Beispielloses Bürgerengagement

Nach Jahren der Vorbereitung: Spatenstich fürs Hospiz am Wasserturm  

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Gleich mehrere Prominente griffen am Jügesheimer Wasserturm zum Spaten (von links): Klaus Bartl, Frank Lortz, Wolfgang Resch, Wolfgang Bachmann, Udo Schimmel, Nikos Stergiou, Michael Römer, Claudia Jäger, Herbert Sahm, Anna-Lisa Schwarz, Carsten Lehr, Matthias Bauer, Julia Beck, Phillip Geis, Norbert Beck, Michael Schüßler.

Endlich ist etwas zu sehen. Nach rund sieben Jahren Diskussion, Standortsuche, Sponsorenwerbung und Planung wird seit Samstag am Jügesheimer Wasserturm das erste stationäre Hospiz im Kreis Offenbach gebaut.

Jügesheim – Welche Breitenwirkung das Projekt der Rodgauer Rotarier-Stiftung schon als Idee entfaltet hat, wurde beim Spatenstich sichtbar: Um die 300 Gäste fanden sich ein, allein an diesem Vormittag kamen rund 123.000 Euro Spenden zusammen.

So zumindest bilanzierte Lothar Mark, seit dem Projektstart 2012 bei der Mobilisierung von Unterstützern aus Politik, Wirtschaft und der Bürgerschaft an vorderster Front, den Ertrag der Veranstaltung, der nach seinen Worten weitere auf der Baustelle folgen sollen. Dass sich das Feiern für die Hospiz-Stiftung Rotary Rodgau (HSRR) jedes Mal lohnen wird, steht jetzt schon fest: In seiner Eigenschaft als Verwaltungsratsvorsitzender der Sparkasse Langen-Seligenstadt (SLS) sagte Landtagsvizepräsident Frank Lortz für jede Veranstaltung, die die Rotarier bis zur geplanten Eröffnung im Sommer 2021 auf die Beine stellen, einen weiteren Scheck über 5000 Euro zu.

Unter dem Beifall zahlreicher Ehrengäste, darunter Bürgermeister oder hauptamtliche Dezernenten fast aller zwölf beteiligten Kreis-Kommunen, sprach Lortz von einem „historischen Tag“ und dankte den Hauptakteuren – vorneweg dem Stiftungsvorsitzenden Dr. Nikos Stergiou, Lothar Mark und Schatzmeister Herbert Sahm. Dr. Carsten Lehr, Vorsitzender des Kuratoriums, hieß Abordnungen zahlreicher Vereine, Firmen und karitativer Gruppen willkommen, die Spendenschecks mit teilweise fünfstelligen Beträgen mitgebracht hatten.

Als beispielloses Bürgerprojekt würdigte die Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger die Initiative, hinter der neben den Rotariern unter anderem die Frankfurter Werte-Stiftung und die Family Foundation des Darmstädter Pharmariesen Merck stehen. Rodgaus Erster Stadtrat Michael Schüßler sieht in der breiten Unterstützung einen „großen Ausdruck von Menschlichkeit“. Die Stadt, schon bei der Standortsuche und der Bewältigung der bürokratischen Hürden engagiert dabei, werde auch die weitergehenden Überlegungen zur Gestaltung des Areals zwischen B45 und Weiskircher Straße nach Kräften unterstützen, versprach Schüßler.

123.000 Euro gingen allein beim Spatenstich als Spenden ein. Schecks hatten unter anderem die Evangelische Frauenhilfe Dudenhofen (20.000 Euro), die Lions aus Seligenstadt (25.000 Euro), Manu und Rene Häusser (21.000 Euro), die ITSG aus Heusenstamm (6000 Euro), die SLS (zum wiederholten Mal 5000 Euro), der JSK Rodgau und die Kabarettgruppe En Haufe Leut (20.000 Euro), die Werte-Stiftung Frankfurt (10.000 Euro) und die EVO (5000 Euro) mitgebracht, dazu kamen diverse private und anonyme Spenden von 11.000 Euro.

Gesellschaftlichen Nutzen über die unmittelbare Betreuung Schwerstkranker bis zum Lebensende hinaus sieht Nikos Stergiou: Das schwierige Thema Sterben bekomme einen Platz im öffentlichen Bewusstsein und könne jenseits von Tabus als Teil des Lebens wahrgenommen werden, betonte der ärztliche Direktor der Asklepios-Klinik Seligenstadt. Ausdrücklich bezog Stergiou auch Kritiker, Mahner und Bedenkenträger in seine Dankesworte ein.

Mit Nachdruck gefördert wird das Vorhaben seit Anbeginn von der Werte-Stiftung, die laut Lothar Mark eine Million Euro zu den kalkulierten 3,6 Millionen Euro Baukosten beigetragen hat. „Es passt zu uns und unseren Zielen“, bekräftigte Geschäftsführerin Anna-Lisa Schwarz. Dr. Klaus Bartl als Geschäftsführer der evangelischen Mission Leben, die die überkonfessionelle Einrichtung betreiben wird, erinnerte an die Anfänge der inneren Mission im 19. Jahrhundert unter Johann Hinrich Wichern, dessen Ideale nun verwirklicht würden. „Liebe, die nicht Tat wird, ist nichts nütze“, zitierte Bart den Gründer.

Musikalisch vom Orchester Klangfarben des Musikvereins Nieder-Roden gewürdigt und als Volksfest aufgezogen, bot der Spatenstich auch Gelegenheit, mehr über das Projekt zu erfahren. Geplant von den Architekten Norbert und Julia Beck, soll der Neubau mit 1000 Quadratmetern Nutzfläche und zwölf Plätzen binnen 15 Monaten auf einem 4000 Quadratmeter großen Grundstück entstehen. Zur Finanzierung stehen laut Dr. Michael Römer, aktuell Präsident der Rodgau-Rotarier, derzeit 1,5 Millionen Euro als Stiftungskapital zur Verfügung, aufgebracht von mehr als 1000 Zustiftern. Hinzu kommt eine Million von der Werte-Stiftung. Mindestens 600.000 Euro, meint Lothar Mark, kann die HSRR noch an Fremdmitteln mobilisieren. (zrk)

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