Begehrte Schmuckstücke

Bei Nik Huber entstehen weltweit gefragte Edelgitarren

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Nik Huber beim Signieren eines Instruments. Die Gitarren aus seiner Rodgauer Werkstatt gehen in alle Welt.

Nieder-Roden - Aus edlen Hölzern exklusive Gitarren bauen: Mahagoni, Palisander und Ahorn verarbeitet Nik Huber zu ganz besonderen Instrumenten. In seiner Werkstatt an der Benzstraße in Nieder-Roden entstehen jährlich zwischen 220 und 250 Gitarren, die weltweit gefragt sind. Von Simone Weil 

Bands wie die Foo Fighters, Queens of The Stone Age oder Die Toten Hosen haben Huber-Gitarren im Gepäck, aber auch bei den Musikern um Tim Bendzko, Xavier Naidoo und Helene Fischer werden die Instrumente aus Rodgau gern gespielt. Angefangen hat alles damit, dass der Instrumentenbauer als Teenager am liebsten selbst Rockstar geworden wäre. Dem Klischee zufolge zerstören die jedoch hin und wieder ihre Gitarren. Um ein Huber-Instrument aber wäre es schade. Denn Kritiker schwärmen oft von den „Traumgitarren“, bei denen „Made in Germany“ für handwerkliche Bestarbeit steht. Tatsächlich sind es auch optisch Schmuckstücke mit feinen Lackierungen und Intarsien. Kein Wunder, dass der Chef sie wie ein Künstler handschriftlich signiert.

Gitarren im Trockenraum.

Zu den besonders prachtvollen Exemplaren gehört etwa die Blauwal genannte Gitarre: eine limitierte Ausgabe von 25 Stück. Den Erlös aus dem Verkauf dieser Gitarren spendet der Rodgauer für die Arbeit des kanadischen Forschers Richard Sears. Die leuchtend blauen Wellen des Ozeans zieren den Gitarrenkörper, ein Blauwal mit Kalb als wunderschöne Perlmuttintarsien hübschen das Griffbrett auf: ein wahres Sammlerstück.

1997 hat der gelernte Schreiner, der auf eine mehr als 100-jährige Familientradion in der Holzverarbeitung zurückblicken kann, seinen eigenen Betrieb gegründet. Vor einem Jahr ist Nik Huber mit seinen zehn Mitarbeitern umgezogen und nun gegenüber der Schreinerei Manus zu finden. Bei Manus hat der Gitarrenbauer nicht nur seine Ausbildung absolviert, er lagert auch viele seiner kostbaren Holzvorräte in den Räumen. Von gutem Holz hat Huber übrigens so viel, dass er es selbst gar nicht mehr verarbeiten kann.

Das Blauwal genannte Prachtstück. Der Erlös aus dieser limitierten Auflage soll in die Blauwalforschung fließen.

„Holz aussuchen und kaufen ist eine Leidenschaft von mir“, gesteht der Gitarrenfan. Schließlich macht das Holz den Ton. Genauer gesagt: die Kombination verschiedener Hölzer. Um die passenden Werkstoffe – gut gewachsen und ohne störende Einschlüsse – zu finden, ist der Geschäftsmann immer wieder weltweit unterwegs. Bei einem Gitarrenbauer auf Formentera hat der heute 48-Jährige Blut geleckt. Doch das Leben dort sei „familienfeindlich“, gewesen, wie Huber sagt. Deswegen zog es ihn nach Deutschland zurück. Mit Frau und seinen zwei Söhnen wohnt er nun in Nieder-Roden.

Es braucht zwischen vier und sechs Wochen, bis eine Huber-Gitarre fertig ist – inklusive aller Schleif-, Lackier- und Trockenphasen. Gefertigt wird komplett im kleinen Nieder-Röder Betrieb: Vom Fräsen der Holzteile bis zum letzten Polieren ist jede Menge Handarbeit angesagt. Inzwischen gibt es eine Warteliste von etwa einem Jahr für neue Bestellungen. Wenn der Kunde nicht bei einem der 40 weltweit ansässigen Händler fündig wird, heißt es also: warten.

So wirkt Musik auf unseren Körper

Nik Huber ist selbst verblüfft, über welche Kanäle seine Gitarren bei ihren Besitzern gelandet sind. Auch der Wiederverkaufswert ist echt beeindruckend. Für ein neues Instrument müssen mindestens 3000 Euro hingeblättert werden. Nach oben gibt es keine Grenze. „Das kann ein Kleinwagen werden“, beschreibt der Gitarrenbauer die Preisspanne für seine handgemachten Schätzchen nicht ohne Stolz. Weil der Gitarrenbau mehr ist als ein Job und sein Betrieb wächst, sucht Huber nach guten und passenden Mitarbeitern. Er freut sich, demnächst auch ausbilden zu können. Er hätte nichts gegen einen weiblichen Lehrling einzuwenden, denn er arbeitet gerne mit jungen Frauen. „Weil die meistens einfach weiter im Kopf sind als die Jungs“, findet der Chef.

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