IM RODGAUER MUSEUM Gemälde von der Schlacht an der Tannenmühle 1799

Mit Mistgabeln gegen die Husaren

Kampfhandlungen vor 222 Jahren zeigt dieses Gemälde der Schlacht an der Tannenmühle im Besitz des Heimat- und Geschichtsvereins Weiskirchen.
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Kampfhandlungen vor 222 Jahren zeigt dieses Gemälde der Schlacht an der Tannenmühle im Besitz des Heimat- und Geschichtsvereins Weiskirchen.

Es gehört zu den Schätzen des Heimatmuseums Weiskirchen: Ein Gemälde zeigt die Schlacht an der Tannenmühle, als Bauern aus der Umgebung 1799 im zweiten Koalitionskrieg gegen französische Soldaten kämpften. Das Bild liegt im Fundus und war schon lange nicht mehr öffentlich zu sehen.

Weiskirchen – Der Heimat- und Geschichtsverein Weiskirchen besitzt das Gemälde seit den 1990er-Jahren. „Es ist im Taunus gefunden worden, als eine Kneipe aufgelöst wurde“, erzählt Vorsitzender Helmut Trageser. In dem Lokal befand sich eine ganze Reihe solcher Gemälde. Ein Mann aus Großauheim, der die Tannenmühle kannte, nahm das Bild mit und bot es dem Museum an. Dank einer Spende der Sparkasse gelang es dem Verein, das Bild zu erwerben.

„Damals gab es regelrechte Schlachtenmaler“, berichtet Trageser. Zahlreiche Scharmützel seien auf diese Weise festgehalten worden. Das Bild ist nicht signiert, aber eines scheint festzustehen: Zwei Künstler teilten sich die Arbeit – einer malte die Landschaft, der andere das Kampfgetümmel.

Das Gemälde der „Afaire an der Dannemühl“ vom 25. August 1799 zeigt einen ungleichen Kampf: Mit Mistgabeln, Sensen und Dreschflügeln versuchen Bauern, die uniformierten Reiter aufzuhalten. Die Soldaten sind stärker bewaffnet, auch mit Schusswaffen. Aus einem Dachfenster der Tannenmühle schaut die Müllerin dem Geschehen zu.

Wie authentisch die dargestellte Szene ist, lässt sich nicht belegen. Tatsache ist jedenfalls, dass es die Kampfhandlung an der Tannenmühle wirklich gegeben hat. Der „Mainzer Landsturm“ unter Staatsminister Franz Joseph von Albini war das letzte Aufgebot, das neben den regulären Truppen gegen die Franzosen kämpfte. An der Tannenmühle waren auch Männer aus Weiskirchen dabei. Sie verloren und der Ort wurde von Franzosen besetzt.

Im Stadtarchiv sind noch Gemeinderechnungen aus jener Zeit erhalten. Nach der Schlacht bei der Tannenmühle „sind von den französischen Husaren (...) bei mir zehn Maß getrunken nebst zwei Gulden 54 Kreuzer für Fleisch, Käse und Brot verzehrt worden“, notierte der damalige Dorfwirt und Bäcker Franz Müller. Die Rechnung wurde von Schultheiß Christian Sattler und andere Amtspersonen gegengezeichnet.

Für den Heimat- und Geschichtsverein stellen diese Belege wertvolle Quellen dar. Die Hobby-Heimatforscher haben eine Reihe an Dokumenten abfotografiert, um sie in Ruhe auszuwerten. Eine kluge Entscheidung, wie sich erwiesen hat. Einige Originale sind von Schimmel befallen und derzeit nicht zugänglich, wie Helmut Trageser berichtet.

Für den Unterhalt des Landsturms 1799 mussten die Weiskircher eine Sondersteuer bezahlen. Auch in den folgenden Jahren wurden die Kosten der kriegerischen Auseinandersetzungen auf die Gemeinden abgewälzt. Die Schulden, die Weiskirchen aufnehmen musste, belasteten die Gemeinde auf Jahrzehnte hinaus.

Zurück zum Gemälde von der Schlacht bei der Tannenmühle: 200 Jahre nach dem Kriegsereignis, 1999, besuchte der Heimat- und Geschichtsverein die Gaststätte „Tannenmühle“ und überreichte dem Besitzer eine Kopie des Gemäldes. Das Bild erhielt einen Ehrenplatz im Gastraum. Die Zeiten des gut besuchten Ausflugslokals sind nun auch schon lange vorbei. Aber das ist eine andere Geschichte. (Von Ekkehard Wolf)

Neugierige Müllerin: Die Scheune hinter der Tannenmühle ist in ihrer Gebäudeform noch erhalten, die Mühle wurde umgebaut.
Rechnung des Dorfwirts: Die aufgeführten „zehn Maß“ Wein waren wesentlich größer als die Maßkrüge, die heutzutage in bayerischen Bierzelten üblich sind.

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