Nidhel Al Bahar floh aus dem Irak und engagiert sich in Rodgau als Lotsin für Migranten

Integration hat ein Gesicht

In einer Videobotschaft dankt Kai Klose den Integrationslotsinnen: Eine von ihnen ist Nidhel Al Bahar.
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In einer Videobotschaft dankt Kai Klose den Integrationslotsinnen: Eine von ihnen ist Nidhel Al Bahar.

Nidhel Al Bahar aus Rodgau gehört zu den mehr als 850 WIR-Integrationslotsinnen und -lotsen, die in Hessen ehrenamtlich tätig sind. Sie unterstützen Menschen mit Migrations- und Fluchtgeschichte bei der Orientierung und leisten Hilfe zur Selbsthilfe. Für diesen besonderen Einsatz ehrt Sozialminister Kai Klose 19 Hessinnen und Hessen, darunter auch Nidhel Al Bahar.

Nieder-Roden – Sie ist eines der Gesichter in der Videobotschaft zur Würdigung der Integrationshelfer in dem Film „Hessen sagt Danke“. Die zierliche Frau stammt aus dem Irak. Krieg gehört dort zum Alltag und die heute 37-Jährige hat viele Tote in ihrer Familie zu beklagen. Weil die Mutter von vier Kindern es nicht länger hinnehmen wollte, dass ihr Nachwuchs unter diesen lebensbedrohlichen Umständen groß wird, beschlossen sie und ihr Mann vor fünf Jahren, nach Deutschland auszuwandern.

Drei lange Wochen waren sie unterwegs, es war Winter und bitter kalt. Das jüngste Kind war zwei Jahre alt. Dramatisch war die Überfahrt von der Türkei zum griechischen Festland. Aber für Nidhel Al Bahar gab es keine andere Wahl: entweder im Heimatland sterben oder die Tour mit dem Schlauchboot wagen und es eventuell einmal besser haben.

Inzwischen sind alle als Flüchtlinge anerkannt. Nach einer Odyssee durch Gemeinschaftsunterkünfte und diverse Notlösungen sind die sechs Personen endlich in einer schönen Wohnung in Nieder-Roden gelandet. Die arabischsprachige Frau mit guten Englischkenntnissen arbeitet in der Flüchtlingsberatung beim Caritas und engagiert sich als Integrationslotsin. Demnächst nimmt Nidhel Al Bahar eine Ausbildung zur Fachkraft für Gesundheit und Soziales auf.

Für sie und ihren Mann war die erste Zeit ohne Arbeit eine Katastrophe: Nur daheim zu sein, nur essen und schlafen, nichts Neues kennenlernen. „Ich bin doch kein Tier“, habe ihr Mann gesagt. Der hatte in seiner Heimat gleich mehrere Standbeine als Klempner und mit seinem Süßwarenladen.

Nidhel Al Bahar weiß, dass die deutsche Sprache der Schlüssel zu einer neuen Freiheit war. Dadurch wurden Begegnungen und erste Kontakte möglich. Deswegen ermuntert sie auch andere Neuankömmlinge, so schnell wie möglich Deutsch zu lernen.

Anfangs ist viel Unterstützung notwendig. Sie übersetzt, begleitet Familien zum Arzt, zu Behörden, hilft bei der Wohnungssuche, wird angerufen, weil es einen Autounfall gab und vieles mehr.

Ihrer Meinung nach ist es besser, „nicht mit dem Kopf im Heimatland zu bleiben“. Als gläubige Muslima trägt sie Kopftuch und weiß, dass sich daran viele Vorurteile entzünden. Aus ihrer Sicht ist das ihre Privatsache. Weil für Nidhel Al Bahar alle Menschen gleich sind, gleich welchen Glaubens oder welcher Herkunft, freut sie sich, dass sie inzwischen sogar eine deutsche Freundin hat. Die hilft ihren Kindern, deren Deutsch zu verbessern, und lernt selbst jetzt arabisch.

Als wären Familie, Beruf, Ausbildung und Ehrenamt für die kleine Frau noch nicht genug Programm, kandidiert sie jetzt auch noch für die Liste 2 des Ausländerbeirats, der am 14. März gewählt wird. (Von Simone Weil)

Infos im Internet

Der Film ist abrufbar unter integrationskompass.hessen.de.

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