Landesförderung für Selbstbuchersystem soll Warteschlangen verkürzen

Rodgau: Mehr Zeit für die Beratung

Büchereileiterin Nina Streib bietet zwar noch DVDs, es können aber auch Filme gestreamt werden.
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Rodgau: Büchereileiterin Nina Streib bietet zwar noch DVDs, es können aber auch Filme gestreamt werden.

Mit einem Selbstbuchersystem soll die Wartezeit beim Entleihen an der Bedienungstheke verkürzt werden. In der Stadtbücherei Rodgau ist das auch nicht anders als bei einem anderen Dienstleister. Wer seine Krimis und Romane selbst scannt oder über eine Registrierung zieht, spart Zeit. Die eigene Zeit und die der Beschäftigten.

Rodgau - Denn die Mitarbeiterinnen müssen immer häufiger beraten. Dabei geht es darum, den passenden Lesestoff zu finden, aber auch inhaltlich Tipps zu Hausarbeiten und Referaten zu geben.

Die Mitarbeit der Leseratten in eigener Sache ist vor allem deswegen gefragt, weil die Ausleihe enorm zugenommen hat: In zehn Jahren hat sich die Zahl der Buchungen verdreifacht. Und Rodgau wächst. Mit jedem neuen Wohngebiet kommen auch potenzielle Leserinnen und Leser hinzu. Kein Wunder also, dass es mit der Digitalisierung in den Büchereistandorten weitergehen muss.

Deswegen freut sich die Stadt Rodgau über 50 000 Euro aus dem Programm „Wissenswandel – Digitalprogramm für Bibliotheken und Archive innerhalb von Neustart Kultur“. Die Hilfe soll einen Beitrag dazu leisten, die Folgen der Corona-Pandemie für Bibliotheken und Archive zu mildern.

Büchereileiterin Nina Streib erläutert: „Ziel ist es, Bibliotheken und Archive dabei zu unterstützen, den Zugang zu ihren umfangreichen Angeboten und Beständen zukünftig auch unabhängig von einer Nutzung vor Ort in deutlich größerem Umfang als bisher zu sichern, neuartige (digitale) Formate der Wissens- und Informationsvermittlung zu entwickeln und ein nachhaltiges hybrides Angebotsportfolio mit einer Kombination aus digitalen und analogen Services dauerhaft und flächendeckend zu etablieren.“

Die Automatisierung soll auch dazu beitragen, die Warteschlangen während der Hauptöffnungszeiten zu reduzieren. Denn dann müssen auch Ausweise ausgestellt und Neuanmeldungen bearbeitet werden.

Insbesondere die kostenlosen Online-Angebote wie der Onleiheverbund Hessen, das Brockhaus Schülertraining, das Nachschlagewerk Munzinger Basiswissen Schule sind beliebt oder die Leselern-App eKidz.eu. „Gerade die Hilfen für Schüler verlagern sich zunehmend ins Digitale, da ist es fast schwierig, noch etwas in gedruckter Form zu bekommen“, sagt Streib.

Gut angenommen wird auch das kostenfreie Filmstreaming-Angebot der Stadtbücherei über Filmfriend.de. Das kann seit sechs Wochen ähnlich wie die Onleihe genutzt werden.

Beliebt sind nach wie vor Tonie-Hörfiguren für Kinder sowie die neuen bookii- und tiptoi-create-Stifte. Auch ebook-Reader werden zur Ausleihe angeboten. Kostenlos, eine Jahresgebühr gibt es nicht. Lediglich fünf Euro kostet die Anmeldung ab 16 Jahren. Kinder und Jugendliche bis 16 Jahren zahlen nichts.

Und: Digitalisierung hin oder her, im Moment freuen sich Mitarbeiterinnen wie Kunden erst einmal darüber, dass wieder richtige Besuche in den Büchereien möglich sind. (Simone Weil)

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