Freiwillige helfen Hochwasser-Opfern in Ahrweiler

Helfer aus Rodgau pflanzen einen „Garten der Hoffnung“

Ein Lichtblick im Chaos: Hochwasser-Helfer aus Rodgau haben diesen Vorgarten in Ahrweiler neu angelegt.
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Ein Lichtblick im Chaos: Hochwasser-Helfer aus Rodgau haben diesen Vorgarten in Ahrweiler neu angelegt.

„Diese Solidarität ist einfach Wahnsinn.“ Unternehmer Tobias Schott aus Dudenhofen ist begeistert von der Unterstützung für die Hochwasser-Opfer im Ahrtal. Auch vier Wochen nach der Naturkatastrophe ist die Hilfsbereitschaft in Rodgau riesiengroß Firmen spenden Geräte und Material, Handwerker helfen, Privatleute krempeln die Ärmel hoch.

Rodgau - Die beiden Hilfstransporte vom 17. und 20. Juli waren erst der Anfang. 15 Männer und eine Frau aus Rodgau sind seither ständig im Hochwassergebiet. Sie werden getragen von einem Kreis aus Unterstützern, dem mehrere hundert Leute angehören.

„Wenn ihr was braucht, gebt Bescheid.“ Diesen Satz hört Tobias Schott täglich. Jeder gibt, was er kann. Ein Elektro-Fachbetrieb besorgt Waschmaschinen, ein Großhändler stellt einen Lastwagen zur Verfügung, ein Gastwirt spendiert Schnitzelbrötchen für die Helfer.

Die Hilfsaktion zieht Kreise. Auch Spendenaufrufe im Internet tragen dazu bei. Vieles, was benötigt wird, bekommen die Helfer zum Einkaufspreis. Schott: „Aus jedem Spenden-Euro machen wir vier oder fünf Euro.“

Nach den beiden Hilfstransporten in die Eifelgemeinde Nettersheim engagiert sich die Rodgauer Gruppe nun in Ahrweiler, dem zweitgrößten Stadtteil von Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die Helfer haben eine Art Dorfgemeinschaftsplatz aufgebaut, der als Anlaufstelle für die Menschen aus der Nachbarschaft dient. Dort gibt es sauberes Trinkwasser, etwas zu essen, ein Sanitätszelt und bald auch einen provisorischen Kindergarten – entweder ebenfalls in Zelten oder in einem Containerdorf.

Auf dem Campingplatz haben die Rodgauer einen Waschsalon eingerichtet. Die Geräte wurden gespendet. Ein paar Schritte weiter gibt es einen Baucontainer voller Werkzeuge, die man sich ausleihen kann: vom Stromgenerator bis zur Hilti „alles, was man braucht, um ein abgesoffenes Haus in einen Rohbau zu verwandeln“, wie der Campingplatzbetreiber in einem Online-Video sagt.

Als kleinen Lichtblick haben die Helfer einen Vorgarten neu angelegt. Mit vereinten Kräften brauchten sie dafür nur eine Stunde. Der „Garten der Hoffnung“ strahlt in das ganze Wohngebiet aus. „Eine Bewohnerin sagte zu uns: Ihr räumt unsere Stadt auf und wir räumen unser Leben auf“, erzählt Tobias Schott. Er nimmt an, dass der Wiederaufbau im Ahrtal noch Jahre dauert. „Wir haben die Menschen dort lieben gelernt“, sagt Schott. Das beruht auf Gegenseitigkeit. Die Rodgauer sind schon zum nächsten Weinfest eingeladen – wann auch immer das sein wird. (Von Ekkehard Wolf)

Die Rodgau-Fahne hängt am provisorischen Dorfgemeinschaftsplatz. In der „Ahrche“ gibt es Trinkwasser, Essen und jede mögliche Hilfe.
Saubere Kleidung ist ein Stück Normalität: Waschsalon am Campingplatz.

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