App-Sammeltaxi soll ab 2024 jährlich 1,15 Millionen Euro kosten

„Hopper“ löst in Rodgau nicht nur Freude aus

Als Ergänzung zu S-Bahn und Stadtbus könnte der „Hopper“ der Kreisverkehrsgesellschaft auch in Rodgau fahren. Das kreiseigene Unternehmen soll jedoch erst ein detailliertes Konzept vorlegen. In Seligenstadt und im Ostkreis (
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Als Ergänzung zu S-Bahn und Stadtbus könnte der „Hopper“ der Kreisverkehrsgesellschaft auch in Rodgau fahren. Das kreiseigene Unternehmen soll jedoch erst ein detailliertes Konzept vorlegen. In Seligenstadt und im Ostkreis (

Eine flexible Form des Anrufsammeltaxis verspricht der sogenannte „Hopper“ der Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach (kvgOF). Zwei Jahre nach dem Beginn des Pilotprojekts im Ostkreis könnten die geräumigen Elektroautos bald auch in Rodgau fahren. Allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: Während der Hopper im Ostkreis als Ersatz für weggefallene Buslinien dient, wäre er in Rodgau ein zusätzliches Angebot zu Bus und S-Bahn.

Rodgau - „Die Stadt Rodgau bekundet grundsätzliche Bereitschaft zur Einführung des Hopper“, haben die Stadtverordneten am Montag einstimmig beschlossen. Allerdings soll die kvgOF erst „ein detailliertes Einführungskonzept“ mit Finanzierungsplanung vorlegen. Erst dann will sich das Stadtparlament endgültig entscheiden.

Die Finanzierung ist der Pferdefuß. Nach einer relativ preisgünstigen Einführungsphase (50 Cent pro Einwohner und Monat) soll der Hopper ab 2024 durch eine erhöhte Kreisumlage finanziert werden. Für Rodgau bedeutet das zunächst 270 000 Euro pro Jahr und später mehr als das Vierfache: 1,15 Millionen. Auch in Rödermark gibt es Sorgen wegen der hohen Kosten. Die Stadt Seligenstadt fordert bereits „kostendämpfende Maßnahmen“.

Seit fünf Jahren hätten es die Städte und Gemeinden im Kreis Offenbach nicht geschafft, sich auf eine gerechte Finanzierung des Hoppers zu einigen, kritisierte Jürgen Kaiser (SPD) am Montag im Rodgauer Stadtparlament: „13 Kommunen haben nichts im Hirn als ihre eigenen Vorteile.“ Sein Urteil: „Hier werden die Verluste sozialisiert.“ Kaiser ist auch ein langjähriger Kreistagsabgeordneter.

On-Demand-Nahverkehr soll Umstieg vom Auto erleichtern

Rodgau stehe vor einem wichtigen Schritt zur Verbesserung der Nahmobilität, freute sich Max Breitenbach (CDU). Der Hopper sei flexibler und komfortabler als der Stadtbus und könne den Linienverkehr ersetzen. Normale Busse seien dann nur noch im Schüler- und Berufsverkehr nötig.

„Mit dem entsprechenden Willen könnte der heutige Stadtbus größtenteils vom Hopper abgelöst werden“, meinte auch Otto Melzer (ZmB).

Karin Wagner (Grüne) bezeichnete die Idee des Bedarfsverkehrs als „im Grunde auch nicht so verkehrt“. Die Stadtbusse würden fast ausschließlich von Schülern genutzt: „Dass der Bus nicht optimal ist für die übrige Bevölkerung, sieht man daran, dass er leer herumfährt.“

Stadtbus befördert 2600 Fahrgäste täglich, der Hopper nur 400

„Wir alle lieben den Hopper, koste es, was es wolle“, fasste Heino Reckließ (FDP) sarkastisch zusammen: „Der Kreis hat uns den Hopper aufgezwungen. Wir brauchen ihn in Rodgau nicht.“ Wenn ZmB und CDU heute Hurra riefen, müssten sie 2024 auch für eine höhere Grundsteuer stimmen. Nur so könne die Stadt die steigende Kreisumlage bezahlen.

Erster Stadtrat Michael Schüßler erinnerte daran, dass der Stadtbusverkehr per europaweiter Ausschreibung bereits bis 2029 festgelegt sei. Der Hopper sei eine gute Idee, könne aber die städtische Buslinie nicht ersetzen. Die neun Fahrzeuge, die die kvgOF für Rodgau plane, könnten bei einer Betriebszeit von 15 Stunden täglich nur 400 Personen befördern: „Unser Stadtbus bewältigt im Durchschnitt eines normalen Tages 2 600 Fahrgäste.“ (Von Ekkehard Wolf)

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