Als Reisen noch einfach war: Franz Dürsch und der Urlaub seines Lebens

Mit Zelt und Schlafsack in den USA

Die Souvenirs seiner USA-Reise hat Franz Dürsch bis heute aufgehoben. 1975 packte er zum ersten Mal den Campingkocher ein und flog über den Atlantik. Das gerahmte Bild entstand im Bryce-Canyon-Nationalpark.
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Die Souvenirs seiner USA-Reise hat Franz Dürsch bis heute aufgehoben. 1975 packte er zum ersten Mal den Campingkocher ein und flog über den Atlantik. Das gerahmte Bild entstand im Bryce-Canyon-Nationalpark.

1975 steckte Franz Dürsch die US-Dollars ins Portemonnaie und flog von Luxemburg über den Großen Teich. „Zwischen Oberschulprüfung und Beginn des Zivildienstes hatte ich diese Zeit“, blickt der Rollwälder zurück. Obwohl er seitdem viele Teile der Welt bereist hat, hinterließ die USA-Reise in seinen Erinnerungen tiefe und positive Eindrücke: „Es war sicherlich meine bedeutendste Fahrt.“

Rodgau - Eine fantastische Erfahrung war für den jungen Mann damals der Weg hinab in das amerikanische Naturdenkmal schlechthin: den Grand Canyon. Für seine Eltern, seinen Bruder und ihn ging es über Stock und über Stein die schmalen Canyon-Pfade hinab. Der Flusslauf am Grund der Schlucht kam langsam näher, als plötzlich die Rassel einer Klapperschlange Alarm schlug. „Mein Bruder schritt über die gut getarnte Schlange noch drüber“, ist Franz Dürsch bis heute von der gefährlichen Situation gebannt. Seine Mutter stieß die Warnung „Rattlesnake“ aus und sprang an Franz Dürschs Füßen vorbei schnurstracks dem Ehemann in die Arme. Das deutsche Wort „Klapperschlange“ fiel der Mutter in dem Schreckensmoment gar nicht ein.

Die Familie hatte Glück, es war nichts passiert. Gefährlich war die Begegnung mit dem Reptil allemal, schließlich können einige Schlangenarten mit ihren Bissen töten. Dieses Exemplar ließ sich allerdings in Ruhe fotografieren und trollte sich dann hinter einen Busch.

Der Sternenhimmel war zum Greifen nah.

Franz Dürsch

Am Flusslauf innerhalb der tiefen Schlucht angekommen, übernachtete die Familie unter freiem Himmel. „Der Sternenhimmel war zum Greifen nah, es war eine der schönsten Nächte meines Lebens.“ Die Lust auf eine abenteuerliche Fahrt durch die USA war geweckt.

Das Reise-Gen bekam Franz Dürsch von seinem Vater mit auf den Lebensweg gegeben. „Er war ein Reisemensch“, beschreibt der Rollwälder die Prägung durch das Familienoberhaupt. Denn dieser bereiste ab 1963 die USA per Frachtschiff. Teils nahm er bei den Trips nach Indonesien, Israel, Äthiopien und Mexiko die Mutter mit. Diese Reisen wurden meistens mit dem Fahrrad unternommen.

„Als Großfamilie mit acht Kindern war die Koordination nicht immer einfach“, beschreibt Franz Dürsch die Situation in Kindheit und Jugend. Aber endlich stand auch für ihn 1975 die Fahrt ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten an. „Da mein Vater nur einen Motorradführerschein hatte, benötigte er Autofahrer.“ So kamen sein älterer Bruder und er mit seinen 20 Jahren in den Genuss der Mitreise.

Mit dem gemieteten VW-Bus T 2 ging es zu den faszinierenden Nationalparks der USA. „Wir reisten mit Rucksäcken und hatten alles bei uns, was zum individuellen Reisen benötigt wurde.“ Zu dem kleinen Gepäck gehörten Bergsteigerzelte, Schlafsäcke, Luftmatratzen und Ponchos als Unterlage. Bei so viel wundervoller Natur wurde kein Luxus vermisst.

Eines der Ziele war Yellowstone, der erste Nationalpark der Welt. Aus relativ kurzer Distanz ließen sich die Bisons fotografieren. Genau wie später der Navajo-Indianer, der dafür einen Obolus erwartete und selbstverständlich auch bekam.

Es folgten Namen, die jedem Naturliebhaber das Herz höherschlagen lassen: Teton-Park, Monument-Valley, Zion-Nationalpark, Canyonlands National Park und Bryce-Canyon. Gute 8 000 Kilometer ging es durch die westlichen Vereinigten Staaten.

Zum Schluss grüßte der Sonnenstaat Florida die Dürschs. Am traumhaft weißen Strand wäre ihnen fast eine Kokosnuss auf den Kopf gefallen. Bevor die harte Schale Schaden anrichten konnte, packte sie Vater Dürsch ein und nahm sie mit nach Hause. Dort lag sie Jahrzehnte auf dem Regal im Haus und erinnerte an den fantastischen Urlaub in den Vereinigten Staaten. (Von Andreas Pulwey )

Kommen Sie mit uns ins Schwärmen!

Reisen ist zwar wieder möglich. Doch Corona dominiert nun schon im zweiten Sommer Urlaubspläne. Testen hier, Abstand dort. Ausgebucht hier, zu voll dort. Dazu die Angst vor der Delta-Variante. Wie schön, dass wir schon viele tolle Ferien hatten und das Reisefieber unbeschwert ausleben konnten. Schwelgen Sie mit uns in der Serie „Als Reisen noch einfach war“ in Wort und Bild in Erinnerungen. Was haben Sie Unvergessliches erlebt? Hatten Sie schon einmal den Sommer oder Urlaub Ihres Lebens? Oder gab es Spektakuläres? Es muss ja nicht die Rettung aus Seenot auf der Kreuzfahrt sein – die wir aber auch gerne nehmen. Oder einfach nur den den ersten Camping-Aufenthalt am Gardasee genossen? Wer hat im Urlaub die Liebe seines Lebens kennengelernt? Schreiben Sie uns oder rufen Sie uns an: rodgau@op-online.de, babenhausen@ op-online.de, 06106 66821-21, 66821-22, 66821-23, 66821-24, 66821-25.

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