Landrat überreicht Baugenehmigung

Hospiz-Bau kann beginnen

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Die Bauarbeiten können beginnen: Landrat Oliver Quilling (Dritter von links) überreicht die Baugenehmigung fürs Hospiz am Wasserturm an die Hospizstiftung Rotary Rodgau und deren Vorsitzenden Dr. Nikos Stergiou (Zweiter von links). Mit im Bild (von links): Matthias Bauer (Bauleitung und -überwachung), Albrecht Becker (Bauaufsicht des Kreises), Dr. Carsten Lehr (Stiftungskuratorium), Stiftungs-Schatzmeister Herbert Sahm, Architekt Norbert Beck und Lothar Mark (Stiftungskuratorium).

Jügesheim – Die Hospizstiftung kann bauen: Landrat Oliver Quilling überreichte gestern die Baugenehmigung am Jügesheimer Wasserturm. Dort soll ein stationäres Hospiz entstehen, in dem unheilbar kranke Menschen ihre letzten Tage verbringen können. Der erste Spatenstich wird am Samstag, 30. März, um 11 Uhr zelebriert. Von Ekkehard Wolf 

Der Landrat würdigte die „gewaltige Leistung“ der Stiftung und das „außergewöhnliche Engagement“ der Menschen, die dahinter stehen. Aus dem Nichts heraus hätten sie innerhalb weniger Jahre ein 3,6-Millionen-Bauvorhaben an den Start gebracht: „Ich kann mich nicht entsinnen, dass es ein vergleichbares Projekt im Kreis gibt.“

Ein weiteres Hospiz in der Region sei dringend notwendig, sagte Stiftungsvorsitzender Dr. Nikos Stergiou. Den Bedarf im Kreis Offenbach bezifferte er auf 20 Betten. Mit ihren zwölf Betten könne die Einrichtung in Rodgau etwa die Hälfte davon decken. Mit der Initiative zur Stiftungsgründung sei der Rotary-Club Rodgau „die Keimzelle eines Leuchtturmprojekts in der Region“.

Knapp sieben Monate brauchte die Bauaufsicht des Kreises Offenbach, um den Bauantrag zu genehmigen. Zahlreiche Behörden seien beteiligt worden, sagte Albrecht Becker, der Leiter der Bauaufsicht. Besonders diffizil seien die Anforderungen des Brandschutzes. „Wir verstehen uns als Genehmigungs-, nicht als Verhinderungsbehörde“, betonte Becker: „Wir versuchen immer Lösungen im Interesse des Bauherrn zu finden.“

Kreativ zeigte sich die Baubehörde auch bei der Erstellung eines Dokuments, das der Landrat gestern überreichen konnte. Das Problem: Baugenehmigungen werden nicht mehr auf Papier erteilt, sondern nur noch elektronisch. Da der Landrat keinen USB-Stick überreichen wollte, druckte die Bauaufsicht kurzerhand die ersten Seiten der Genehmigung aus, versah sie mit einem Klebesiegel und legte sie in einen rosafarbenen Aktendeckel.

Stiftungsvorsitzender Stergiou dankte der Kreisverwaltung für die schnelle Bearbeitung. Auch Lothar Mark vom Stiftungskuratorium würdigte, die Baureife sei „in relativ zügiger Zeit“ erreicht worden.

„Wir konnten unsere Zeitpläne bisher erfüllen“, sagte der bauleitende Architekt Matthias Bauer (Hanau). Ende der Woche könne der Auftrag für den Rohbau vergeben werden. Er rechne mit einer Bauzeit von gut zwölf Monaten. Trotz der hohen Baupreise gebe es bisher keine Anzeichen dafür, dass der Kostenrahmen überschritten werde: „Wir liegen derzeit unter Budget.“

Lothar Mark berichtete von einem „großen Wohlwollen der Anbieter“. Für die Unternehmen sei es ein Imagegewinn, an einem solchen Sozialprojekt mitzuwirken. Die Hospizstiftung freue sich nicht nur über Geld, sondern auch über Sachspenden. So werde der Bau aus gespendeten Kalksandsteinen der Rodgauer Baustoffwerke errichtet.

Erstes Mehrgenerationen-Hospiz in Deutschland eröffnet

Beim Aushub für den Neubau dürfen die Bauarbeiter nicht einfach drauflosbaggern. Zwei Auflagen in der Baugenehmigung erfordern besondere Vorsicht. Theoretisch könnten Überreste einer römischen Straße oder Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg im Boden schlummern. Die Erde muss deshalb in Schichten von jeweils 30 Zentimetern abgetragen werden. Die Bauherren und ihre Planer rechnen aber nicht damit, auf Überraschungen zu stoßen. Falls doch, seien 13 statt 12 Monate Bauzeit auch nicht schlimm, sagt Lothar Mark: Die Stiftung habe dann umso mehr Zeit, um Spenden zu sammeln.

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