„Spielraum gGmbH“

Fördervereine gründen Firma

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Mitarbeiterinnen des Fördervereins der Freiherr-vom-Stein-Schule begleiten Kinder bei den Hausaufgaben. Danach ist Zeit zum Spielen, zur Bewegung, zum Basteln und vielem mehr.

Rodgau -  Zwei Schulfördervereine gründen ein gemeinsames Unternehmen, um die Zukunft ihrer Betreuungsangebote zu sichern. Die „Spielraum gGmbH“ soll am 1. August ihren Betrieb aufnehmen. Von Ekkehard Wolf 

Die Fördervereine der Freiherr-vom-Stein-Schule und der Schule am Bürgerhaus werden Gesellschafter der gemeinnützigen GmbH. Beide Mitgliederversammlungen haben die Gründung einstimmig beschlossen.

An einer Professionalisierung führt nach Ansicht der Verantwortlichen kein Weg vorbei. Beide Vereine zusammen betreuen und verpflegen mehr als 300 Kinder – Tendenz steigend. Sie beschäftigen rund 50 Mitarbeiter und bringen es auf einen Jahresumsatz von mehr als einer halben Million Euro. „Das ist im Ehrenamt schwer zu stemmen“, sagt Nicole Westenburger, die Vorsitzende des Fördervereins der Freiherr-vom-Stein-Schule. Die Dudenhöfer denken seit Jahren darüber nach, ihre Arbeit auf neue Beine zu stellen. Eine gemeinnützige GmbH ist eine anerkannte Rechtsform für Non-Profit-Organisationen. Sie bietet professionelle Strukturen und erlaubt kurze Entscheidungswege.

Das ist auch notwendig, denn viele Mitspieler üben Einfluss auf die Schulbetreuung aus: Neben der Schulgemeinde und der Schulleitung sind auch Stadt, Kreis und Staatliches Schulamt mit im Boot. Die Grenzen der Zuständigkeiten sind nicht immer klar geregelt.

Für Kinder, Eltern und das Betreuerteam ändert sich nichts, auch wenn Eltern und Mitarbeiterinnen ab 1. August einen neuen Vertragspartner haben. Beide Fördervereine wollen den gewachsenen Charakter ihrer Angebote erhalten. Immerhin ist die Betreuung an der Dudenhöfer Grundschule schon 25 Jahre alt. Sie startete 1993 mit sieben Kindern – im nächsten Schuljahr werden es 216 sein.

Die neue Rechtsform soll den Fortbestand des Angebots auch dann sichern, falls es im ehrenamtlichen Sektor mal einen Durchhänger geben sollte. Nicole Westenburger malt den schlimmsten Fall aus: „Irgendwann wird die Mitgliederversammlung nicht beschlussfähig sein oder es wird sich kein Vorstand mehr finden.“ In einem solchen Fall müsste ein Verein den Betrieb aufgeben; bei der Suche nach einem neuen Träger gingen die gewachsenen Strukturen verloren. Genau das wollen die Fördervereine mit ihrer „Spielraum gGmbH“ vermeiden.

Ein Geschäftsführer mit einer 25-Stunden-Teilzeitstelle ist für Aufgaben von A (Anträge) bis Z (Zuschüsse) verantwortlich. Dabei sind unzählige Gesetze zu beachten: vom Datenschutz über die Hygiene bis zur Sicherheit.

Trotz der zusätzlichen Kosten für den Geschäftsführer und die jährliche Bilanzierung sollen die Elternbeiträge nicht steigen. „Wir möchten auch Synergien nutzen“, sagt Jutta Dahinten vom Förderverein in Dudenhofen. Als Beispiel nennt sie den Wareneinkauf für beide Kantinen: Bei der doppelten Abnahmemenge sollten bessere Konditionen drin sein.

Auch andere Schulfördervereine suchen nach neuen Wegen, die Ehrenamtlichen zu entlasten und die Organisation auf professionelle Beine zu stellen. Manche Vereine haben Geschäftsführer eingestellt, ein Verein in Obertshausen hat eine „Mini-GmbH“ (UG haftungsbeschränkt) gegründet. Der Kreis Offenbach unterstützt einige Schulen mit seiner „Ganztagsbetreuung im Pakt gGmbH“.

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