Unterricht unter freiem Himmel oder im Bauwagen

Grundschule mitten im Wald bei Rodgau geplant

Die Zufahrt zum Don-Bosco-Heim ist künftig auch die Einfahrt zur Agapeschule. Die Wiese rechts der Zufahrt wird zum Schulgelände.
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Die Zufahrt zum Don-Bosco-Heim ist künftig auch die Einfahrt zur Agapeschule. Die Wiese rechts der Zufahrt wird zum Schulgelände.

Eine Schule unter freiem Himmel soll im Wald bei Nieder-Roden entstehen. Es wäre die erste Waldschule der Region – und die erste Privatschule in Rodgau.

Rodgau - Die ehemalige Fußballwiese am Don-Bosco-Heim soll zum grünen Klassenzimmer werden. Die katholische Pfarrgemeinde St. Matthias verpachtet sie für 200 Euro pro Monat an die Senseability-Academy (Obertshausen). Das gemeinnützige Unternehmen in der Rechtsform einer haftungsbeschränkten Unternehmergesellschaft (gUG) betreibt bereits mehrere Waldkindergärten, unter anderem in Babenhausen.

Für Asha Scherbach, die das Unternehmen nach außen vertritt, ist die Waldschule die logische Fortsetzung des Waldkindergartens. Der Unterricht soll fast ausschließlich im Freien stattfinden – „mit dem tiefen Vertrauen, dass über das Handeln und Erleben so viel gelehrt werden kann, dass es nicht nur von der ersten bis zur vierten, sondern bis zur 13. Klasse reicht“. Die Schüler sollen nicht in herkömmlichen Unterrichtsfächern lernen, sondern individuell und handlungsorientiert. Zu den Tätigkeiten in der Schule gehören Gärtnern, Werken, Kunst und Kochen.

Eine Lerngruppe soll nicht mehr als acht bis zehn Kinder umfassen. „Das ist natürlich schon ein Luxus, weil man sich den Kindern intensiver zuwenden kann“, sagt Asha Scherbach.

Neue freie Schule in Rodgau: Pädagogisches Konzept orientiert sich an Anthroposophie

Das pädagogische Konzept orientiert sich an der Anthroposophie. Die freie Schule in Rodgau soll aber keine Waldorfschule werden. Sie will ihren eigenen Weg gehen. Dabei berücksichtigt sie sowohl den hessischen Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder bis zehn Jahre, als auch die Kriterien der internationalen Bildungskampagne „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE). „Die Stärkung der Basiskompetenzen des Kindes und die Achtung und Demut vor der Seelenentwicklung und Seelenaufgabe des Kindes steht hier im Vordergrund“, heißt es auf den Internetseiten der Schulinitiative.

Die Verträge sind geschlossen: Pfarrer Dr. Peter Eckstein, Asha Scherbach und Francesco Campo (sitzend, von links) unterzeichneten die Nutzungsvereinbarung zuerst.

„Es gab schon vor 100 Jahren Waldschulen in Berlin“, sagt Francesca Campo, die sich ebenfalls für die Schulgründung engagiert. Ihre Motivation zieht sie auch aus ihren Erfahrungen als Mutter im Waldkindergarten „Wühlmäuse“: „Wir haben gesehen, wie gut der Wald den Kindern tut.“

Die Namensgebung „Agapeschule“ greift einen Begriff aus dem Christentum auf. Das griechische Wort Agape (Liebe) steht im Neuen Testament für die göttliche Liebe.

Schulinitiative hofft auf finanzielle Unterstützung der Stadt Rodgau

Bei Pfarrer Dr. Peter Eckstein fiel die Idee auf fruchtbaren Boden: „Ich weiß nicht, wie eine Waldschule funktioniert, aber ich finde es ein interessantes Projekt.“ Es sei nicht schwer gewesen, den Pfarrgemeinde- und den Verwaltungsrat zu überzeugen. Die Schulinitiative passe gut zur Aufbruchstimmung des pastoralen Wegs: „Es kommt viel Neues. Wir müssen nur den Mut haben, den Weg zu gehen und zu lernen.“

Bei Unwetter können sich die Schüler notfalls ins feste Gebäude flüchten; ansonsten hat jede Klasse einen Bauwagen.

Im September 2022 soll die Schule ihren Betrieb aufnehmen: montags bis freitags von 7.30 bis 16 Uhr. „Wir hoffen, dass wir Ende Oktober alle Unterlagen beim Schulamt einreichen können“, sagt Asha Scherbach. Spätestens bis zum Frühjahr sollen alle Änderungswünsche der Behörden abgearbeitet sein. Parallel dazu läuft die Personalsuche. Eine Waldorflehrerin und ein Musiker sind bereits an Bord.

Neu gegründete Schulen in freier Trägerschaft müssen sich in den ersten drei Jahren ohne Landeszuschüsse finanzieren. Die Schulinitiative hofft aber auf finanzielle Unterstützung der Stadt Rodgau. „Wenn die Nachmittagsbetreuung gefördert wird, wird es für die Eltern erträglicher“, so Scherbach. Ohne diese Hilfe müssten Eltern 400 Euro Schulgeld pro Monat bezahlen. (Ekkehard Wolf)

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