Georg-Büchner-Schule erprobt neue Lehr- und Lernformen

Das iPad täglich im Schulranzen

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Alltag in der Schule: Das iPad ist für die Sechstklässler ein selbstverständliches Arbeitswerkzeug.

Jügesheim – Neben Büchern, Heften und der Brotdose steckt ein iPad im Schulrucksack. Für manche Fünft- und Sechstklässler der Georg-Büchner-Schule (GBS) ist das selbstverständlich. Von Ekkehard Wolf 

Als erste Schule im Kreis Offenbach ist die GBS im Sommer 2017 mit einer iPad-Klasse gestartet. Die Erfahrungen waren so gut, dass ein Jahr später zwei weitere Klassen dazukamen, je eine im Realschul- und Gymnasialzweig.

Drei einfache Grundsätze hat die Schule festgelegt. Die Geräte werden nur dort verwendet, wo sie sinnvoll sind. Sie ersetzen kein Schulheft. Und: „Das iPad ist ein Arbeitsgerät.“

Die Eltern entscheiden, ob sie ihr Kind zur iPad-Klasse anmelden. Das hat einen einfachen Grund: Sie müssen das Arbeitsgerät für ihr Kind selbst bezahlen. Wer die paar hundert Euro nicht locker hat, kann sie in monatlichen Raten abstottern: etwa 14 Euro pro Monat, drei Jahre lang.

Die Kinder verwenden die Geräte in allen Fächern außer Kunst. Sogar im Sportunterricht ist das iPad dabei. Gymnasialzweigleiterin Karin Wagner nennt als Beispiel das Schwimmen: Die Kinder sehen sich die richtigen Bewegungen per Video an, der Sportlehrer filmt sie im Unterricht und dann sehen die Schüler im Vergleich, was sie noch verbessern sollten.

Freies Lernen auf dem Flur: Lehrer Sebastian Suhl weitet den Lernraum über das Klassenzimmer hinaus aus.

Ein Beispiel: Bruchrechnen in der sechsten Klasse. Lehrer Sebastian Suhl schickt seinen Schülern Aufgaben auf die Bildschirme. Das Lehrbuch ist nur einen Fingertipp entfernt. Manche Schüler lösen die Aufgaben im Heft (das sie später abfotografieren), andere malen mit dem Finger Zahlen auf den Bildschirm. Ihre Ergebnisse geben sie später elektronisch ab. Kurz vor der Pause löst die Klasse ein Quiz. Die Aufgaben werden auf den iPads angezeigt; wenn man sie richtig löst, leuchtet der Bildschirm grün. Das Ganze ist ein Wettspiel, bei dem die Schnelligkeit zählt. Der Beamer zeigt, wie viele Kinder die einzelnen Lösungen angeklickt haben. Für den Lehrer gibt es eine Extra-Auswertung: Er sieht auf einen Blick, wer welche Aufgaben gut bewältigt hat – und wo ein bestimmter Schüler noch Nachholbedarf hat.

Am schönsten sind die freien Arbeitsphasen. Dann dürfen die Schüler auch aus dem Klassenraum hinausgehen und sich in der Nähe im Gang niederlassen. Spontan bilden sich kleine Arbeitsgruppen aus zwei bis vier Kindern. Dabei bleiben sie diszipliniert und arbeiten ruhig. Keiner rennt durch die Gegend. Und Fragen werden untereinander in gedämpftem Ton besprochen.

„Die Schüler lernen sehr früh und sehr schnell, selbstständig zu lernen“, berichtet Sebastian Suhl. Dadurch ändert sich seine Rolle als Lehrer im Unterricht. Er gewinnt Zeit, um Einzelfragen zu beantworten und die Schüler individuell zu fördern. „Natürlich gibt es auch Frontalphasen, in denen ich etwas erkläre“, sagt er.

Seine Kollegin Karin Wagner berichtet von einem anderen Vorteil. Früher habe man im Unterricht mitunter Filme angesehen. Das sei passé: „Die Schüler gucken den Film daheim an und wir besprechen ihn hier.“

Die Arbeit in den iPad-Klassen ist für die Lehrkräfte eine spannende Zeit. Sie erfinden und erproben neue Unterrichtsmethoden und lernen selbst eine Menge dabei. Denn feste Vorgaben für die Lernwerkzeuge gibt es noch nicht. Einige „Apps“ haben sich bereits an der Schule etabliert, andere werden gerade ausprobiert. Der Erfahrungsaustausch mit Kollegen anderer Schulen ist da ungemein hilfreich.

Dass die GBS sich für Apple-Geräte entschieden hat, liegt nicht nur an der robusten Hardware. „Das System ist in sich geschlossen, das macht die Verwaltung einfacher“, sagt Karin Wagner. Ein wichtiger Gesichtspunkt sei auch der Datenschutz, da Apple die Daten seiner Nutzer nicht für Werbung nutze.

Auch bei der Auswahl der Software achtet die Schule auf Datensparsamkeit – wohl wissend, dass man bei angeblich kostenlosen Angeboten immer mit persönlichen Daten „bezahlt“.

Morgens buchen sich die Geräte automatisch ins drahtlose Schulnetz ein. Dann können nur noch Programme (Apps) benutzt werden, die die Schule freigegeben hat. Das Spiel von zuhause läuft in der Schule nicht.

Ein Programm namens „Classroom“ zeigt dem Lehrer sämtliche Bildschirme seiner Schüler im Kleinformat. Am Ende der Stunde kann er ablesen, wer welche „App“ wie viele Minuten lang genutzt hat. Die Schüler wissen um die Kontrollwerkzeuge ihrer Lehrer. „Aber wir benutzen sie nicht ständig“, sagt Karin Wagner, „das läuft über Vertrauen.“

So können Eltern das kindliche Selbstbewusstsein stärken

Noch verfügt die GBS nicht über ein flächendeckendes drahtloses Netz und auch die Bandbreite des Internetzugangs lässt bisweilen zu wünschen übrig. Das merken die Schüler zum Beispiel, wenn die ganze Klasse gleichzeitig ihre Hausaufgaben einreicht. Ein Schüler: „Daheim geht das viel schneller.“

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