Erst vier Jahre nach dem Auftrag liegt eine neue Verkehrberechnung vor

Gutachten mit Verspätung

Noch endet die Südtrasse am Kreisel mit der Wilhelm-Leuschner-Straße. Anwohner wollen den Weiterbau durch die Rodau-Aue bis zur B 45.
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Noch endet die Südtrasse am Kreisel mit der Wilhelm-Leuschner-Straße. Anwohner wollen den Weiterbau durch die Rodau-Aue bis zur B 45.

Vier Jahre hat’s gedauert – jetzt liegt es endlich vor: das Verkehrsgutachten zum Weiterbau der Rodgau-Ringstraße unter Berücksichtigung der diversen Neubaugebiete in der Stadt.

Rodgau - Welche Auswirkungen auf den Autoverkehr haben die vielen Neubaugebiete zwischen Nieder-Roden und Weiskirchen? Unter anderem dieser Frage ging ein bereits 2016 vom Parlament beauftragtes Verkehrsgutachten zur Verlängerung der Rodgau-Ringstraße nach. Vor allem aber streifte das Gutachten zwei Verkehrsthemen, die Rodgau seit mehr als einem Jahrzehnt beschäftigen: Wie wirkt sich ein Weiterbau der Rodgau-Ringstraße Richtung A 3 aus und was brächte eine Verlängerung der Südtrasse bis zur B 45-Auffahrt Hainhausen? Es dauerte vier Jahre, bis die Expertise jetzt im Verkehrsausschuss vorgestellt werden konnte.

Die Verkehrsplaner der Wiesbadener Heinz + Feier GmbH gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2030 in den Neubaugebieten für Wohnen und Gewerbe zusätzliche 8 720 Bewohner leben und 1 330 neue Arbeitsplätze entstanden sein werden.

Davon ausgehend, würde nach den Verkehrsberechnungen der Weiterbau der Rodgau-Ringstraße ab Hainhausen mitten durchs Feld bis zur Autobahn die Hauptstraße in Weiskirchen im Jahr 2030 um 1600 Autofahrten binnen 24 Stunden entlasten, die Udenhoutstraße Richtung Selgros um 1150 und die Südtrasse Hainhausen um 1250.

Heute gibt es auf der Hauptstraße 9 950 Autofahrten binnen 24 Stunden. Im Jahr 2030 wären es 1000 mehr. Der Weiterbau der Ringstraße würde diesen prognostizierten Zuwachs also mehr als wettmachen.

Untersucht haben die Planer auch die Auswirkungen, die ein Weiterbau der Südtrasse in Hainhausen durch die Rodau-Aue bis zu B 45 haben würde. Dieser Durchstich würde die Wilhelm-Leuschner-Straße in 24 Stunden um 9900 Fahrzeugbewegungen entlasten und die Alfred-Delp-Straße dann sogar um 10 400. Allerdings würde zeitgleich der Westen von Hainhausen mehr belastet als bisher, weil auf dem neuen Durchstich mit 13 550 Autofahrten gerechnet wird. Und die müssen ja irgendwie dahin kommen. Heute werden an der Einmündung Rodgau-Ringstraße/Südtrasse 7 450 Fahrten gezählt. Entlastet würde hingegen die Weiskircher Straße in Jügesheim um 1600 Kfz. Mehr Verkehr (plus 1050) hätten aber Anlieger der südlichen Wilhelm-Leuschner-Straße. „Wir könnten dann also eine Bürgerinitiative gegen die nächste austauschen“, analysierte Heino Reckließ (FDP) die möglichen Folgen. „In der einen Ecke Entlastung, in der anderen Ecke mehr Verkehr.“

Aber die Rodgauer fahren doch nicht alle nur im Kreis herum.

Stadtverordnetenvorsteherin Anette Schweikert-Paul zum teils irritierenden Zahlenspiel der Verkehrsplaner

Bürgermeister Jürgen Hoffmann folgerte aus dem komplexen Zahlenspiel der Verkehrsplaner, dass es vor allem darauf ankomme, Bund und Land für einen Ausbau des Knotens B 45  / A3, die Autobahnanschlussstelle Hanau, zu gewinnen. Denn sobald es an dieser Anschlussstelle klemme oder die A 3 dicht sei, verlagere sich eine Unmenge an Verkehr nach Weiskirchen und auch in andere Stadtteile.

Die Referenten aus Wiesbaden machten deutlich, dass es sich bei den gezählten Fahrbewegungen zwar meist um Berufspendler nach Frankfurt. Hanau und Offenbach handele. Ein nicht zu vernachlässigender Teil entstehe aber auch durch innerörtlichen Verkehr.

Manche im Saal irritierte, dass die Zunahme der innerörtlichen Verkehrsströme mit der Abnahme des Autoverkehrs ringsum nicht in jedem Fall korrespondierte. „Außen rum nimmt der Verkehr weniger ab, als er im Ort zunimmt“, formulierte ein Ausschussmitglied diese Diskrepanz. Die Planer erklärten dies damit, dass jede neue Straße Verkehr anziehe und zur Verlagerung des innerörtlichen Ziel- und Quellverkehrs führe. Dabei kämen dann auch Mehrfachfahrten zustande – etwa zum Einkaufen und wieder zurück.

Über die politischen Folgen des Gutachtens wird im Parlament wohl noch rege diskutiert werden.

Von Bernhard Pelka

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