Flaute an der Futterstelle

Naturschutzbund erklärt, warum in Rodgau die Singvögel fehlen

Müsliähnliches Futter für Wintervögel: Ein Kleiber sitzt an einer Futtersäule in einem Garten des Naturschutzbundes in Rollwald. Noch sind dort Besucher eher selten. Die Witterung ist noch zu mild.
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Müsliähnliches Futter für Wintervögel: Ein Kleiber sitzt an einer Futtersäule in einem Garten des Naturschutzbundes in Rollwald. Noch sind dort Besucher eher selten. Die Witterung ist noch zu mild.

In den vergangenen Wochen erreichen den Naturschutzbund (Nabu) Rodgau viele besorgte Anfragen, da vor allem typische Gartenvogelarten wie Meisen, Finken und Amseln an der Futterstelle ausbleiben. Selbst dort, wo seit Jahren regelmäßig im Garten gefüttert wird, kommen die gefiederten Tiere nicht mehr zur Nahrungsaufnahme. Die Frage lautet regelmäßig:

Rodgau – Wo sind die Vögel in diesem Winter?

Experten des Naturschutzbundes konnten anhand der langjährigen Zählung nachweisen, dass die winterliche Vogelbeobachtung in den Gärten stark von der Witterung abhängt. In kalten und schneereichen Wintern kommen deutlich mehr Vögel in die Nähe der Menschen.

„Die winterliche Gartenvogelwelt wird darüber hinaus von verschiedenen Faktoren beeinflusst“, berichten erfahrene Ornithologen. Neben dem aktuell verfügbaren Nahrungsangebot in Wald und Flur gehören dazu der noch fehlende Zuzug von Wintergästen aus dem Norden und die momentane Großwetterlage, aber auch der generelle Zustand der Lebensräume. Der Nabu führt den aktuellen „Vogelmangel“ auf ein Zusammenspiel verschiedener Ursachen zurück. Dazu zählen die bisher noch vergleichsweise milde Witterung und die noch ausstehenden Wintergäste wie die nordischen Kohlmeisen, Gimpel, Zeisige sowie Buch- und Bergfinken.

Langfristig wirkt die Art, wie wir unsere Gärten und Siedlungen gestalten, auf den Besuch und den Bestand der Tiere. Sind Gärten naturnah mit Vogelnahrung bietenden Büsche bepflanzt, kommen die Tiere auch zur Nahrungsaufnahme. Liguster, Weißdorn, Wildrose, Pfaffenhütchen, Schneeball, Vogelbeere, Felsenbirne und Europäische Eibe bieten Vogelnahrung. Schwarzer Holunder zieht Insekten an und bietet somit auch Vogelnahrung. Schutz bieten Kiefern und Fichten, abgestorbenes Holz gehört in ein Garteneckchen, daneben eine Fläche, die sich selbst überlassen wird.

Manche Rodgauer haben gute Erfahrungen mit Futtersilos gemacht, die frei einsehbar über einer Grünfläche aufgehängt sind. So sehen die Vögel besser nahende Feinde und fühlen sich sicherer. Andere Arten wiederum brauchen eher den Schutz von Ästen und fühlen sich somit in den angesprochenen Büschen wohler.

Vogelfreunde können noch bis zum 19. März ihren Favoriten zum Vogel des Jahres 2021 küren. Zur Wahl stehen Stadttaube, Rotkehlchen, Amsel, Feldlerche, Goldregenpfeifer, Blaumeise, Eisvogel, Haussperling, Kiebitz und Rauchschwalbe.

Während manche über einen den raren Besuch an der Futterstelle klagen, beobachten andere Rodgauer seltene Gäste. So sichtet ein Ehepaar aus Jügesheim in seinem kleinen Garten zurzeit regelmäßig eine schwarzweiße Amsel. Das Phänomen heißt „Leuzismus“ und ist eine harmlose Defekt-Mutation – nicht zu verwechseln mit Albinimus. Diese Laune der Natur ist in abgestufter Form bei verschiedenen Vogelarten nachgewiesen worden. Am besten sieht man das an weißen Flecken im dunklen Federkleid bei Amseln oder Staren. Die Defekt-Mutation führt dazu, dass Fell und Federn weiß und die darunterliegende Haut rosa ist, da die Haut keine Melanozyten, also farbstoffbildende Zellen, enthält. Im Gegensatz dazu sind beim Albinismus die Zellen zwar vorhanden, aber unfähig, den Farbstoff Melanin zu bilden. (siw/bp)

Infos im Internet

nabu-rodgau.de

vogeldesjahres.de

Die Jügesheimer Schwarzweiß-Amsel ist in einem kleinen Reihenhausgarten an der Konrad-Adenauer-Straße regelmäßig zu Gast.

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