Erster Blick ins Innere nach fast 80 Jahren enttäuscht / Hessenschau dreht dort einen Beitrag

Im Rodgauer Bunker türmt sich Müll

Augenzeugin Margarethe Jakob
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Augenzeugin Margarethe Jakob

Mitarbeiter der Firma RS-Service Rodgau haben im Auftrag der Stadt ein Fenster in die Vergangenheit geöffnet. Chef Roland Staudt, dessen Junior Jason und Kollege Markus Kraus buddelten mit viel Muskelkraft und teils schwerem Gerät den Bunker an der Babenhäuser Straße aus. Der war bei Rodungsarbeiten im Februar freigelegt worden (wir berichteten).

Jügesheim - Außen herum konnte ein kleiner Bagger eingesetzt werden. Schwere Handarbeit war es hingegen, den Zugang freizugraben. Dabei reichten für die Treppenstufen etwa zwei Meter hinab Schippe und Spaten als Werkzeuge so gerade noch aus. Der eigentliche Zugang, der um die Ecke ins Innere des Schutzraums führt, war außer von Müll und Erde aber noch von einem großen Betonklotz versperrt. Der war nach Kriegsende wohl von der Bunkerdecke abgebrochen worden, um das Bauwerk wie ein Korken sicher zu verschließen. Fast 80 Jahre später meißelte sich ein großer Schlaghammer, angetrieben von einem Notstromaggregat, durch das schwere Teil. „Jetzt wollen wir’s halt unbedingt wissen“, schilderte Staudt so etwas wie Schatzgräberstimmung.

Aufmerksam verfolgte Kreisbodendenkmalpflegerin Dagmar Kroemer die teils brachiale Aktion. Von der erhofft sich die Archäologin Erkenntnisse für ihre Dokumentation der noch vorhandenen Bunkeranlagen im Kreis Offenbach. Mit einer kleinen Kelle reinigte sie Fundstücke, die bei der Grabung ans Tageslicht kamen: meist Hausmüll, doch auch eine rätselhafte Tür aus Metall, etwa 30 mal 30 Zentimeter groß und von Rost stark angegriffen. Dazu einige Glasflaschen, einst gefüllt mit dem Geliermittel der 1928 in Köln gegründeten Marke Opekta. Oder Skurriles, wie etwa ein stark angerosteter Nachttopf.

Markus Kraus und Jason Staudt wagten dann – nach schweißtreibender Arbeit – vorsichtig kriechend erste Blicke in den Bunker und machten Handyfotos. Weder Teile des legendären Bernsteinzimmers, noch andere verlorene Kunstwerke lagern in dem Relikt aus vergangenen Tagen, sondern bloß profaner Hausmüll und Bauschutt. Klar ist nach der Grabung auch, dass der Baukörper etwa zwei Meter tief in der Erde steckt und das zwei Meter starke Kuppeldach aus acht in Beton gegossenen Schichten besteht. Fragen werfen große Aussparungen (Schäden?) an zwei Ecken auf. Das Kuppeldach ist Dagmar Kroemer zufolge im Kreis Offenbach bei den ihr bisher bekannten Bunkern einzigartig.

Während der Grabung gab es interessierte Blicke von Passanten. Ein Radfahrer hielt an, schaute versonnen zu und sagte: „Da hab’ ich als Kind drauf gespielt.“

Einen Logenplatz genoss derweil Augenzeugin Margarethe Jakob (Gretchen). Sie lebt gegenüber dem Bunker noch heute im Haus ihrer Eltern und erinnert sich, den Baufortschritt in den frühen 1940er Jahren beobachtet zu haben. Vom Fenster aus beobachtete sie genau, was nun Spannendes an der Grabungsstelle vor sich ging.

Unserer Zeitung hat Gretchen Jakob ihre Erinnerungen an den Bunkerbau schon geschildert. In der Hessenschau wird sie dazu noch einmal zu Wort kommen. Die Fernsehleute aus Frankfurt haben sie als Zeitzeugin bereits befragt und wollen dieser Tage am Bunker zusammen mit Dagmar Kroemer noch einmal drehen. Gesendet werden soll der Beitrag nach Ostern.

Von Bernhard Pelka

Hier wird gebuddelt.
Zeitweise kamen bei der Grabung ein Kleinbagger und ein schwerer Schlaghammer zum Zug. Der frei gegrabene Zugang zum Bunker ist inzwischen wieder verschlossen. Wie profan: Im Bunker türmt sich Müll.
Dagmar Kroemer reinigt ein Fundstück.
Auch ein Nachttopf wurde ausgegraben.

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