Rodgauer Vereine verzeichnen zum Teil starke Nachfrage

Große Lust auf kleine Gärten

Die Parzellen des Kleingartenvereins Dudenhofen am Gärtnerweg auf einer Luftaufnahme zu sehen.
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Schön deutlich sind die Parzellen des Kleingartenvereins Dudenhofen am Gärtnerweg auf dieser Luftaufnahme zu sehen.

Raus aus der Bude, Corona vergessen und die Natur mit eigenen Händen spüren. Kaum sonstwo geht das so gut wie im Garten, wo es im Frühling allemal genug Arbeit für den täglichen Aktiv-Kurzurlaub gibt. Einige, freilich nicht alle Gartenbauvereine in Rodgau spüren den Pandemiedruck positiv: Der Andrang potenzieller Neumitglieder war bei ihnen kaum je so stark wie zu Beginn des Covid-Jahres zwei.

Rodgau – So etwa „Auf der Höhe“ in Hainhausen, wo Vorsitzender Jörg Fredrich und sein Vorstandsteam die stadtweit jüngste Schreberkolonie auf Kurs halten. 56 Gartengrundstücke haben ebenso viele aktive Mitglieder laut Fredrich seit der Gründung 2010 sprichwörtlich aus dem Boden gestampft.

An der Bahn gleich nördlich des viel älteren Hainhäuser Kleingärtnervereins gab es nach seinen Worten zuvor nur Äcker. Heute wirkt das Areal wie eine Mischung aus Freizeitparadies und Mini-Landwirtschaft. Zwischen Hochbeeten, kleinen Gewächshäusern, sauber abgestochenen Beeten und Sträucherzeilen ragen gemütlich wirkende Hütten und hier und da fantasievoll gestaltete Spiellandschaften auf.

„Wir haben hier -zig Nationalitäten und viele junge Familien“, erzählt Fredrich. Dieselbe „gesunde Struktur“, die er seinem Verein attestiert, erkennt der Vorsitzende hinter den Anfragen, die aktuell im Wochenrhythmus eingehen. Dabei zählt der Vorsitzende nur die ernsthaften Interessenten, die Vorständler mit gut einem Jahrzehnt Erfahrung meist schon nach dem ersten Gespräch benennen können. 25 Namen stehen aktuell auf der Warteliste. „Explosionsartig“ nennt Fredrich die Bedarfsentwicklung seit dem vergangenen Sommer. Ganz anders als in den ersten Jahren, als der Verein mühsam Mitglieder habe werben müssen.

Ruhiger geht es beim etablierten Kleingartenverein am Feldkreuz zu, den es nach Worten seines Vorsitzenden Gert Kiesel seit rund einem halben Jahrhundert gibt und dessen Anlage mit zwölf Parzellen, meist von älteren Mitgliedern bewirtschaftet, kleiner ist. Zwei Anfragen hat Kiesel in den vergangenen fünf Wochen vermerkt – vermutlich Zuzügler im Baugebiet West, meint er, wohl ohne Corona-Hintergrund. Auf die Schnelle könne sein Verein nicht helfen: „Die Parzellen sind alle besetzt, vor vier oder fünf Jahren dürfte da nichts drin sein.“

Ähnlich stabil beschrieb der früheren Vorsitzende Dieter Seib-Haller vor Beginn der Pandemie die Lage beim Kleingärtnerverein Dudenhofen. Wie hoch die aktuelle Nachfrage am Gärtnerweg ist, war nicht zu ermitteln.

Kaum bis gar nicht wahrnehmbar ist ein covid-befeuerter Garten-Hype beim Obst- und Gartenbauverein Hainhausen. Er hat nach Angaben seiner Vorsitzenden Sabine Liebich keine eigene Anlage, Interessenten pachten bei der Stadt und werden daher auch dort vorstellig. Bei den Anfragen, die dennoch den Vorstand erreichten, sei kein Corona-Schub zu spüren.

Ganz anders im Süden, wo Janine Jähnichen, Vorsitzende des Kleingärtnervereins Nieder-Roden, allein in der ersten April-Hälfte sieben neue Interessenten auf die Warteliste setzte. Kandidaten brauchen Geduld: Weil laut Jähnichen jährlich nur zwei oder drei der 35 Gärten frei werden, seien drei Jahre Wartezeit nicht ungewöhnlich. Wie auch sonst überall müssen Neueinsteiger etwas Geld mitbringen: Hütten, Schuppen, Pflanzen und Installationen sind oft gegen Abstand zu übernehmen. Damit nicht gewuchert wird, führen die Vorstände Regie: „Geschäfte machen, ist nicht Sinn der Sache“, sagt Gert Kiesel.

So ähnlich halten es die organisierten Kleingärtner überall, in Rodgau und darüber hinaus. Die Regel ist ein Mitgliedsbeitrag und von Fall zu Fall eine kleine, meist zweistellige Jahrespacht. Meist sind die Vereine selbst Pächter der Stadt und unterliegen dem deutschen Kleingartengesetz. Demnach muss mindestens ein Drittel jeder Parzelle dem Gemüse-, Obst- oder Kräuteranbau vorbehalten sein. Ein weiteres Drittel darf für Spiel und Freizeit, das dritte für Hütte und Freisitz genutzt werden.

„Reine Freizeitgärten, wie von vielen gewünscht, sind nicht möglich“, betont Janine Jähnichen. Ihr Verein besteht darauf, dass Bewerber auf der Warteliste Mitglieder werden – Prüfstein für die Ernsthaftigkeit, allerdings bis auf den Beitrag ohne Verpflichtungen. Springt ein Neugärtner wieder ab, bleibt die Vereinschefin entspannt: „Dank Warteliste kein Problem.“ (zrk)

Die Natur mit Händen spüren. Kaum sonstwo geht das so gut wie im Garten, wo es im Frühling allemal genug Arbeit für den täglichen Aktiv-Kurzurlaub gibt. 

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