Postbank-Kunden verlieren letzte Filiale

Keine Post mehr am Puiseauxplatz

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Vor dem Aus stehen Post und Postbank in der Oberen Marktstraße 6. Die Filiale am Puiseauxplatz wird spätestens im nächsten Jahr geschlossen. Trotz hoher Kundenfrequenz arbeitet sie nach Angaben der Postbank unwirtschaftlich.

Nieder-Roden – Nach 44 Jahren gibt die Post ihren Standort am Puiseauxplatz auf. Genauer gesagt ist es die Postbank, die sich aus Rodgau verabschiedet. Das Geldhaus hat den Mietvertrag für die 230 Quadratmeter in der Oberen Marktstraße 6 zum Jahresende 2020 gekündigt. Und die „gelbe Post“ muss sehen, wo sie bleibt. Von Ekkehard Wolf

Die Deutsche Post sucht in Nieder-Roden einen neuen Geschäftspartner, der weiterhin postalische Dienstleistungen für die Bürger anbietet. In erster Linie geht es dabei um Brief- und Paketsendungen. Postbank-Kunden müssen mit eingeschränkten Dienstleistungen vorliebnehmen oder sich eine andere Bank suchen. Sie können zwar auch künftig am Postschalter Geld abheben oder einzahlen, aber nur noch bis zu 1500 Euro auf einmal. Der Kontoauszugdrucker in der Oberen Marktstraße 6 wird abgebaut. Ob die Postbank auch künftig einen Geldautomaten in Rodgau betreibt, steht noch nicht fest.

Das Geldinstitut begründet seinen Rückzug aus Rodgau mit wirtschaftlichen Überlegungen. In Zeiten der Digitalisierung verändere sich sowohl der Markt als auch das Verhalten der Kunden, schreibt Postbank-Pressesprecher Hartmut Schlegel (Bonn). Die Postbank reagiere darauf mit veränderten Produkt- und Serviceangeboten. Außerdem überprüfe sie ihr Filialnetz ständig: „Auch wenn es auf den ersten Blick anders scheint, rechnet sich eine Filiale nicht mehr überall. Dies ist leider auch in Rodgau der Fall.“ Der genaue Schließungstermin sowie alternative Standorte der Filialen und Geldautomaten stünden erst in den nächsten Wochen fest.

Die Deutsche Post hingegen will ihre Dienstleistungen auch weiterhin im Stadtteil anbieten. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen begonnen, sich nach einem neuen Geschäftspartner umzuhören. Das ist offenbar kein Kinderspiel. Zu den Voraussetzungen zählen genug Platz im Laden, ausreichende Lagerfläche sowie finanzielle Bonität. Post-Pressesprecher Heinz-Jürgen Thomeczek (Frankfurt) nennt weitere wünschenswerte Kriterien: zentrale Lage, Parkplätze, behindertengerechter Zugang. Nicht in jedem Fall könne man alle einhalten.

„Es kann nicht sein, dass 15 000 Bürger hier keine Post mehr haben“, sagt die ehrenamtliche Stadträtin Margit Müller-Ollech (CDU) aus Nieder-Roden. Die Postfiliale sei sehr stark frequentiert. Sie befürchtet, dass sich der Wegfall dieses Anziehungspunkts auch auf den Puiseauxplatz auswirke: „Ich bin gespannt, wie die Bürger reagieren, wenn das publik wird.“ Unklar sei, was aus den Mitarbeitern werde. Hinzu komme, dass diese Postfiliale als einzige in Rodgau auch Großkundenaufträge abwickeln könne.

Briefzentrum an der Sprendlinger Landstraße: Bilder

Margit Müller-Ollech ist in zweierlei Form involviert. Sie ist nicht nur Kommunalpolitikerin, sondern auch Vermieterin. In ihrer politischen Rolle sorgt sie sich um die Versorgung der Bevölkerung. Als Vermieterin ärgert sie sich über die Vorgehensweise ihres Vertragspartners. Es sei sehr unbefriedigend, „dass man nach über 40 Jahren noch nicht mal den Anstand hat, in einem persönlichen Gespräch mit dem Vermieter zu sagen, was man vorhat“. Die Postbank habe lediglich über einen Immobiliendienstleister die Kündigung geschickt. „Es ist mir bis heute nicht gelungen, einen kompetenten Gesprächspartner zu bekommen, der mir etwas über die Hintergründe sagen kann“, berichtet Müller-Ollech. Sie habe deswegen den Vorstand der Bank angeschrieben, ihr Brief sei aber nicht angemessen beantwortet worden.

Postkarten schreiben aus Sehnsucht nach fremden Grüßen

Am 3. März 1975 hatte sich die Post in der Oberen Marktstraße 6 angemietet. „Es war das erste Gebäude, das am Puiseauxplatz gebaut wurde“, erinnert sich Margit Müller-Ollech: „Da waren die Straßen noch nicht fertig, als das Postamt schon in Betrieb war.“ Ihre Eltern hätten das Gebäude genau nach den Wünschen der Post geplant – bis hin zu Details wie der Fassadenfarbe und dem Rolltor. 1997 wurde die Mietfläche verkleinert, weil die Post die Briefsortierung in Jügesheim zentralisierte. Noch heute wird der Hof als Fahrradstellplatz und Depot für die Briefzusteller genutzt.

Bürgermeister Jürgen Hoffmann kritisiert die geplante Schließung als „nicht sehr befriedigende Situation“. Die Stadt könne nichts dagegen tun. Sie könne das Unternehmen lediglich bei der Suche nach einem Geschäftspartner unterstützen, „um für alle Beteiligten den Schaden möglichst gering zu halten“. Jetzt gehe es darum, das postalische Serviceangebot aufrecht zu erhalten. Bei der Wahl ihrer Hausbank sollten die Bürger „die Unternehmen in den Fokus zu rücken, die vor Ort ein Filialnetz anbieten“.

Erster Stadtrat Michael Schüßler sorgt sich um den Straßenverkehr. Nicht jede Postagentur verfüge über so viele Parkplätze wie am Puiseauxplatz. Als Beispiel nennt er die Post-Partnerfiliale in der Ortsmitte Jügesheim: „Es gibt Bürger, die sagen: In der Schwesternstraße kann jeder parken, wie er will.“

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