Kleine Feldfrucht, böse Wirkung

Gefahr für Hunde: Mäusegerste verursacht schmerzhafte Verletzungen

Doris Jochum und Wolfgang Kratz (hier mit ihren Vierbeinern Neele und Selma) weisen auf die Gefahren der Mäusegerste hin. Sie wächst nicht nur im Rodaupark in Jügesheim.
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Doris Jochum und Wolfgang Kratz (hier mit ihren Vierbeinern Neele und Selma) weisen auf die Gefahren der Mäusegerste hin. Sie wächst nicht nur in Rodgau (Offenbach).

Die sogenannte Mäusegerste verteilt sich rasant in Rodgau bei Offenbach. Dabei erleiden Hunde oft schmerzhafte Verletzungen.

Rodgau - Kleine Feldfrucht, böse Wirkung: Hundebesitzer warnen vor einem explosionsartigen Wachstum der sogenannten Mäusegerste (weil sie nur niedrig wächst). Nach dem feuchten Frühjahr gedeiht sie derzeit an Wegrändern, auf Wiesen und Baumscheiben – einfach überall und notfalls in der kleinsten Lücke. Der Samenflug macht’s möglich. Die borstenförmigen Spitzen, die Grannen dieses Gewächses, können bei Hunden (aber auch bei umherstreifenden Katzen) böse und schmerzhafte Verletzungen verursachen. Mancher Vierbeiner kann davon ein Lied jaulen. Ohren, Nase, Augen, Genitalbereich, Pfoten: nichts bleibt verschont.

Abschütteln geht nicht. Die Ährenspitzen haben Widerhaken. Sie arbeiten sich bei Bewegung immer tiefer in den Körper der Tiere hinein. Dann wird’s für Fifi richtig schlimm und für Herrchen richtig teuer. Denn oft helfen in diesem Stadium nur noch Endoskopie und Operation beim Tierarzt unter Narkose. Schließlich muss der Fremdkörper ja irgendwie raus.

Rodgau nahe Offenbach: So sehen Ähren aus - grün am Anfang, gelblich, sobald sie reif sind.

Gassigehen in Rodgau bei Offenbach: Mäusegerste für Hunde potenziell gefährlich

Doris Jochums Bolonka-Dame Selma war diesen Sommer schon zweimal betroffen – zuletzt zwischen den Krallen an der vorderen Pfote, rechts. „Es war äußerst schwer, da dran zu kommen. Beim Tierarzt wurde Zugsalbe drauf gemacht und die Pfote verbunden. Schließlich hat’s geklappt.“ Doris Jochum hat Mitarbeiter der Stadtwerke schon mehrfach gebeten, die Gerste – zum Beispiel im Rodgaupark in Jügesheim – vor der Reifung zu mähen – also bevor die Grannen gelb werden, abfallen und sich mit dem Wind verteilen. Aus Naturschutzgründen sei dies aber abgelehnt worden. „Dabei ist das Ganze doch nicht nur für Tiere sondern vor allem auch für kleine Kinder beim Spielen gefährlich.“

Die Rodgauerin schlägt vor, etwa entlang der Rodau Blühstreifen anzulegen, wie die Stadt sie an mehreren Stellen in Rodgau im Frühjahr hat aussähen lassen. Zum Beispiel in Weiskirchen am Radweg nach Hainhausen an der verlängerten Lortzingstraße. „Dann würde die Gerste nicht durchkommen. Und die Insekten hätten etwas davon. Besser als Brennnesseln und die Gerste.“

Rodgau: Bei Verdacht sofort Tierarzt aufsuchen - Hunde reagieren unterschiedlich

Tierärztin Bettina Gramß und ihre Kollegin Antje Rochna haben in ihrer Praxis in Weiskirchen derzeit regelmäßig vierbeinige Patienten mit Grannen-Problemen. „Auf keinen Fall lange warten. Wenn man einen Verdacht hat, sofort kommen“, rät die engagierte Fachfrau.

Woran erkennen Frauchen und Herrchen, dass ein Arztbesuch angesagt ist? „Je nachdem, wo die Granne sitzt, zeigen die Tiere andere Reaktionen. Sie jaulen, sie humpeln und schütteln sich exzessiv oder niesen, dass sie mit dem Kopf fast auf die Erde schlagen. Sie lecken sich fortwährend die Pfote oder das Fell. Sie wollen den Fremdkörper ja verzweifelt los werden“, schildert die Tierärztin mögliche Reaktionen. Und was kann man gegen die hohen Kosten eines Eingriffs tun? „Da hilft es nur, eine Krankenversicherung abzuschließen“, empfiehlt Bettina Gramß. (Bernhard Pelka)

Elias (6) aus Rodgau wünscht sich einen Hund. Daraus entsteht eine Aktion für das Tierheim Offenbach, die auf der ganzen Welt Unterstützer findet.

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