Corona

Kinderbetreuung in Rodgau: Entlastung für Eltern in Aussicht

Hausaufgabenbetreuung vor Corona: Dieses Foto aus der Freiherr-vom-Stein-Schule entstand 2018.
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Hausaufgabenbetreuung vor Corona: Dieses Foto aus der Freiherr-vom-Stein-Schule entstand 2018.

Viele Eltern in Rodgau müssen derzeit die vollen Beiträge für die Nachmittagsbetreuung ihrer Kinder zahlen, obwohl das Angebot wegen der Corona-Pandemie auf Sparflamme läuft.

Rodgau - Viele Schulkinder lernen zu Hause, weil die Präsenzpflicht an den Schulen aufgehoben ist - auch in Rodgau. Trotzdem müssen die Eltern weiterhin monatliche Beiträge für die Nachmittagsbetreuung bezahlen. Der Schulförderverein kassiere Geld für nicht erbrachte Leistungen, kritisiert Oliver Meyer, ein Vater aus der Wilhelm-Busch-Schule (WBS). Auf Empfehlung des Kultusministeriums und der Schulleitung habe er seine Tochter zurzeit aus der Betreuung abgemeldet. Trotzdem buche der Förderverein sogar das Essensgeld ab.

Andere Träger der Schülerbetreuung verfahren ebenso. „Wir ziehen die Elternbeiträge zurzeit weiterhin ein. Das geht auf eine Empfehlung des Kreises als Schulträger zurück“, sagt Nicole Westenburger von der Spielraum Rodgau gGmbH, die die Nachmittagsbetreuung an drei Grundschulen organisiert: „Das ist nicht unsere Entscheidung. Wir haben keine Gegenfinanzierung.“

Beiträge für Nachmittagsbetreuung: Reaktionen von Solidarität bis zum Shitstorm

Die Reaktionen aus der Elternschaft sind unterschiedlich. Das Spektrum reicht von Solidarität bis zum Shitstorm. „Man merkt, bei einigen Eltern liegen die Nerven blank“, berichtet Thomas Köhler vom WBS-Förderverein. Manche hätten sich deshalb im Ton vergriffen. „Da wurde auch mit dem Anwalt gedroht.“

„Natürlich ist das bei Kurzarbeit für die Eltern finanziell eine Doppelbelastung“, sagt Köhler. In E-Mails an Betroffene versucht er die Wogen zu glätten. Ein Beispiel: „Ich kann Ihre Verärgerung sehr gut nachvollziehen und es ist naheliegend, in der aktuellen Situation nach Kostenentlastung zu fragen. (...) Als gemeinnütziger Verein dürfen wir aber über keinerlei finanzielle Rücklagen verfügen und sind bei unserer Kalkulation auf durchgehende und vollständige Beiträge der Eltern angewiesen.“

Die Elternbeiträge für die Schulbetreuung werden für das ganze Jahr kalkuliert. Die Eltern bezahlen zwölf gleichbleibende Raten, also auch in den Ferien. Das erleichtert die Abrechnung für die Fördervereine, die die ganze Büroarbeit ehrenamtlich leisten.

Rodgau: Elternbeiträge fürs Essen enthalten 50 Prozent Personalkosten

Auch wenn die Betreuungsangebote derzeit auf Sparflamme laufen, fallen viele Kosten weiterhin an. Ein Beispiel ist das Mittagessen: Obwohl zurzeit nur wenige Kinder die Betreuung besuchen, will das Küchenpersonal bezahlt werden. „50 Prozent unserer Essenbeiträge sind Personalkosten“, betont Nicole Westenburger von der Spielraum Rodgau gGmbH.

Mit einem Fest wurde das Betreuungsgebäude der Schule am Bürgerhaus in Rodgau im September 2018 eingeweiht.

Die Betreuungsangebote an den Rodgauer Grundschulen sind aus Initiative von Eltern und Lehrern entstanden. Die gemeinnützigen Träger arbeiten ohne Gewinn und können nicht auf Erspartes zurückgreifen. Dank öffentlicher Zuschüsse haben die Fördervereine und die Spielraum gGmbH die ersten Monate der Corona-Krise überlebt. Die Mitarbeiter hatten darunter zu leiden: Angestellte wurden in Kurzarbeit geschickt, die vielen geringfügig Beschäftigten und Honorarkräfte gingen leer aus.

Corona-Krise: Kreis Offenbach gleicht Loch in der Kasse aus

Die Eltern der Betreuungskinder brauchten vier Monate lang nicht zu bezahlen. Von April bis Juli buchten die Fördervereine keine Beiträge ab. Der Kreis Offenbach glich das Loch in der Kasse aus – allerdings mit hohem Verwaltungsaufwand und nur unter Vorbehalt.

Eine ähnliche Lösung zeichnet sich jetzt wieder ab. Die Sozialdezernenten des Kreises Offenbach und seiner 13 Städte und Gemeinden einigten sich am Dienstag darauf, die Eltern finanziell zu entlasten. Eltern, die im Lockdown ihre Kinder selbst betreuen, sollen in diesem Zeitraum keine Beiträge bezahlen. Bisher ist das aber nur eine Absichtserklärung.

Rodgau: Wer die Corona-Empfehlungen einhält, soll nicht bestraft werden

Der Rodgauer Sozialdezernent Michael Schüßler sieht darin einen Schritt in die richtige Richtung. Für die städtischen Kindertagesstätten gibt es das bereits: Kinder, die daheim bleiben, sind gebührenfrei. Das betrifft sowohl die Betreuung der Kleinsten unter drei Jahren als auch das Essengeld. Wer der staatlichen Empfehlung zum Corona-Schutz folge, solle dafür nicht bestraft werden, betont Schüßler: „Das hat auch etwas mit Glaubwürdigkeit zu tun.“ (Ekkehard Wolf)

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