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Neues Konzept für technikbegeisterte Realschüler

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Von: Tamara Schempp

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Sophia, Linda und Ayline (von links) haben anhand einer Anleitung ein Förderband mit Lichtschranke gebaut.
Sophia, Linda und Ayline (von links) haben anhand einer Anleitung ein Förderband mit Lichtschranke gebaut. © Schempp

Hainhausen - Die Geschwister-Scholl-Schule hat ein neues Konzept für den Realschulzweig erarbeitet. Ab dem fünften Jahrgang werden die Schüler einer Leistungsklasse intensiv auf gewerblich-technische Berufe vorbereitet. Von Tamara Schempp

Die Schulen liefern nicht genug Arbeitskräfte. Das bemängelt das Institut der deutschen Wirtschaft in seinem aktuellen MINT-Herbstreport zum Fachkräftemangel. Demnach sind in Deutschland eine halbe Million Arbeitsplätze für Ingenieure und Naturwissenschaftler nicht besetzt. Das will die Geschwister-Scholl-Schule (GSS) ändern. Statt einer Wirtschaftsklasse wird es ab dem kommenden Schuljahr vom fünften bis zum zehnten Jahrgang eine Klasse mit MINT-Schwerpunkt geben. Die Abkürzung MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

Die kooperative Gesamtschule fördert im Realschulzweig nun noch intensiver die technischen und naturwissenschaftlichen Kompetenzen ihrer Schüler. Das Konzept dafür wurde komplett neu erarbeitet. So stehen im 5. und 6. Jahrgang im Fach Arbeitslehre neben dem Erwerb von PC-Grundkenntnissen das praktische Arbeiten mit Holz, Metall und Papier im Mittelpunkt. Ab dem 7. Schuljahr lösen die Schüler Aufgaben mithilfe von Fischertechnik, ein Baukastensystem zum Tüfteln an technischen Modellen. Dafür hat die Schule sechs Kisten mit Bauelementen aus Kunststoff wie Statikteile, Getriebe oder Sensoren gekauft. Die Siebtklässlerinnen Sophia, Linda und Ayline haben daraus ein Förderband mit Lichtschranke gebaut.

Die Geschwister-Scholl-Schüler Nils, Max und Lennart (von links) bringen einen Greifarm an das Modell aus Fischertechnik an. Das Projekt ist Teil des neuen MINT-Schwerpunkts des Realschulzweigs.
Die Geschwister-Scholl-Schüler Nils, Max und Lennart (von links) bringen einen Greifarm an das Modell aus Fischertechnik an. Das Projekt ist Teil des neuen MINT-Schwerpunkts des Realschulzweigs. © Schempp

Frauen sind in MINT-Berufen weiterhin unterrepräsentiert. Die 12- und 13-Jährigen können es sich zwar vorstellen, später in der Technikbranche zu arbeiten, sagen sie einstimmig. Aber bis zur Berufswahl bleibe ja noch Zeit. Sophia hat die Ausbildung zur Automechanikerin im Blick. „Ich mag den Geruch von Benzin“, sagt sie und lacht. Die Modelle seien originalgetreu, damit es die Schüler beim Einstieg in den Beruf leichter haben, erläutert der Techniklehrer Wolfram Sundermeier, der das MINT-Projekt ins Leben gerufen hat. „Wir möchten früh den Kontakt zu den Unternehmen herstellen, dann entwickeln die Schüler auch eine Begeisterung dafür.“ Die Konstruktionsaufträge erteilt der Reifenhersteller Pirelli, den die Schule als Kooperationspartner gewinnen konnte. Nach einer Firmenbesichtigung dürfen sich die Jugendlichen im Unterricht an die Arbeit machen. Ihre Ergebnisse stellen sie anschließend in der Pirelli-Firmenzentrale in Breuberg im Odenwald vor.

Nach dem jährlichen Wechsel mit dem Schwerpunkt Naturwissenschaften in der 8. Klasse geht es in der 9. Klasse technisch weiter. Dann lernen die Schüler den Umgang mit 3-D-Druckern. Auch Roboter kommen zum Einsatz. „Wir müssen eine Lücke füllen“, sagt GSS-Leiter Tino Desogus zum Schrei der Industrie nach geeigneten Bewerbern. In Zukunft sollen die Schüler auch an Rodgauer Unternehmen vermittelt werden. Die Finanzierung des derzeit 5 000 Euro teuren MINT-Projekts wird vom Förderverein der Geschwister-Scholl-Schule mit 2 780 Euro und von der Offenbacher Stiftung für Berufsbildung mit 2 000 Euro unterstützt.

Für Grundschüler ist die Zugangsvoraussetzung in die MINT-Klasse ein Notendurchschnitt von 2 oder besser in den Hauptfächern. Am Donnerstag, 6. Dezember, stellt die GSS das MINT-Konzept um 19 Uhr in ihren Räumen, Am Sportfeld 27, vor.

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