Rodgau

Flüchtlingsunterkunft in Nieder-Roden: Kreis Offenbach hat Mängel nicht behoben

Corona ist Schuld: In der Flüchtlingsunterkunft in Nieder-Roden gehen die Nachbesserungen kaum voran. ARCHIV
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Corona ist Schuld: In der Flüchtlingsunterkunft in Nieder-Roden gehen die Nachbesserungen kaum voran. ARCHIV

Die Mängel an der Flüchtlingsunterkunft in Nieder-Roden sind noch immer nicht beseitigt. Die Kritik am Kreis Offenbach wächst.

Nieder-Roden - „Reichlich Geduld gefragt“ stand am 5. November 2020 über dem Artikel, der sich mit dem baulichen Zustand der Gemeinschaftsunterkunft (GU) in Nieder-Roden bei Offenbach beschäftigte. Es ging um Schimmel innen und außen, abgesenkte Böden in den Duschräumen, lose Fliesen sowie gesperrte Duschen und Toiletten. Kurze Zeit später schien sich an der Borsigstraße 1 A etwas zu tun und Arbeiter rückten an. Ganze Bautrupps pendelten zwischen Nieder-Roden und Seligenstadt, einer weiteren kreiseigenen Unterkunft.

Die Redaktion erreichte nun die Beschwerde eines Bewohners. Er beklagt, dass sich die Situation kaum verbessert habe. Allerdings soll immerhin kein Schimmel mehr an den Wänden sein. Was im vergangenen November für Empörung bei vielen Lesern sorgte: Der schlimme Zustand in der kreiseigenen Behausung war seit gut zwei Jahren bekannt. Dennoch war bis dato keine Abhilfe geschaffen worden (wir berichteten). Immerhin wohnten im November vergangenen Jahres 42 Menschen in der Flüchtlingsunterkunft, sowohl Familien als auch Einzelpersonen.

Flüchtlingsunterkunft in Nieder-Roden: Deutliche Kritik am Kreis Offenbach

Ehrenamtliche Helfer des Flüchtlingsnetzwerks mutmaßen jetzt, die Misere liege an der mangelnden Kontrollfähigkeit des Baumanagements des Kreises Offenbach. Während der Reparaturarbeiten sei niemand vom Kreis da gewesen, um die Arbeiten zu begleiten oder zu prüfen.

Der Kreis erklärt, was seit November 2020 gemacht wurde: Ein erster Teil der Duschen und Toiletten sei saniert worden. Dazu werde immer ein Drittel der Sanitärräume gesperrt, sodass die Bewohnenden in die anderen Räume ausweichen können. Vier Sanitärraume seien inzwischen fertig saniert und freigegeben. Dabei handelt es sich um jeweils einen Duschraum und einen WC-Raum im ersten sowie im zweiten Obergeschoss. Von 80 Plätzen seien aktuell weniger als die Hälfte belegt.

Flüchtlingsunterkunft in Nieder-Roden: Kreis Offenbach nennt Corona als Grund für Verzögerungen

Coronabedingt hätten die Arbeiten nicht wie üblich ablaufen können. So konnte immer nur eine Firma zeitgleich in der Unterkunft arbeiten. Zeitweise hätten die Arbeiten aufgrund von angeordneter Quarantäne auch komplett ruhen müssen. Koordiniert werden mussten der Trockenbau, Fliesenhandwerk, Heizungs- und Sanitärinstallationen, Elektroinstallation sowie Schreinerarbeiten. Dazu habe es enger Absprachen bedurft. Zusätzlich sei die Materiallieferung teils schwierig gewesen, daraus hätten sich Verzögerungen ergeben. Weitere zwei Bauabschnitte seien noch geplant. Wann diese abgeschlossen seien, könne nicht belastbar vorausgesagt werden. Ziel sei es, zügig mit den Arbeiten fortzufahren. Aktuell komme es gerade im Bausektor zu Verzögerungen, unter anderem durch Lieferprobleme.

Weil das ursprüngliche Bauunternehmen trotz wiederholter Aufforderungen im dreistöckigen Zweckbau nicht nachgebessert hatte, lässt der Kreis die Schäden selbst beseitigen. Die Kosten für die Reparaturen im erst fünf Jahre alten Gebäude liegen bei etwa 50 000 Euro. Die Kreisverwaltung hatte den Bau aus 33 Modulen nicht vollständig bezahlt und einen Teil als sogenannten Sicherheitseinbehalt abgezogen. Etwa 2,4 Millionen Euro hatte der Bau gekostet. Gutachten hatten belegt, dass die Mängel auf einen Fehler der Baufirma zurückzuführen sind. Wegen unzureichender Dichtungen war Wasser in den Boden gelaufen. (Simone Weil)

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