 2015 bei einer Übung in Nieder-Roden.

Rodgau - Wer für andere ins Feuer geht, soll lebend und unverletzt wieder herauskommen. Doch ein Unfall kann immer passieren. Für diesen Fall hat die Feuerwehr Rodgau ein spezielles Team aufgestellt.

Bei Brandeinsätzen steht die Gruppe bereit, um Kameraden aus der Gefahrenzone zu retten.
Wer in ein brennendes Gebäude geht, weiß nicht, was ihn erwartet. Flammen, Hitze und Qualm machen das Vorankommen schwierig. Die körperliche Belastung ist extrem hoch. Trotz Atemschutzgerät kann es vorkommen, dass man einfach umkippt. Oder dass die Flammen den Rückweg abschneiden. Dann kommt es auf jede Sekunde an.

Bei Atemschutz-Einsätzen in Gebäuden stehen zwei Kollegen als Sicherheitstrupp bereit, um im Notfall einzugreifen. So fordert es eine bundesweite Dienstvorschrift. Zwei Leute können im Ernstfall aber zu wenig sein.

Das Notfalltraining der Atemschutzgeräteträger führte in Rodgau zu der Erkenntnis, „dass ein Sicherheitstrupp aus vier Kräften bestehen sollte“, wie Vize-Stadtbrandinspektor Michael Gröschl berichtet. Einsatzkräfte sind schwieriger zu retten als andere Menschen. Die Schutzausrüstung macht sie nicht nur um 25 Kilogramm schwerer, sondern auch unförmiger.

Nach einem Vorbild aus Berlin hat die Feuerwehr Rodgau eine Atemschutz-Notfallstaffel (ANTS) aufgestellt. Sie besteht aus 24 Frauen und Männern aus allen drei Feuerwehr-Standorten, die eine besondere Schulung absolviert haben. In jedem Feuerwehrhaus gibt es ein speziell dafür ausgestattetes Fahrzeug.

„Das Material war eh da, es musste nur ergänzt werden“, berichtet Stadtbrandinspektor Andreas Winter. Das Komplizierteste seien die Schleifkorbtragen gewesen: „Die haben wir in Amerika bestellt. Sie waren trotz Frachtkosten noch günstiger als ein deutsches Markenfabrikat.“ Das leichte Gestell dient dazu, Verletzte zu tragen oder über den Boden zu ziehen. Das US-Modell hat einen umlaufenden Tragegriff, sodass man es einfach halten kann, ohne nach einer Griffmulde suchen zu müssen.

Zur Ausrüstung gehören auch ein Notfallset mit zusätzlicher Atemluft, Hilfs- und Arbeitswerkzeuge und eine Wärmebildkamera, mit der ein Verletzter schnell gefunden werden kann.

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Nach fast eineinhalb Jahren Ausbildung ist die Atemschutz-Notfallstaffel nun einsatzbereit. Ihre Premiere hatte sie Ende Juni bei einer unangekündigten Großübung in einer Tiefgarage in Dietzenbach. Stadtbrandinspektor Andreas Winter geht davon aus, dass die ANTS „vielleicht fünfmal im Jahr alarmiert wird. Bei uns brennt nicht jede Woche eine Lagerhalle.“

Die Verantwortlichen der Feuerwehr hoffen, dass die Rettungsspezialisten nur selten eingreifen müssen. Denn eines ist klar: Lösch- und Rettungseinsätze unter schwerem Atemschutz gehören zu den gefährlichsten Aufgaben der Feuerwehren.

Jürgen Kern von der Feuerwehr Rodgau-Süd und Patrick Moller aus Rodgau-Nord leiten die Atemschutz-Notfallstaffel in Rodgau. Beide sind auch beruflich im Dienst der Feuerwehr. Die ANTS Rodgau ist – nach Langen – die zweite derartige Einheit im Kreis Offenbach. (eh)

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