Rodgau wächst

Grünes Licht für 106 neue Wohnungen

Die niedrigen Betriebsgebäude der Firma Vaihinger sollen viel höheren Neubauten weichen.
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Die niedrigen Betriebsgebäude der Firma Vaihinger sollen Neubauten weichen.

Das Stadtparlament hat zwei wichtige Bauvorhaben auf den Weg gebracht: Doktorhaus und Vaihingergelände. Insgesamt entstehen 106 neue Wohnungen.

Rodgau – Mit denkbar knappen drei Stimmen Vorsprung hat das Stadtparlament den Weg frei gemacht für die Bebauung des Geländes am Doktorhaus in Dudenhofen. Ein Investor aus Obertshausen möchte dort rund um das denkmalgeschützte Doktorhaus bis zu 33 Wohnungen in einem U-förmigen Gebäudekomplex errichten.

Gegen diese Nachverdichtung hatte sich eine Anwohnergemeinschaft formiert. Ihr Protest bewirkte zwar, dass die Dimensionen des einst 14 Meter hohen Bauwerks schrumpfen. Dies geschieht aber nicht im gewünschten Maß. Bei seinen erzwungenen Umplanungen berücksichtigte der Bauherr zwar neue Höhenbeschränkungen. Er darf aber weiter bis zu 33 Wohnungen bauen.

Die Anwohnerinitiative wollte wegen des zusätzlichen Verkehrs und der vielen Parker zehn Wohnungen weniger. Die Tiefgaragenplätze (Doppelparker) würden wohl kaum genutzt, weil sie unpraktisch seien. Das werde den Parkdruck in umliegenden Straßen massiv erhöhen.

Wie hoch darf die Bebauung in einem Wohnviertel sein, das eine zweigeschossige Bauweise prägt? An dieser Frage schieden sich in der jüngsten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung die Geister. Der vorhabenbezogene Bebauungsplan fürs Doktorhausgelände war also umstritten bis zuletzt. Letztlich machte die Rathausmehrheit aus SPD, Grünen, FDP und Rodgauer Liste den Weg mit ihren 23 Stimmen frei. CDU, AfD und der Wählerverein „Zusammen mit Bürgern“ (ZmB) votierten dagegen (20 Stimmen).

Für die CDU kritisierte Clemens Jäger den Bauplan als „Mogelpackung“. Die Rathaus-Kooperation hätte zunächst zwar eingelenkt. Jetzt aber bleibe die Zahl der möglichen Wohnungen unangetastet. „Das wird denselben Ziel- und Quellverkehr produzieren – so, wie es vorher auch gewesen wäre.“ Jäger sagte, der Baukörper passe nicht zum Umfeld. „Mit wenigen Abstrichen“ bleibe leider „alles beim Alten“. Otto Melzer (ZmB) schlug gar vor, die Bebauung rund um das Kulturdenkmal ganz zu unterlassen. Stattdessen solle das Haus hergerichtet werden und ringsum ein Park entstehen – ein Kleinod als touristischer Magnet.

Heino Reckließ (FDP) erläuterte, weshalb die Kooperation so und nicht anders entscheiden könne. Immerhin habe man dem Investor ja einige Zugeständnisse abgerungen. Die einst mit 14 Metern geplante Firsthöhe werde nun 11,23 Meter betragen. Das sei niedriger als das Doktorhaus. Sofern der vorhabenbezogene Bebauungsplan abgelehnt werde, beraube sich die Stadt ihrer Möglichkeiten der Beschränkung. Denn dann könnte der Bauherr bei der Kreisbauaufsicht eine Bebauung beantragen, die sich nach der Höhe umliegender Häuser richte (nach § 34 Baugesetzbuch). Dann seien „Grenzbebauung angesagt“ und Firsthöhen bis zu 13,49 Meter möglich. „Dann wird alles viel enger und es kommen Dinge auf Sie zu, die ahnen Sie nicht mal.“

Kontrovers war auch die Debatte um den Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan für das ehemalige Betriebsgelände der stillgelegten Firma Vaihinger in Jügesheim. An Haingraben- und Hunsrückstraße hatte ein Investor aus dem Taunus zunächst den Bau von 98 Wohnungen in bis zu viergeschossigen Häusern geplant. Das stieß weder bei Anwohnern, noch bei der Rodgauer Politik auf Begeisterung: viel zu hoch! In Verhandlungen mit dem Magistrat ließ sich der Bauträger dann auf 73 Wohnungen in 2,5-geschossigen Gebäuden festlegen. Für die FDP lobte deren Vorsitzende Martina Sertic das Projekt. Sie habe sich eine ähnliche Wohnanlage des Investors angesehen und sei angetan gewesen. Max Breitenbach (CDU) hingegen kritisierte: „Die Stadt stöhnt unter massiver Nachverdichtung. Die Menschen, die dort schon wohnen, wollen keine Wohn-Insel vor die Nase gesetzt bekommen, die dort nicht hin passt.“ Selbst die reduzierte Bauweise bedeute 100 weitere Autos in dem engen Quartier. Sicher wolle auch die CDU Wohnungsbau. „Aber nicht in diesen Dimensionen.“ Auch Anwohner wollen sich damit nicht zufrieden geben. In einem Fragenkatalog an den Magistrat fordern sie eine Umweltprüfung, eine „Pflichtmiete von Stellplätzen für alle Mobilitätsmittel“ und wollen unter anderem geklärt wissen: Verändern sich die Grundwasserverhältnisse insbesondere durch den Bau der Tiefgarage? Ist der Kanal groß genug? Ist die Verschattung umliegender Grundstücke ein Problem?  (bp)

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