Rodgauer Ausländerbeirat: Baye Fara Sall löst Göksal Arslan als Vorsitzender ab

Gesellschaftliche Kraft geworden

Der 46-jährige Baye Fara Sall aus dem Senegal hat Göksal Arslan (rechts) als Vorsitzender des Ausländerbeirates abgelöst.
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Der 46-jährige Baye Fara Sall aus dem Senegal hat Göksal Arslan (rechts) als Vorsitzender des Ausländerbeirates abgelöst.

Im Ausländerbeirat (ALB) ist eine Ära zu Ende gegangen. Göksal Arslan, der – mit kurzer Unterbrechung – das Gremium als Vorsitzender seit 1997 bis zuletzt führte, konnte aus persönlichen Gründen nicht mehr kandidieren. Ihn hat Baye Fara Sall abgelöst, der in seinem neuen Amt auch schon zwei Sitzungen absolviert hat.

Rodgau - Der 46-Jährige aus dem Senegal ist im ALB kein Unbekannter. Seit 2010 ist er Mitglied, kandidierte auch schon, erreichte keinen Listenplatz, wirkte „im Hintergrund aber immer mit“, wie er sagt. Göksal Arslan selbst war es, der Baye Fara Sall vorgeschlagen und angesprochen hat, ob er nicht sein Nachfolger werden wolle. „Er bringt das Engagement mit, und er kann sich dafür auch die nötige Zeit nehmen.“

Im Senegal hat der neue Chef des ALB einige Semester Philosophie studiert und als Lehrer kurz an einer Privatschule gearbeitet. Soziales Engagement ist ihm wichtig. In seinem Heimatdorf Loboudou Doue im Norden Senegals leistet er auch heute noch aus der Ferne einen wichtigen Beitrag zu Erhalt und Ausstattung der Schule dort. „Ich sammele Geld und Sachspenden“, erläutert der Mann, der außer Deutsch noch Französisch, Englisch und afrikanische Sprachen fließend sowie Spanisch „zu 50 Prozent“ spricht. Erst unlängst hat er 50 ausrangierte PC mit Bildschirmen in die Heimat vermittelt.

2001 im Zuge der Familienzusammenführung nach Deutschland gekommen, lebt der heutige U-Bahn-Fahrer mit Frau und zwei Kindern sehr gerne in Rodgau. Hier hat er erfahren, wie Integration funktionieren kann. „Ich habe Gutes kennen gelernt. Dafür möchte ich etwas zurückgeben und mich einbringen.“ Rodgauer Musikfreunde kennen Baye Fara Sall auch als Hobby-Lichttechniker und Laien-Produzent von Livestreams der Kulturinitiative „Open World“.

Seine Ankunft in Rodgau 2001 war der erste Berührungspunkt mit Göksal Arslan. „Ich habe ihm beim Papierkrieg zur Seite gestanden“, erinnert der sich. „Später kam er zu unseren Veranstaltungen und hat sich sehr interessiert. Zum Beispiel zum Mahl der Verständigung.“

Sall steht für Kontinuität und spricht von den Verdiensten seines Vorgängers mit großem Respekt. „Er hat die Themen erkannt, die wichtig sind und den Ausländerbeirat zu einer gesellschaftlichen Kraft gemacht.“ Das ist tatsächlich nicht übertrieben. Unter Arslans Vorsitz kam in Rodgau zusammen mit dem Stadtparlament im Jahr 2000 das erste Integrationskonzept in Hessen zustande. 2007 wurde es aktualisiert. Aus dem geforderten Integrationsbüro entstand das Büro für Teilhabe und Vielfalt, das maßgeblich mitwirkte an der Rodgauer Vielfaltserklärung 2019. Überdies gilt der engagierte Wahl-Rodgauer in Hessen als Wegbereiter der schließlich 1993 in der Hessischen Gemeindeordnung verankerten Pflicht zur Schaffung von Ausländerbeiräten. Unter seiner Mitwirkung entstanden der Türkische Elternverein, die regelmäßige Hausaufgabenhilfe, das Rodgauer Ausbildungsforum und das später hessenweit übernommene Projekt „Mama lernt Deutsch“. Hintergrund dessen war die frühe Erkenntnis, dass Bildung ein Schlüssel zur erfolgreichen Integration ist. „Die schulische Situation war mir immer am wichtigsten. Ich kam hierher und sah: Kinder, Lehrer, aber auch die Eltern sind überfordert. Das galt für die Schule, aber auch für die Ausbildung“, erinnert sich Arslan. Den Anliegen der Zuwanderer Gehör zu verschaffen war sein Antrieb. Der 59-Jährige Techniker und Servicefachmann bei Europas größtem Batteriehersteller in Karlstein kam 1974 nach Deutschland. Sein Vater Seyfettin war schon 1965 als einer von 180 türkischen Gastarbeitern zur Rodgauer Baugilde gestoßen.

Vielfach hat Arslans Wirken öffentliche Anerkennung gefunden: Ehrenplakette der Stadt Rodgau in Silber und Gold, Urkunde des Kreises für besonderes ehrenamtliches Engagement, Silberne Ehrennadel der IG Metall und schließlich: Verleihung des Integrationspreises der Kreises Offenbach.

Von Bernhard Pelka

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