Die größte Saatkrähen-Kolonie des Kreises Offenbach ist in Dudenhofen

In Rodgau brüten mehr als 150 Saatkrähen-Paare

Beim Nestbau kennen sie keinen Mindestabstand: Saatkrähen sind ein geselliges Völkchen, wie man in den Pappeln zwischen Dudenhofen und Jügesheim beobachten kann.
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Beim Nestbau kennen sie keinen Mindestabstand: Saatkrähen sind ein geselliges Völkchen, wie man in den Pappeln zwischen Dudenhofen und Jügesheim beobachten kann.

Mehr als 150 Saatkrähen-Paare brüten in den Pappeln an der Kreisquerverbindung in Rodgau. Das ist die größte Kolonie dieser Art im Kreis Offenbach. Und sie dehnt sich aus. Die geselligen Vögel haben sich auf einen zweiten Standort ausgebreitet. An der Auffahrt zur Bundesstraße 45, etwa 300 Meter entfernt, haben die Krähen mehrere Bäume als Nistplatz ausgesucht.

Rodgau - 155 Brutpaare wurden im vergangenen Jahr an diesen beiden Standorten gezählt. Die ersten drei Nester wurden im Jahr 2014 gemeldet, wie Peter Erlemann (Obertshausen) berichtet. Er ist Arbeitskreissprecher der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) im Kreis Offenbach. Seit Jahren beobachtet Erlemann die Natur auf einer Fläche in der Nähe des Badesees. Sein Weg führt ihn bei dieser Gelegenheit auch an der Krähenkolonie vorbei.

Der HGON-Arbeitskreis berichtet jedes Jahr über die Vogelwelt im Kreis Offenbach. „Gerade bin ich mit der Korrektur des 37. Bandes fertig geworden“, erzählt Erlemann. Er weiß, dass 1991 erstmals Saatkrähen am Main bei Klein-Auheim beobachtet wurden: „Das ging mit 16 Nestern los, das Maximum waren 180. Nach 2010 ging es wieder bergab, 2015/16 waren nur noch zwei oder drei Nester übrig.“

Etwa um diese Zeit begann die Kolonie in Dudenhofen zu wachsen. Ist das ein Zufall oder sind die Saatkrähen aus Klein-Auheim südwestwärts gezogen?

Die Hybridpappeln am Rodgau-Center gehören zu den letzten Exemplaren einer Pappelreihe, die sich früher entlang der Rodau durch das Stadtgebiet zog. In den Jahren 2017/2018 wurden dort 68 und 65 Brutpaare gezählt. Ein Jahr später stieg die Zahl auf 158 Paare. Diese Zahlen gehen aus dem „Monitoring seltener Arten in Hessen“ (2020) im Auftrag der Staatlichen Vogelschutzwarte Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland hervor. Sie stammen unter anderem aus dem Portal ornitho.de.

Neben Dudenhofen gibt es kleinere Saatkrähen-Kolonien in Dietzenbach (etwa 100 Brutpaare an vier Standorten) und im Nordosten Urberachs (44 Paare an zwei Standorten). Die Urberacher Kolonie besteht erst seit 2019. Zwei Jahre zuvor waren die Saatkrähen aus Urberach fortgezogen, weil ihre Bäume gefällt werden mussten. Eine ähnliche Entwicklung gab es 2019 in Dietzenbach: Nachdem Baumkronen an der Lise-Meitner-Straße zurückgeschnitten wurden, verteilten sie sich auf das Stadtgebiet.

Grundsätzlich bleiben Saatkrähen ihrem Standort treu, wie HGON-Sprecher Peter Erlemann weiß. Die Vögel kehren im Frühjahr zu „ihren“ Bäumen zurück. Und wenn ein Sturm im Winter die Nester von den Zweigen gefegt hat, bauen sie halt neue.

„Als sozial lebende Art ist die Saatkrähe sehr ruffreudig“, heißt es in der Enzyklopädie Wikipedia. Menschen in der Nachbarschaft haben damit oft ein Problem. „Der Lärm ist das, was die meisten Leute nervt“, sagt Peter Erlemann. Aus früheren Veröffentlichungen weiß er von einer Saatkrähen-Kolonie des Jahres 1901 in Offenbach, die kurze Zeit bestand. Die Vögel wurden abgeschossen, weil sie störten. Das wäre heute nicht mehr möglich, so Erlemann: „Saatkrähen sind nach EU-Recht streng geschützt.“ (Von Ekkehard Wolf)

An der Zufahrt zur Bundesstraße 45 hat sich ein Teil der Saatkrähen-Kolonie angesiedelt. Solange die Zweige noch kahl sind, sind die Nester gut zu erkennen.

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