Sportliche Premiere in Rodgau mit zwei Seiten

Hundeturnier ist manchen zu laut

Hetzjagd auf den künstlichen Hasen aus rot-weißem Flatterband und ein wenig Hasenfell am Wochenende in Weiskirchen.
+
Hetzjagd auf den künstlichen Hasen aus rot-weißem Flatterband und ein wenig Hasenfell am Wochenende in Weiskirchen.

Landwirt Stefan Wolf und der Club für Windhundrennen Frankfurt wehren sich gegen den Vorwurf, ein Windhundeturnier auf einer Wiese an der Pommernstraße habe Anwohner über die Maßen belästigt.

Weiskirchen – Heike und Hans-Joachim Klöpfel sind empört: „Wir haben sowohl beruflich als auch privat schon Veranstaltungen organisiert. Aber was man sich hier erlaubt hat, ist mit dem Wort unverschämt noch liebevoll beschrieben“, schildern die Eheleute und Hundebesitzer ihren Frust nach einem Windhundeturnier auf einer Wiese zwischen Pommernstraße und Schönstatt-Zentrum. Außer ihnen hätten noch mehr Anwohner die Veranstaltung vom vergangenen Samstag und Sonntag mit 25 bis 30 Läufen pro Tag als Zumutung empfunden.

Was wird bemängelt?

.  Keine Information an die Bewohner direkt. „Einfach alles blockiert und ein kleiner Zettel: „Nehmen Sie Ihren Hund an die Leine.“

.  Ab 7 Uhr an beiden Tagen „unerträglicher Lärm“ (Autotüren, Hundegebell, lautes Gejaule, Gespräche, Mopedgeknatter).

.  Rücksichtsloses Verhalten: „Man ging auf der Pommernstraße mit zwei bis drei Hunden. Der Fußweg war ja durch die Autos blockiert. Man bemühte sich kaum, Platz zu machen.“

.  „Überall Hinterlassenschaften auf dem Feld – und an die Hecken vor unserem Haus wurde gepinkelt.“

Die Wiese, um die es geht, gehört Landwirt Stefan Wolf. Er sagt, der Verein sei auf ihn zugekommen mit der Bitte um Gelände für eine spezielle Form der simulierten Windhundjagd. Immer zwei Vierbeiner hetzen beim Coursing einem künstlichen Hasen hinterher. Und das nicht im Rundkurs, wie etwa auf der Rennbahn des Frankfurter Clubs in Offenbach-Bürgel, sondern wie bei einer richtigen Jagd im Zickzack. Wertungsrichter beurteilen dann das Jagdverhalten der Hunde (Taktik, Geschick, Kondition und mehr). Daraus ergeben sich Sieger und Verlierer.

Wolf erläutert, er habe sich vor seiner Zusage ein Video von einer ähnlichen Veranstaltung des Clubs angesehen und die Sache für gut befunden. „Ich unterstütze Vereine immer gern. Sie müssen ja auch irgendwann mal ihre Veranstaltungen machen können, bei denen sie viel Gelände brauchen. Dafür sind sie auf uns Landwirte angewiesen“, erläutert Wolf seine Beweggründe, den Acker gegen „einen geringen Obolus“ überlassen zu haben. Das habe er auch schon mehrfach für einen Schäferhundeverein (Fährtensuche) gemacht. „Das mit den Windhunden war mal was Neues.“ Er habe sich den Wettbewerb persönlich angesehen. „Alles war prima organisiert. Geparkt wurde auf den von mir und vom Schönstatt-Zentrum bereitgestellten Flächen. Dixie-Klos waren vorhanden.“

Das Ordnungsamt und das Kreisveterinäramt hätten nichts gegen den Termin einzuwenden gehabt. „Alle offiziellen Stellen waren eingebunden.“ Dass auf der Wiese Hunde etwas hinterlassen, sei leider Alltag. In der Regel würden sich dort allerdings die Vierbeiner von Spaziergängern entleeren. Verunreinigungen seien für ihn bei seiner Entscheidung also „kein Kriterium gewesen“. Die Wiese werde umgepflügt und für die Kartoffelernte im nächsten Jahr vorbereitet.

Die Vorsitzende des Clubs für Windhundrennen, Annette Löw, bedauert, dass es bei der Premiere der Veranstaltung in Rodgau Unmut unter Anliegern gegeben habe. „Es gab aber auch sehr viel positive Resonanz von Zuschauern. Auch wir haben uns dort sehr wohl gefühlt.“ Die Hundeliebhaberin bestreitet, dass Exkremente liegengelassen worden seien. „Wir sind extrem darauf bedacht, dass das nicht passiert. Deshalb hängen wir überall Hundekotbeutel hin und laufen das Gelände ab. Es wurde alles aufgelesen.“ Die zuvor vereinbarten Parkzonen auf Privatgelände seien eingehalten worden. „Auf Gehwegen stand von uns keiner.“

Klar habe es Hundegebell und Gespräche auf der Straße gegeben. Und das womöglich auch bereits gegen 7 Uhr morgens bei der tierärztlichen Kontrolle. Der Club habe mit Rücksicht auf Anlieger aber ganz bewusst zum Beispiel auf die vom Amt genehmigte Beschallungsanlage verzichtet.

Von Bernhard Pelka

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare