Erste Ergebnisse deuten auf neun Fraktionen hin / Auszählung geht weiter

Im Rodgauer Rathaus wird es noch bunter

Die vielen Wahlbriefe sorgten seit Wochen für einen erhöhten Posteingang im Rathaus. Bedienstete der Stadt brachten die Kisten täglich per Sackkarre ins Rathaus.
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Die vielen Wahlbriefe sorgten seit Wochen für einen erhöhten Posteingang im Rathaus. Bedienstete der Stadt brachten die Kisten täglich per Sackkarre ins Rathaus.

Die Stadtverordnetenversammlung wird noch ein bisschen bunter. In der neuen Amtsperiode sind voraussichtlich neun statt acht Parteien und Wählervereine vertreten. Neu ist die Tierschutzpartei. Sie hatte im Januar erst wenige Stunden vor Fristablauf ihre Kandidatenliste eingereicht.

Rodgau - Nach dem Trendergebnis könnte die bisherige Kooperation weiter regieren. Die Stimmenanteile können sich allerdings noch verschieben. Gestern wurden nur die Stimmzettel ausgezählt, bei denen ausschließlich eine Liste angekreuzt war. Heute fangen 140 städtische Mitarbeiter an, die kumulierten und panaschierten Stimmen zu erfassen. Mit einem vorläufigen Endergebnis ist frühestens am Dienstag zu rechnen.

Die Zahl der Briefwähler war so hoch wie nie zuvor. Etwa 14 000 Wahlberechtigte gaben ihre Stimmen auf diesem Weg ab.

Mit Kleinbussen brachten Mitarbeiter der Ordnungspolizei am Sonntag die Wahlbriefe in die 18 Räume, in denen sie ausgezählt wurden. Das größte Pensum hatten die Helfer im Feuerwehrhaus Süd zu bewältigen: Sie mussten rund 1 500 Wahlbriefe öffnen und auszählen.

Schon früh zeichnete sich eine hohe Wahlbeteiligung ab. Trotz des Briefwahl-Rekords herrschte in den Wahllokalen reger Betrieb. Vor den Eingängen bildeten sich Warteschlangen. Wähler aus Hainhausen berichteten via Facebook von einer Stunde Wartezeit. Sogar um 18 Uhr warteten noch Wahlberechtigte vor der SGH-Turnhalle; auch sie konnten ihre Stimmen noch abgeben.

Als „gute Ausgangslage“ bezeichnete Parteivorsitzer Lars Neumann gestern Abend die vorläufigen fast 27 Prozent der CDU. Das sei „kein Abend der Freude“, trauerte hingegen SPD-Spitzenkandidatin Patricia Knoll. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Sozialdemokraten zehn Prozentpunkte gegenüber der Kommunalwahl 2016 eingebüßt. Trotzdem sei das keine schlechte Basis für eine weitere Zusammenarbeit in der bisherigen Kooperation. „Da bin ich doch begeistert“, drückte dagegen Karin Wagner ihre Zufriedenheit aus. Die Spitzenfrau von Bündnis 90 / Die Grünen freute sich am Telefon hörbar über etwa zehn Prozentpunkte plus. „Echt zufrieden“ war auch der Spitzenkandidat der Tierschutzpartei, Fabian Schelksy, mit den wohl gut vier Prozent: „Besser hätte es nicht laufen können.“ Ines Nickolai (Die Linke) war erfreut, den bisherigen Stand gehalten zu haben (gut drei Prozent). Glücksmomente bereitete dem FDP-Spitzenmann Michael Schüßler der Stimmenzuwachs um zu dieser Zeit gut drei Prozentpunkte: „Das ist eine Bestätigung unserer guten Arbeit vor Ort.“

„Schwer enttäuscht“ äußerte sich Horst Böhm vom Verein „Zusammen mit Bürgern“ (ZmB), der laut Trendergebnis fast die Hälfte eingebüßt hat und nur noch mit zwei Sitzen rechnen kann. Karl-Heinz Dauth von den Freien Wählern Rodgau ließ vorsichtige Freude über den Zuwachs von 3,3 auf 4,75 Prozent erkennen, der einen zweiten Parlamentssitz bedeuten würde: „Mal gucken, was die weitere Auszählung ergibt. Vor fünf Jahren waren wir auch bei zwei Sitzen, am nächsten Tag war’s nur noch einer.“ Dr. Robert Rankl (AfD) zeigte sich mit knapp neun Prozent zufrieden, 2016 hatte die AfD zehn Prozent geholt.

Von Bernhard Pelka Und Ekkehard Wolf

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