Corona

Luftmessgeräte für Kindergärten in Rodgau: „Fenster auf!“ bei Rot

Beim Pusten springt die Anzeige auf Rot: Aren (3) und Till (4) machen vor, wie man das Luftmessgerät austricksen kann. Beide wissen: Rot bedeutet „Fenster auf!“.
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Beim Pusten springt die Anzeige auf Rot: Aren (3) und Till (4) machen vor, wie man das Luftmessgerät austricksen kann. Beide wissen: Rot bedeutet „Fenster auf!“.

Wenn die Anzeige auf Rot springt, heißt es: „Fenster auf!“. Seit Anfang März stehen Luftmessgeräte in den Rodgauer Kindertagesstätten. Sie messen den Gehalt an Kohlendioxid (CO2).

Rodgau - Es geht nicht nur um verbrauchten Sauerstoff. Regelmäßiges Lüften soll auch verhindern, dass sich krank machende Aerosole in der Raumluft ansammeln. Weil sich Viren in der Luft nicht zählen lassen, misst man eben CO2.

Grün, gelb, rot: Die Farbenfolge ist wie bei einer Ampel. Aren (3) und Till (4) erklären dem Reporter in der Kita Alter Weg, was es damit auf sich hat. Was müsst ihr tun, wenn es Rot zeigt? „Traurig gucken“, meint einer der beiden beim Blick auf die drei Smileys, die die Farben erklären. Und was tut das Gerät? „Das misst den Luftwiderstand“, sagt der andere. Nun ja. Einig sind sich beide darin, dass Rot schlechte Luft bedeutet. Fenster auf!

Kinderfrage in Rodgauer Kita: Wer verbraucht am meisten Luft?

Die Messgeräte boten in allen Kitas einen Anlass, sich mit der Luft und mit der Atmung zu beschäftigen. Die Wissbegier der Kinder war groß: Wer von uns verbraucht am meisten Luft? Wird man krank, wenn die Luft weg ist? Sind wir nicht zu viele im Raum? Kann es denn gesund sein, wenn der andere meine Luft einatmet?

Auch die Farben und Zahlen weckten Interesse. Schnell entdeckten die Kinder, wie man das Messgerät austricksen kann: Wenn man hineinpustet, springt die Anzeige schnell von Grün auf Gelb und Rot.

Luft ist schnell verbraucht: Messgeräte in Rodgauer Kita schlagen drei- bis viermal die Stunde Alarm

„Die Kinder fanden das sehr spannend“, fasst Stadt-Pressesprecherin Sabine Hooke die Erfahrungsberichte aus den Kitas zusammen. Für die Erwachsenen sei es überraschend gewesen, wie schnell die Luft im Gruppenraum verbraucht ist. Wenn man die Messwerte ernst nimmt, muss man drei- bis viermal pro Stunde lüften. „Das macht natürlich keinen Spaß, wenn es draußen minus fünf Grad hat“, so Hooke. Nach der anfänglichen Begeisterung hätten manche Kinder auch darüber geklagt, dass es beim Spielen auf dem Boden zu kalt sei.

Das Lüftungsverhalten habe sich durch die Messungen in der Corona-Pandemie nun spürbar verändert, berichtet die Pressesprecherin. Allerdings habe sich auch gezeigt, dass der CO2-Wert in Räumen mit Fußbodenheizung schneller steigt. Wenig verwunderlich: Wo Kinder lebhaft toben, ist die Luft auch schneller verbraucht.

Messgeräte in der Corona-Pandemie: Dicke Luft im Rathaus gibt es in Rodgau nicht mehr

Die Messgeräte ermitteln auch Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Sie stehen nicht nur in den Kindertagesstätten. Einige überzählige Exemplare wurden auch in Büros und Sitzungssälen des Rathauses verteilt. Eines davon steht beim Kulturdezernenten Winno Sahm. Der Wert für Gelb (800 ppm) werde in kleinen Räumen relativ schnell erreicht, berichtet er. „Aber im Sitzungssaal können Sie stundenlang ohne Lüften tagen.“

Sahm hat unterschiedliche Lüftungsvarianten getestet, vom gekippten Fenster bis zum Stoß- und Querlüften. Seine Erkenntnis: Schon kurzes Lüften verbessert die Luftqualität enorm: „Die Raumtemperatur sinkt vielleicht um ein Grad, aber der ppm-Wert sinkt um ein paar hundert.“ (Ekkehard Wolf)

Die Stadt Offenbach hat die Kindertagesstätten aufgrund der hohen Infektionszahlen vorerst wieder geschlossen. In den Kitas in Offenbach gibt es wegen Corona nur noch eine Notbetreuung.

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