Rodgauer Kanalarbeiten im Kuschelsystem

„Inliner-Rohre“ machen es möglich: Aus Schlauch wird stabiles Kunststoffrohr

Eine Lichterkette aus starken UV-Lampen lässt den weißen Kunststoffschlauch im Kanalrohr aushärten. Das
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Eine Lichterkette aus starken UV-Lampen lässt den weißen Kunststoffschlauch im Kanalrohr aushärten. Das

Wie aus einem flachen, weißen Schlauch ein stabiles Rohr wird, kann man in den nächsten Wochen in Jügesheim beobachten. Dort setzt die Firma Diringer und Scheidel die Kanalsanierung fort, die sie kürzlich in Hainhausen begonnen hat. 3,2 Kilometer werden im Auftrag der Stadtwerke runderneuert. Die Arbeiten dauern voraussichtlich bis Ende März.

Rodgau - Große Baggerarbeiten bleiben den Anwohnern erspart, denn die Kanalsanierung läuft in Rodgau seit 20 Jahren vorrangig im sogenannten Inlinersystem. Dabei wird ein neues Rohr in das vorhandene eingepasst.

Ausgangsmaterial ist ein Schlauch aus Glasfasermatten, der mit Kunstharz getränkt ist. Er wird mit einer Winde durch das Kanalstück gezogen und dann mit Druckluft aufgepumpt. Dadurch schmiegt sich der Schlauch an die Innenseite des Kanalrohrs an.

Eine Lichterkette aus starken UV-Lampen lässt das Harz aushärten. Aus dem flexiblen Schlauch entsteht ein robustes, glasfaserverstärktes Kunststoffrohr. Eine Druckprüfung weist nach, ob alles dicht ist. Zusätzlich werden Probestücke entnommen, die ein unabhängiger Sachverständiger auf die geforderte Wanddicke, Dichtheit und Tragfähigkeit prüft. Nach Angaben des Unternehmens halten die Inliner-Rohre bis zu 60 Jahre lang.

Etwa 50 Kilometer des Rodgauer Kanalnetzes wurden auf diese Weise bereits instand gesetzt. „Das System ist so interessant, weil es im Vergleich zu einem Neubau nicht nur unkompliziert ist, sondern auch nur 20 bis 30 Prozent der Kosten verursacht“, erklärt Ingenieur Lothar Jäger, der Oberbauleiter der Kanalsanierung. Die aktuellen Arbeiten kosten 850 000 Euro.

Kaputte Kanalrohre müssen repariert oder erneuert werden, damit keine Schadstoffe ins Grundwasser gelangen. Die Instandsetzung ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern senkt auch die Betriebskosten der Kläranlage, wie Jäger erklärt. Durch undichte Rohre gelange auch Grundwasser ins Kanalnetz, das die Kläranlage zusätzlich belaste.

Das Einziehen der Schläuche ist nur ein kleiner Teil der Kanalsanierung. Bereits vor ein paar Wochen fuhr ein Fräsroboter durch den Kanal, um Schäden zu beseitigen. Zudem wurden alle Zuläufe eingemessen: Sobald das neue Rohr ausgehärtet ist, werden die Zuläufe wieder aufgefräst und dicht an den Kanal angebunden. Als letzter Schritt der Arbeiten werden die Kanalschächte saniert. „Die Anwohner werden in den nächsten Wochen verschiedene Fahrzeuge sehen, die jeweils einen Teil der Arbeiten übernehmen“, kündigt Ingenieur Andreas Hensel von der Firma Diringer und Scheidel an. Die Belastung der Bürger sei viel geringer als bei einer Kanalsanierung, wie sie früher üblich war. Damals musste die Straße aufgebaggert werden.  (eh)

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