Dieter Wiesner bewahrt Erinnerungen auf

Michael Jacksons Draht nach Rodgau

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Szenen von der Feier zum 45. Geburtstag auf der Neverland Ranch. Sie zeigen den Superstar und Dieter Wiesner im Gespräch und auf der Bühne.

Rodgau - Dieter Wiesners Büro könnte eine Pilgerstätte für Fans des 2009 verstorbenen König des Pop, Michael Jackson, sein. Deshalb soll unsere Zeitung auch nicht schreiben, wo genau sich das Büro befindet. Von Bernhard Pelka

Wie auch immer: Der frühere Manager des Weltstars bewahrt in seinen Geschäftsräumen mitten in Rodgau einen großen Schatz der Erinnerung an die Musiklegende auf, die vergangenen Mittwoch 60 Jahre alt geworden wäre.

Dieter Wiesner öffnet den Deckel einer hölzernen Spieluhr. Sie ziert ein Konterfei von Michael Jackson. Sofort klimpert das schmucke Kästchen einen Welthit des Pop-Titanen: „I just can’t stop loving you.“ Wie passend. Denn Dieter Wiesner verehrt seinen früheren Schützling auch heute noch sehr. „Er war großer Künstler und ein wunderbarer Mensch. Super freundlich und zurückhaltend“, sagt der Unternehmer und stellt die Spieluhr wieder vorsichtig in den gläsernen Vitrinenschrank.

Dort steht das gute Stück neben einer weiteren Spieluhr. Darüber zwei Original Jackson-Hüte und Werbeartikel, die bei den Welttourneen des Superstars in Umlauf kamen. Zum Erinnerungsschatz gehören auch Dosen des Energiedrinks „Mystery“, mit dem zunächst die Geschäftsbeziehung und später die Freundschaft zwischen Dieter Wiesner und Michael Jackson begann.

1995 wollten Wiesner und einer seiner Geschäftskollegen aus Österreich einen Energiedrink auf den Markt bringen – ein zu dieser Zeit vollkommen neues Produkt. Der 69-Jährige, der damals eine Firma zur Herstellung von Werbeprodukten betrieb, hatte in die neue Idee zunächst kein Vertrauen. „Das wird nix, dachte ich.“ Trotzdem nutzte er seine US-Kontakte, um den Pfirsich-Drink der Werbefirma von Michael Jackson vorzustellen. „Und auf einmal haben die uns eingeladen.“

Dieter Wiesner bewahrt auch Gemälde von Michael Jackson auf – in Kopie natürlich. Rechts im Bild ein beklemmendes Selbstportrait: Der Kinderstar, der sich traurig in eine Ecke drückt – das Mikro in der Hand. Ausdruck einer verlorenen Kindheit?

In Los Angeles war die entscheidende Präsentation. Überraschend kam der Künstler persönlich. „Wir waren super aufgeregt und total schick angezogen. Dann kam er plötzlich rein – in Schlabberhose und einem viel zu großen Pulli.“ Das Entscheidende aber war: Jackson wollte das Produkt auf seiner History-Tour unbedingt haben. Als es dann aber um die Vermarktung 1996 beim Konzert in München ging, lief die Sache aus dem Ruder. „Die haben uns draußen vor der Tür stehen lassen“, erinnert sich Wiesner nur ungern daran, dass er seine Dosen unter den Fans nicht verkaufen konnte.

Über einen Leibwächter von Michael Jackson gelang es dem gebürtigen Schwaben schließlich, einen Termin mit dem Weltstar zu bekommen, um seine Probleme zu schildern. Ab da wurden aus Geschäftspartnern Freunde. „Es hat irgendwie gepasst. Vielleicht hat er in mir so etwas wie einen älteren Bruder gesehen“, vermutet der gelernte Kaufmann. „Und natürlich hat er bei allem, was wir gemacht haben, die deutsche Pünktlichkeit geschätzt.“

Wieser begleitete Jackson fortan als Vertrauter und Generalmanager. Bei Besuchen wohnte er auf Jacksons Neverland Ranch in einem eigenen Gästehaus direkt am See, an dem eine Kindereisenbahn ihre Kreise zog.

"Michael forever" - Bilder vom Jackson-Gedenkkonzert

Was bisher nur Eingeweihte wussten: Sobald Jackson in Deutschland war, holte Dieter Wiesner ihn zu sich in sein Büro nach Rodgau zu familiären Treffen. „Meistens hat er im Kempinski Gravenbruch am Autokino gewohnt. Wenn es keiner mitbekommen hat, haben wir ihn geholt. Ausflüge waren wegen der Fans unmöglich, also sind wir hier geblieben und haben einfach nur geredet.“ Nur ein einziges Mal sei ein solches Geheimtreffen schief gegangen. „Irgendwie hatte eine Schulklasse Wind davon bekommen, die standen dann draußen.“

Diesen Hut trug Jacko bei einem seiner legendären Konzerte. Darunter steht in dem Glasschrank eine Spieluhr.

Das Büro des Geschäftsmanns schmücken zahlreiche Erinnerungsstücke: eine Speisekarte von der Neverland Ranch, die Hochzeitsurkunde Jacksons hinter Glas, handsignierte Laser-Disks, handsignierte Werbeprodukte und – vor allem – sehr viele Fotos. Sie zeigen Jackson und Wiesner in vielen Situationen. Zum Beispiel nach der Bambi-Verleihung 2000 in Berlin oder bei der Feier von Jackos 45. Geburtstag auf der Neverland Ranch. An den Wänden hängen auch Gemälde des Sängers – natürlich nur in Kopie. Schließlich wird der Gesamtwert des künstlerischen Nachlasses auf 1,4 Milliarden Dollar geschätzt.

Zweiter Todestag: So trauern die Fans in München um Michael Jackson

Mit den Kunstwerken ist Wiesners aktuellstes Jackson-Projekt verbunden, denn auch nach dessen Tod bestehen die engen Beziehungen zur Familie weiter. Der Manager hat vom Nachlass eine Dokumentation, einen hochwertigen Bildband, anfertigen lassen. Derzeit sucht er Museen auf der ganzen Welt, die aus den Originalen eine Ausstellung machen. In Moskau sei er schon fündig geworden, sagt Wiesner zufrieden. „Und der Prinz Albert von Monaco möchte es auch machen.“

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