Georg Zahn hofft auf ein neues Zuhause für seine Sammlung

Ein Herz für Anrufbeantworter

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Beeindruckt vom technischen Wandel: Helmut Trageser, Georg Zahn und Martin Häfner (von links) im Heimatmuseum Weiskirchen mit Bauteilen der historischen Geräte und einem Smartphone.

Weiskirchen – Sammler sind merkwürdige Menschen: Was sie begehren und warum sie so von ihrem Sammelgebiet begeistert sind, können Außenstehende oft nicht nachvollziehen. Von Simone Weil

Doch wer mit Georg Zahn ins Gespräch kommt, merkt ganz schnell, dass er es mit einem technikbegeisterten Tüftler zu tun hat. Sonst wäre dieser auch nicht auf die Idee gekommen, Anrufbeantworter zu sammeln. Mehr als 50 Anrufbeantworter und Diktiergeräte aus 55 Jahren zeigt der 69-Jährige erstmals in der neuen Ausstellung des Heimat- und Geschichtsvereins Weiskirchen, die gestern im alten Spritzenhaus eröffnet wurde. Darunter sind koffergroße Geräte wie der „Alibiphonomat“ von 1962. Die ersten Anrufbeantworter in den 1960er-Jahren bildeten den Anfang der ständigen Erreichbarkeit.

Georg Zahn (Offenbach) war als Servicetechniker für Marken wie Zettler, Assmann, Compur, Tiptel und Uher tätig. Er ist begeistert von der Technik, die in den Geräten steckt, die es Jahrzehnte vor dem Mobiltelefon gab. Die meisten Maschinen sind trotz ihres Alters noch betriebsbereit. Die Museumsbesucher dürfen sie ausprobieren. Für Elektronik-Spezialisten werden Schaltpläne und Prüfgeräte ausgestellt. Das Heimatmuseum verdankt diese Ausstellung persönlichen Beziehungen: Sammler Georg Zahn ist der Schwager des Vereinsvorsitzenden Helmut Trageser.

Koffergroß: Unter dem Deckel verbirgt sich ein Tonbandgerät der Marke „Astra“.

Trageser und Vereinsmitglied Martin Häfner freuen sich über die Schätze, die Zahn nach Rodgau ausgeliehen hat: „Jüngere Leute kennen das ja gar nicht mehr“, sagt Trageser. Deswegen hofft er, dass möglichst viele junge Besucher und womöglich auch Schulklassen den Weg ins kleine Museum finden werden. Ergänzend zu den Anrufbeantwortern stellt die Schau die Anfänge der mobilen Kommunikation dar. Dieser Teil stammt von Professor Manfred Merkel, der an der Technischen Hochschule Mittelhessen in Friedberg lehrt. Seit den 1950er-Jahren baute die damalige Deutsche Bundespost das flächendeckende Telefonsystem in Westdeutschland auf. Ab den 1960-er Jahren hatten fast alle Firmen und Haushalte ein Telefon. Für Unternehmen, aber auch für Ärzte und andere Freiberufler wurde es immer wichtiger, telefonisch erreichbar zu sein. Termine und Bestellungen wurden per Telefon übermittelt. Wenn niemand abhob, war kein Geschäft möglich.

„In dieser Zeit wurde der automatische Anrufbeantworter erschwinglich“, berichtet Georg Zahn. Die Geräte konnten zunächst lediglich Ansagen abspielen, etwa Öffnungszeiten oder andere Informationen. Erst später konnten die Anrufer selbst Nachrichten hinterlassen. Tüftler Zahn fand als Servicetechniker Lösungen für fast jedes Problem: Weil für aufeinanderfolgende Feiertage bei einem Kunden verschiedene Ansagen benötigt wurden, entwickelte der Bastler mithilfe einer Steuerung für Kirchturmglocken ein passendes System, das sich nacheinander einschaltete.

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Doch Zahns Sammelleidenschaft soll nun ein Ende haben, auch wenn die Geräte für den Offenbacher kaum an Faszination verloren haben: Er hofft, dass sich ein neues Zuhause für sie finden lässt. Über die Präsentation in Weiskirchen möchte er Kontakte knüpfen zu Sammlern oder Museen und die Geräte gar nicht mehr nach Bieber zurückbringen müssen.

Der Alibiphonomat der Firma Alois Zettler stammt aus dem Jahr 1962.

Im Gegensatz zur heutigen Digitaltechnik wurden die Ansagen früher in analoger Form aufgezeichnet. „In einem Anrufbeantworter von 1962 wird die Ansage auf eine Magnetscheibe gespeichert. Das ist das gleiche Prinzip heutiger Festplatten“, erklärt Zahn. „Dies war damals Hightech und entsprechend teuer. Mehrere Tausend Mark waren keine Seltenheit. Entsprechend wurden die Geräte gepflegt und gewartet. Das spezielle Anrufbeantworter-Symbol neben der Telefonnummer im Telefonbuch war ein Statussymbol.“

Dennoch war der technische Fortschritt nicht aufzuhalten. Der gelernte Elektroinstallateur verlegte sich schließlich auf den Verkauf von Diktiergeräten. Solche Aufzeichnungen sind längst per Smartphone möglich.

Öffnungszeiten

Die Schau im Heimatmuseum in der Bahnhofstraße 8 ist geöffnet: am 6. Januar, 3. Februar, 3. März und 7. April, jeweils von 11 bis 17 Uhr.

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