Neidisch auf Parkausweis

Geschäftsleute klagen: Rathaus-Mitarbeiter belegen zu viele Stellflächen

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Ein Sonderausweis macht es möglich: Rathausmitarbeiter parken auf dem Platz am Ostring.

Jügesheim - In Jügesheim ärgern sich Geschäfts- und Privatleute über die Sonderparkerlaubnis für Rathausmitarbeiter. Öffentlicher Parkraum ist knapp, im Ortskern ist es manchmal schwierig, einen Parkplatz zu finden, um dort länger stehen zu können.

Für insgesamt 240 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Standorten im Rathaus, Lehrerhaus und Alte Apotheke sind folgende Parkberechtigungen vergeben: an der Mühlstraße 86, am Ostring 73, an der Konrad-Kappler-Straße 10 und 7 an der Eisenbahnstraße. Außerdem stehen den Verwaltungsmitarbeitern 9 der insgesamt 38 Stellplätze in der Tiefgarage des Rathauses zur Verfügung. Die Voll- und Teilzeitkräfte schöpfen allerdings wegen Urlaub oder Krankheit nie sämtliche Parkberechtigungen vollständig den ganzen Tag über aus.

Und doch sind diese Sonderrechte manchem Geschäftsmann oder auch mancher Geschäftsfrau ein Dorn im Auge. Einerseits würden Siechtum des Einzelhandels und Ladensterben beklagt, andererseits stünde den Einkäufern einfach zu wenig Parkraum zur Verfügung, klagen Händler und Handwerker.

Bürgermeister Jürgen Hoffmann meint dazu: „Wir bieten für Rathausmitarbeiter genau die Zahl von Parkplätzen, die die Stellplatzordnung vorschreibt.“ Darüber hinaus sei die Tiefgarage allgemein zugänglich: zu bestimmten Zeiten zwar auf zwei Stunden beschränkt, dafür aber kostenlos. Im Unterschied etwa zur Verwaltung im Kreishaus Dietzenbach sei die Tiefgarage nicht durch eine Schranke gesperrt, erläuterte Erster Stadtrat Michael Schüßler. „Abends steht das Parkhaus in Dietzenbach leer“, sagte er.

Der Niedergang des Schaltknüppels

Bei einem Fachtag zum Thema Mobilität der Zukunft, der kürzlich stattgefunden, habe, sei sehr deutlich geworden, dass jede dritte Autofahrt unter einem Kilometer lang sei. Dementsprechend werde immer mehr darauf gebaut, solche kurzen Entfernungen zu Fuß, per Rad oder mit dem öffentlichen Nahverkehr zu bewältigen, berichtete Schüßler. Darüber hinaus gingen Verkehrsplaner davon aus, dass es angesichts rarer werdender innerstädtischen Flächen, die vorwiegend für Wohnraumbebauung benötigt würden, nicht mehr sinnvoll sei, künftig mehr Raum für Parkplätze zu opfern.

Sollte es zu einer Bebauung des alten Feuerwehrplatzes mit einem Nahversorger kommen, würden dort auch Parkplätze für die Einkäufer entstehen, sagte Jürgen Hoffmann. (siw)

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