Gartencenter verkaufen so viele Setzlinge wie nie zuvor

Gemüseanbau auf Balkonien

Aufkleber auf dem Boden machen’s deutlich: Auch in großen Gartencentern – wie bei Fischer – muss beim Kauf Abstand gehalten werden. Fotos: pelka
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Aufkleber auf dem Boden machen’s deutlich: Auch in großen Gartencentern – wie bei Fischer – muss beim Kauf Abstand gehalten werden.

In der Krise gehen viele auf Nummer sicher und produzieren das eigene Gemüse im heimischen Garten. Ralf und Bernd Fischer vom gleichnamigen Pflanzenzentrum in Dudenhofen registrieren beim Kaufverhalten der Kunden eine Verschiebung hin zu Nutzpflanzen.

Rodgau – Die Nachfrage hat sich fast verdoppelt. „Den Trend gab es schon vor Corona. Koch-Shows, für die jede Menge Frischeprodukte gebraucht wurden, hatten ihn ausgelöst. Jetzt haben Alarmmeldungen über den Mangel an Erntehelfern und mögliche Lieferengpässe im Lebensmittelhandel die Entwicklung noch mal befeuert“, erzählen die Unternehmer von ihren Erfahrungen.

Salat lässt sich selbst im Balkonkasten leicht anbauen. Es gibt diverse leckere Sorten.

Traditionell haben die Fischers viele Stammkunden, die seit Kindheitstagen regelmäßig im Garten wurzeln und Setzlinge kaufen. „Zur Zeit steigen allerdings auch viele Anfänger ein und holen sich junge Pflanzen, um zu Hause im Kleinen Salat und Gemüse zu machen.“ Diesem Wunsch kommt entgegen, dass es dank ausgeklügelter Zucht inzwischen fast alle Nutzpflanzen auch in Sorten gibt, die sich für den Balkon eignen. Man braucht heute also nicht mehr unbedingt einen großen Gemüsegarten, um frische Vitamine für den Eigenbedarf anbauen zu können. Zum Beispiel Erdbeeren. Oder Johannisbeeren. Und Küchenkräuter sowieso.

„Man sollte aber auf die verschiedenen Ansprüche an den Boden achten“, gibt Bernd Fischer einen Hinweis. Heidelbeeren etwa seien Moorbeetpflanzen. „Und die brauchen halt einen sauren Boden. Dann bringen sie gleich das Mehrfache an Ertrag“, rät der Fachmann.

Anzucht, Marke Eigenbau: Das Fischer-Team zieht den Großteil der Ware selbst vor – wie diese Tomaten.

Normalerweise beraten die Fischer-Brüder in ihrem Gartencenter die Kunden gerne und ausführlich. In Krisenzeiten verbietet sich das aber. Generell hat Corona in dem Betrieb alles auf den Kopf gestellt. Masken fürs Personal wurden besorgt, die Kassenzone mit Planen und Plexiglasscheiben unterteilt. Auf dem Boden mahnen Haltelinien und runde Aufkleber, Abstand zu halten. Hinweisschilder erläutern die wichtigen Regeln beim Einkauf und werben um Verständnis. Desinfektionsmittelspender hängen an Wänden, die Zahl der Einkaufswagen wurde reduziert. Ein Kunde auf 20 Quadratmeter Verkaufsfläche lautet eine Vorschrift. In den weitläufigen Gewächshäusern und im riesigen Freiland-Verkauf lässt sich das leicht realisieren. „Wir konnten die Ware ohne Probleme luftiger stellen“, erläutert Ralf Fischer. Ein Glück ist es auch, dass die Großgärtnerei den Großteil ihrer Ware selbst produziert – und deshalb nicht am Tropf der Zulieferer hängt. Schließlich ist die Lieferkette aus dem Ausland schon seit Wochen unterbrochen oder funktioniert nur eingeschränkt. „Neulich hatten wir Ware in einem Lkw, der musste am Brenner 60 Stunden warten. Die Pflanzen musste er uns natürlich erst gar nicht mehr liefern. Die waren hin.“

VON BERNHARD PELKA

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