Maroc Offenbach gegen SV Dreieichenhain

Fußballspiel endet vorm Landgericht

Rodgau - Ein Nachspiel vor dem Landgericht Darmstadt hat seit gestern für einen Rodgauer Amateurfußballer eine Partie des FC Maroc gegen den SV Dreieichenhain. Im September 2016 war es dabei zu Tätlichkeiten gekommen, in die der Marokkaner verstrickt war.

Zu einem Urteil kam es noch nicht, weil der als Zeuge geladene Schiedsrichter wegen Magenproblemen kurzfristig fehlte.
In der 88. Minute geriet am 18. September 2016 das Heimspiel des SV Dreieichenhain gegen den FC Maroc aus dem Ruder. Nachdem der damalige SV-Mittelstürmer beim Kampf um den Ball mit einem Spieler des FC Maroc im Strafraum zu Boden gegangen war, eskalierte die Situation. Der wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagte FC-Maroc-Spieler soll zusammen mit einem Kollegen versucht haben, den SV-Stürmer an den Armen hochzureißen. Dann setzte es wohl Tritte auf den Rücken und Kopf des am Boden liegenden Dreieich-Fußballers. Auch soll der Mannschaftskamerad des Angeklagten versucht haben, Zeigefinger und Daumen in die Augen des SV-Kickers zu drücken.

Das Amtsgericht Langen hatte den marokkanischen Landsmann wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt, sein Kumpel muss wegen der versuchten Augenstiche eine Geldstrafe von 1050 Euro zahlen. Während der eine Täter die Geldstrafe akzeptierte, ging sein Mitspieler gegen die Bewährungsstrafe in Berufung. Darüber wird seit gestern vorm Landgericht Darmstadt verhandelt.

Beide Beteiligten sagten dabei zum Sachverhalt aus. Unisono versicherten sie, den SV-Stürmer weder getreten noch geschlagen zu haben. Auch die Sache mit den versuchten Augenstichen sei frei erfunden. Sie hätten lediglich versucht, den am Boden liegenenden Mann im Strafraum hochzuziehen, damit das Spiel weiter gehen könne. Der Stürmer habe während des Spiels mehrfach versucht, einen Elfer herauszuschinden. Das habe man als unsportlich empfunden. Der Schiedsrichter habe sie dann beiseitegenommen und ihnen verboten, den Verletzten weiter anzugehen.

In der gestrigen Verhandlung schilderten mehrere Hobbykicker des SV Dreieichenhain – darunter ein Polizist – mit kleinen Abweichungen die Situation ganz anders. Obwohl aus dem Spiel bei einer 3:1-Führung der Heimmannschaft eigentlich die Luft heraus gewesen war, seien die zwei Spieler des FC Maroc ausgerastet.

Der Angeklagte aus Rodgau habe „mit den Stollen voraus“ ins Gesicht und den Rücken getreten. Nicht nur der SV-Stürmer habe etwas abbekommen, sondern auch ein Mannschaftskamerad, der ihm zu Hilfe eilen wollte. Ihn soll der Angeklagte mit einem Faustschlag „kommentarlos“ zu Boden geschickt haben.

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Mitspieler, Betreuer und Zuschauer stürmten das Feld. Schubsen, Wortgefechte, Gerangel, Rudelbildung. Das Spiel wurde letztlich abgebrochen und als Sieg für den SV Dreieichenhain gewertet. Die zu Hilfe gerufene Polizei sollte die Situation aufklären und beruhigen. Die Besatzung von drei Streifenwagen identifizierte zusammen mit Zeugen direkt nach dem Spiel quasi noch in der Kabine die vermeintlichen Täter.

Strafanzeige stellte lediglich der SV-Stürmer. Sein Kollege, der nach einem Schlag zu Boden ging, verzichtete darauf. Lichtbilder der Polizei zeigten beim SV-Stürmer Rötungen im Gesicht und am Nacken. Zum Arzt ging der Mann nicht. Es gibt folglich kein Attest. Hintergrund dessen sollen Drohungen des Angeklagten gewesen sein. Dieser bestritt gestern, solche Anfeindungen ausgesprochen zu haben. Er habe einem anderen Spieler des SV Dreieichenhain lediglich einmal beiläufig gesagt, man solle die Anzeige doch unterlassen, es sei schließlich nur um Fußball gegangen – „um mehr nicht“. Das Amtsgericht Offenbach hatte den Angeklagten 2012 wegen Beleidigung zu 1000 Euro Geldstrafe verurteilt. Damals ging es um eine Auseinandersetzung im Straßenverkehr. Dabei titulierte der Verurteilte einen Polizeibeamten als Rassistenschwein, das ihn schikaniere, „weil ich Ausländer bin“. Auch soll gefallen sein, er habe sich das Gesicht des Polizisten gemerkt.

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Da der Schiedsrichter der Skandal-Partie wegen Magenproblemen kurzfristig nicht zum Prozess kam, muss die Verhandlung fortgesetzt werden. Der Vorsitzende Richter machte allerdings deutlich, es stehe um die Berufung nicht gut. Ihm eröffne sich hinsichtlich der Zeugenaussagen „kein Verschwörungsblickwinkel“. (bp)

Rubriklistenbild: © dpa

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