Unterricht hautnah

Vom Ei zum Huhn ganz anschaulich an Wilhelm-Busch-Schule

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Begeisterung herrscht in der Klasse, wenn die Küken gestreichelt werden dürfen: Zur Sicherheit hält Lehrerin Silke Kollmann das Tierchen fest.

Drei Küken sind der Stolz der 1c. Wenn die gestreichelt werden dürfen, gibt es für die Grundschüler kein Halten mehr. Dann ist die ganze Klasse aus dem Häuschen. „Vom Ei zum Huhn“ lautet das Thema, das bei den Kindern im ersten Schuljahr auf dem Lehrplan steht.

Jügesheim – An der Wilhelm-Busch-Schule in Jügesheim begegnen ihnen die Inhalte nun hautnah. So anschaulicher Unterricht kommt gut an und wird für den Nachwuchs zum unvergesslichen Erlebnis. Und: Gelernt wird dabei jede Menge – übrigens in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Schule in Nieder-Roden. Auch dort gibt es Küken.

Irgendwie ist die ganze Schule beteiligt. Der Vater einer Schülerin hat die Eier von Seidenhühnern spendiert, die in einem Apparat ausgebrütet und regelmäßig gedreht werden. Mit einer starken Lampe wurden sie durchleuchtet, um zu sehen, in welchen Ei Nachwuchs zu erwarten ist. Drei kuschelige Küken sind bereits geschlüpft. „Jetzt sind wir alle Mamas und Papas geworden“, witzelt Schulleiterin Angelika Stelzer-Dasbach.

Hausmeister Philipp Müller hat den ausrangierten Hasenkäfig seiner Tochter gestiftet, in dem jetzt die Küken leben. Eine zusätzliche Lampe spendet genügend Wärme für die kuscheligen Tiere. Weil die eine echte Attraktion sind, bekommt die 1c viel Besuch von den anderen Klassen, die alle schauen wollen.

Ziehen die geballte Aufmerksamkeit der Schüler auf sich: die ersten geschlüpften Tiere.

Damit die zwei anderen ersten Klassen sich nicht benachteiligt fühlen, hat Stelzer-Dasbach Miethühner in Seligenstadt organisiert und vorübergehend geliehen. Die Tiere stehen samt kleinem Stall auf der Wiese vorm Lehrerzimmer und werden gerne beobachtet. „Andere haben ein Aquarium, wir haben Hühner“, lacht die Schulleiterin. Weil nun regelmäßig frische Eier zu haben sind, soll es demnächst mal Eierpfannkuchen geben.

Vor fünf Jahren hat die WBS das Hühnerprojekt erstmals erlebt. Auch wenn es einen gewissen Aufwand bedeutet, sei die Aktion „toll“, findet die Schulleiterin. Schließlich lernten die Jungen und Mädchen auch, dass es auch um Verantwortung geht, wenn man Tiere hält. Die Kuschelküken wollen nämlich nicht nur gestreichelt werden. Arbeit gehört eben auch dazu: füttern, für frisches Wasser sorgen und immer den Käfig reinigen.

Auch um die Zukunft der Tiere hat man sich an der Schule Gedanken gemacht, sonst hätte das Projekt gar nicht starten können. Denn am Ende der Aktion haben die Tiere den Geruch der Menschen so stark angenommen, dass das Zusammenleben mit weiteren Hühnern unmöglich gewesen wäre. „Die würden von den anderen zerhackt“, weiß Stelzer-Dasbach. Da fügt es sich doch ganz wunderbar, dass die Schwester der Schulleiterin schon länger darüber nachgedacht hatte, sich Federvieh anzuschaffen. Sie wird den Schulküken später also ein neues Zuhause bieten.

Von Simone Weil

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