In Hainhausen findet ein Rundgang der Sternsinger statt

Könige sprechen laut und deutlich

Hilfsbereitschaft und das Gefühl, willkommen zu sein, belohnte die Bemühungen der Sternsinger in Hainhausen.
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Hilfsbereitschaft und das Gefühl, willkommen zu sein, belohnte die Bemühungen der Sternsinger in Hainhausen.

Gut zu Fuß, wetterfest und geduldig müssen sie sein – aber immerhin dürfen die Sternsinger in Hainhausen dieses Jahr wieder durch die Straßen ziehen. Über Schnee und Sonne an diesem Samstag haben sich die kleinen Könige und ihre Begleiter gefreut: „Bei Regen macht es keinen Spaß“, so eine erfahrene Betreuerin. Und mit den anderen Widrigkeiten lasse sich mit etwas gutem Willen umgehen.

Hainhausen – Gemeint sind unter anderem die engen Grenzen, welche die Pandemie der weltweiten Benefiz-Aktion auch im lokalen Rahmen setzt. Mit den Nachbarn nebenan in Weiskirchen sind die Hainhäuser Katholiken von der St.-Rochus-Gemeinde in Rodgau die Einzigen, die überhaupt Sternsinger losschicken. In den südlicher gelegenen Stadtteilen bis nach Rollwald beschränken sich die Pfarreien darauf, die traditionellen Segenswünsche in Form von Aufklebern in die Briefkästen zu werfen.

Im vergangenen Jahr hat auch St. Rochus auf den Rundgang der Kinder verzichtet und dafür allen, die es haben wollten, das traditionelle Kürzel für den Segensspruch „christus mansionem benedicat“ – Christus segne dieses Haus – schriftlich vorbeigebracht. Diesmal ziehen 16 Könige im Alter von fünf bis elf Jahren, begleitet von zehn Erwachsenen, unter der 3G-Regel los. Den Aussendungsgottesdienst hat Pfarrer Ulrich Engel auf wenige Minuten beschränkt. Rund 25 Adressen hat jede der fünf Gruppen auf ihrer Liste – Menschen, die bekanntermaßen jedes Jahr den Besuch von Caspar, Melchior und Balthasar erwarten, solche, die beim jüngsten Mal dabei waren und andere, die sich per E-Mail oder Listeneintrag in der Kirche erstmals angemeldet haben.

Genau genommen stellen sich Nino, Maria Lena und Antonia, die mit zwei Erwachsenen die Ortsdurchfahrt in Angriff nehmen, nicht als Sternsinger, sondern als Sprecher-Trio vor. Gemeinsam Lieder einzuüben, war unter Pandemiebedingungen nicht drin, und so lesen die Drei ihre Segenswünsche abwechselnd als Verse vor. Segensaufkleber, wie sie anderswo in den Briefkästen landen, haben auch sie dabei. Je nach Wunsch werden die knapp 20 Zentimeter langen Streifen mit dem Schriftzug 20*C+M+B+22 weiß auf schwarzem Grund auch innen an Türen geklebt. „Verwittert nicht und geht später leichter wieder ab“, weiß eine erfahrene Begleiterin.

Ansonsten lernen die drei jungen Sendboten Schritt für Schritt, worauf es beim Auftritt ankommt: Laut und deutlich sprechen, weil die guten Wünsche sonst im Lärm der vorbeifahrenden Autos untergehen. Klingeln und dann einen Schritt zurück, damit die Besuchten beim Öffnen der Tür nicht direkt vor einem stehen. Und nicht traurig sein, wenn niemand aufmacht: Schließlich wissen die Leute nicht, wann genau die Könige an ihrer Tür klingeln, haben dringende Besorgungen zu machen oder schlicht einfach vergessen, dass sie noch vorgemerkt sind.

Frustrationstoleranz bei kleinen Enttäuschungen wird gelegentlich mit freudigen Überraschungen belohnt: Viele Gastgeber halten neben Geldspenden für die Sammelbüchse auch kleine Geschenke für die Kinder bereit. Die Gaben, meist Süßigkeiten, wandern in einen eigens dafür mitgebrachten Rucksack. Manchmal öffnen sich Türen, die gar nicht auf der Liste stehen. Und dann hält ein Autofahrer mitten auf der Straße an, als er die Gruppe sieht, zückt seinen Geldbeutel und entrichtet einen großzügigen Obolus.

Er und alle anderen Spender unterstützen dieses Jahr ein Anliegen, das sowohl in die Zeit als auch zur karitativen Tradition der Sternsinger-Bewegung passt: gute Gesundheitsversorgung für Kinder in aller Welt. Den Hainhäuser Königen ist das einige Mühe wert: Bis zum späten Nachmittag waren sie am Samstag unterwegs. Eine weitere Gruppe sollte sich am Sonntag noch auf den Weg machen, für den kommenden Samstag ist die Schlussrunde vorgesehen. (zrk)

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