Modellversuch will einen Ausweg aus den Corona-Einschränkungen möglich machen

Kita in Rodgau will mit Tests zurück zum Normalbetrieb

Mit rot-weißem Flatterband ist das Außengelände  in Zonen eingeteilt. Jede der vier Kindergruppen hat ihren eigenen Bereich. Wegen des Infektionsschutzes soll jede Gruppe für sich bleiben.
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Mit rot-weißem Flatterband ist das Außengelände in Zonen eingeteilt. Jede der vier Kindergruppen hat ihren eigenen Bereich. Wegen des Infektionsschutzes soll jede Gruppe für sich bleiben.

Wie können Kindergärten vom Corona-Ausnahmezustand zum Normalbetrieb zurückkehren? Eine Kita in Rodgau möchte es mit einer eigenen Teststrategie versuchen. Das geht aber nur, wenn alle Eltern mitmachen – und wenn die Landesregierung es erlaubt.

Die Idee: Die Eltern testen ihre Kinder zweimal pro Woche auf das Corona-Virus und unterschreiben, dass das Testergebnis negativ ist. Dabei können die Eltern wählen, ob sie einen Selbsttest verwenden oder ein Testzentrum besuchen.

Rodgauer Erzieherinnen testen sich bereits dreimal pro Woche

Seit dieser Woche sind alle Eltern gefragt, ob sie sich auf diesen Weg einlassen. Das ist auch eine Frage des Vertrauens: Alle Beteiligten müssen sich darauf verlassen, dass jedes Kind auch wirklich getestet ist. Nachprüfen kann das niemand. „Die Unterschrift muss als Beweis reichen“, sagt die stellvertretende Kita-Leiterin Marion Bialdiga.

Die pädagogischen Fachkräfte gehen mit gutem Beispiel voran. Sie absolvieren drei Corona-Tests pro Woche: montags und mittwochs per Selbsttest sowie freitags beim kostenlosen Bürgertest in einem Testzentrum.

Rodgau: steigende Bereitschaft der Eltern zu Corona-Tests

Auch bei den Eltern sei die Bereitschaft zu Corona-Tests enorm gestiegen, berichtet Kita-Leiterin Agata Schnur. Sie erklärt das mit den schonenden Testmethoden per Spuck- und Lollitest, wie sie in Weiskirchen angeboten werden. Beim sogenannten Lollitest müssen die Kinder 30 Sekunden lang an einem Teststäbchen lutschen. „Sonntags ist bei uns Kinder-, Schüler- und Familientag“, berichtet Philipp Klein vom Testzentrum am Selgros-Markt. Allein am vergangenen Sonntag seien fast 1600 Personen getestet worden.

„Unser großes Ziel ist, die Gruppen wieder zu öffnen“, sagt Marion Bialdiga. Zurzeit muss jede Kindergruppe für sich bleiben. Gemeinsames Spiel auf dem Flur ist ebenso wenig möglich wie gruppenübergreifende Angebote. Das Außengelände ist mit rot-weißem Flatterband in vier Zonen eingeteilt, damit sich die Kinder nicht mischen.

Auch die Erzieherinnen müssen sich an die Trennung der Gruppen halten. Sie dürfen nicht kurzfristig in einer anderen Gruppe aushelfen. Das wirkt sich auch die Öffnungszeiten aus. Die Kita ist nur acht statt zehn Stunden täglich geöffnet. Leiterin Agata Schnur: „Sobald eine Kollegin erkrankt, müssen wir auf sechs Stunden reduzieren.“

Kinder haben ein Recht auf Bildung

Das Kita-Team hofft, dass bald wieder alle Kinder im Haus sind. Zurzeit kommen etwa zwei Drittel der 95 Mädchen und Jungen. Nach wie vor appelliert die Landesregierung an Eltern, ihre Kinder zu Hause zu lassen. „Es gibt 20 Familien, die wir kaum noch sehen“, berichtet Marion Bialdiga. Sie versteht die Sorge um den Infektionsschutz, gibt aber zu bedenken: „Auch diese Kinder haben ein Recht auf Bildung.“

Erster Stadtrat Michael Schüßler bezeichnet es als „Ritt auf der Rasierklinge“, in der Pandemie alle Anforderungen unter einen Hut zu bringen. Außenstehende sähen oft mehr die Einschränkungen als das, was geleistet werde: „Wir versuchen, es für die Kinder und die Eltern wirklich gut zu machen.“

Damit die Kita Turmstraße mit ihrer Teststrategie starten und die Gruppen wieder öffnen kann, braucht sie grünes Licht aus Wiesbaden. Bei einem Ortstermin versprach FDP-Landtagsfraktionsvorsitzender René Rock, sich für den Modellversuch in Nieder-Roden einzusetzen. (Von Ekkehard Wolf)

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