Internet statt Infostand

Schwieriger Wahlkampf mit Corona

Auf den letzten Metern zur Kommunalwahl müssen die Parteien und Wählervereine neue Wege gehen. Das Ortsschild „Wahlen“ gehört übrigens zu einem 900-Einwohner-Ortsteil der Gemeinde Grasellenbach im Odenwald.
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Auf den letzten Metern zur Kommunalwahl müssen die Parteien und Wählervereine neue Wege gehen. Das Ortsschild „Wahlen“ gehört übrigens zu einem 900-Einwohner-Ortsteil der Gemeinde Grasellenbach im Odenwald.

Ein ungewöhnlicher Wahlkampf steht den Parteien und Wählervereinen bevor, die sich am 14. März zur Kommunalwahl stellen. Saalveranstaltungen? Unmöglich. Infostände? Schwierig. Hausbesuche? Noch schwieriger. Deshalb setzen die Wahlkämpfer verstärkt auf soziale Medien, um die Bevölkerung zu überzeugen.

Rodgau - Für ihren Wahlauftritt im Internet hat sich die SPD Rodgau die einprägsame Adresse www.rodgau.jetzt gesichert. Die Freien Wähler Rodgau tummeln sich neuerdings auf Facebook und Instragram (@fwrodgau), die FDP ist neben diesen beiden Plattformen auch per Whatsapp erreichbar. Der Verein „Zusammen mit Bürgern“ (ZmB) will sein Internetangebot um Erklärvideos und andere Videoclips ergänzen.

Mix aus sozialen Medien und klassischer Wahlwerbung

Die CDU setzt ebenfalls auf das Internet und soziale Medien, will aber klassische Formen der Werbung nicht vernachlässigen: Plakate, Prospekte und Briefe. „Was insbesondere fehlen wird, sind die Veranstaltungen und die persönlichen Hausbesuche“, schreibt Stadtverbandsvorsitzender Lars Neumann. Er sei aber optimistisch, dass jeder der 45 CDU-Kandidaten ein „Leuchtturm“ sein werde.

„Trotz der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie werden wir mit Sicherheit einen interessanten und kreativen Kommunalwahlkampf erleben“, betont SPD-Ortsvorsitzender Jürgen Kaiser. Der Neujahrsempfang und das Heringsessen am Aschermittwoch müssten allerdings entfallen. Infostände oder Hausbesuche seien nur verantwortbar, wenn sich das Infektionsgeschehen wesentlich entspanne.

Wegen Corona weniger Werbeschenke bestellt

Vielleicht sind dann sogar wieder Veranstaltungen mit Bundes- oder Landespolitikern möglich? Bündnis 90/Die Grünen haben diese Hoffnung noch nicht aufgegeben, wie Vorsitzender Werner Kremeier andeutet. Von der weiteren Pandemie-Entwicklung hängt auch ab, ob Hausbesuche („prinzipiell eine der erfolgreichsten Wahlkampfaktionen“) und Aktionen an den S-Bahn-Stationen möglich sind. Bereits jetzt steht fest, dass die Grünen weniger klassische Werbeartikel als sonst abgeben werden: Wegen der unsicheren Lage haben sie keine großen Stückzahlen bestellt.

Einen weitgehend digitalen Wahlkampf kündigt die FDP Rodgau an. Vorsitzende Martina Sertic berichtet von guten Erfahrungen mit sozialen Medien und Videokonferenzen. Wegen des dominanten Corona-Themas werde es für alle Parteien schwer, die Bürger „mit Ideen für die Zukunft unserer Stadt“ zu erreichen. Die FDP sei bereit, auf Veränderungen der Lage zu reagieren: „Wir sind flexibel und freuen uns auf alles, was kommt und möglich ist.“

Gesundheit wichtiger als Wählerstimmen

„Einen sehr eingeschränkten und andersartigen Wahlkampf“ erwartet ZmB-Vorsitzender Horst Böhm. Der Wählerverein setzt auf einen Mix von Flugblättern, Zeitungsanzeigen und Online-Informationen. Darüber hinaus seien die ZmB-Aktiven jederzeit per Telefon zum Gespräch bereit.

Einen „Wahlkampf mit angezogener Handbremse“ erwartet Karl-Heinz Dauth von den Freien Wählern Rodgau. „Uns ist die Gesundheit wichtiger als die eine oder andere verlorene Wählerstimme“, betont er. Infostände werde es voraussichtlich nicht geben, Hausbesuche nur nach telefonischer Vereinbarung.

Was AfD und Linke planen, bleibt unklar. Dr. Robert Rankl und Heiko Stenzel haben auf die Anfrage unserer Zeitung nicht geantwortet.

Von Ekkehard Wolf

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