Rodgau: Stadtbrandinspektor verliert eine Wahl ohne Gegenkandidat

Keine Mehrheit für Andreas Winter

Andreas Winter
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Andreas Winter

Die jüngste Versammlung der rund 200 Mann starken Einsatzabteilung der Feuerwehr Rodgau endete mit einer Überraschung, ja, wenn man so will, sogar mit einem Affront. Stadtbrandinspektor Andreas Winter wurde nicht wiedergewählt. Er war der einzige Kandidat.

Rodgau - „Es war eine demokratische Wahl. Eine konkurrierende Bewerbung eines Mitbewerbers wäre für niemand ein Problem gewesen. So aber wird das Ganze jetzt schon schwieriger“, kommentierte Bürgermeister und Feuerwehrdezernent Jürgen Hoffmann gestern auf Anfrage den Ausgang der Abstimmung. In geheimer Wahl hatte Andreas Winter von 97 Stimmberechtigten nicht die erforderliche Mehrheit bekommen.

An dem Termin selbst gab es keine Aussprache, da die Versammlung unter Corona-Beschränkungen abgehalten wurde. Grußworte lagen deshalb auch lediglich in digitaler Form vor.

Diese Aussprache wird jetzt umso wichtiger. Hoffmann kündigte Treffen mit den Wehrführungen, dem Kreisbrandinspektor Ralf Ackermann, Andreas Winter und dessen Stellvertreter Michael Gröschl an.

Hätten diese Gespräche nicht schon lange vor der markanten Wahl stattfinden müssen? „Es gibt regelmäßige gemeinsame Runden. Die genauen Ursachen des Wahlausgangs sind uns nicht näher bekannt“, antwortete der Bürgermeister auf diese Frage – ohne weiter ins Detail gehen zu wollen. Auch das konkrete Wahlergebnis wollte der Rathaus-Chef mit Rücksicht auf die Beteiligten nicht öffentlich nennen.

Andreas Winter ist seit 15. August 2001 Stadtbrandinspektor, der immer für fünf Jahre in dieses Ehrenamt gewählt wird. Er ist der dienstälteste Stadtbrandinspektor im Kreis Offenbach und leitet im Hauptberuf als Verwaltungsfachangestellter der Stadt Rodgau die Stabsstelle Feuerwehr. Als Stadtbrandinspektor ist der 52-Jährige der Vorgesetzte der einzelnen Wehrführer und hat Personalverantwortung für gut 300 Brandschützer. Seine Amtszeit endet am 14. August. Bis 15. Oktober muss ein Nachfolger gewählt sein.

Winter trat schon als Zwölfjähriger in die Freiwillige Jugendfeuerwehr Jügesheim ein. Logisch, dass die Entwicklung ihn nicht kalt lässt. Steht er nach dem denkwürdigen Wahlabend für das Amt überhaupt noch zur Verfügung? „Nicht ich als Person stehe im Vordergrund. Es geht um die Feuerwehr Rodgau. Das Ganze ist nicht schön, aber es lässt sich lösen.“ Diesen Optimismus teilt Winter mit seinem Dienstherren. Bürgermeister Hoffmann: „Wir kriegen das hin. Derweil ist die Feuerwehr selbstverständlich so einsatzbereit wie immer. Die Einsatzkräfte arbeiten vorbildlich.“ (bp)

Kommentar: Abrechnung statt Wahl

Die Wahl bei der Feuerwehr war demokratisch und somit legitim – keine Frage. Trotzdem: Fair war sie nicht. Ehrlicher wäre es gewesen, mit offenem Visier zu streiten und einen Gegenkandidaten zu Andreas Winter aufzustellen. Dann wäre es am Wahlabend zu einem wirklichen Schwur gekommen und nicht bloß zur Abrechnung. Nun haftet dem denkwürdigen Abend der Makel an, dass ein großer Personenkreis dem Chef halt einen dicken Denkzettel verpassen wollte, mehr aber auch nicht. Auch das ist legitim. Es stellt sich allerdings die Frage, ob man ein solches Manöver so weit treibt wie im aktuellen Fall. Zumal, wenn man selbst keine Verantwortung an der Spitze übernehmen möchte. Nicht nur die Person Andreas Winter wurde ruppig und unnötig beschädigt, sondern auch die Feuerwehr. Zurück bleibt ein Scherbenhaufen. Die Wehr muss sich jetzt mit einer Frage befassen, die lange vor der Wahl hätte geklärt werden müssen. Damit Verwerfungen, die es jetzt zu glätten gilt, erst gar nicht hätten entstehen können. (bp)

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