Hausbesitzer klar im Vorteil

„Die Müllgebühren sind ungerecht“

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Wer in der Chinamauer in Nieder-Roden wohnt, hat bei vergleichbarer Wohnfläche höhere Müllkosten als Hausbesitzer.

Rodgau - Die Rodgauer Müllgebühren sind ungerecht. Sie benachteiligen Mieter in großen Wohnanlagen finanziell, während Besitzer von Einfamilienhäusern günstiger wegkommen und damit fein raus sind. Diese Meinung vertritt der frühere Unternehmensberater Franz Mugrauer. Von Bernhard Pelka 

Franz Mugrauer sind Ungerechtigkeiten zuwider. Eine solche produziert seiner Meinung nach die Rodgauer Müllgebührensatzung. Mieter in großen Wohnanlagen zahlen unterm Strich mehr, als Besitzer von Einfamilienhäusern. Der frühere Unternehmensberater kann das mit Zahlen belegen.
Der Ruheständler bewohnt mit seiner Ehefrau ein Haus in Nieder-Roden mit rund 170 Quadratmetern Wohnfläche. Für den Restmüll zahlt er dieses Jahr 148 Euro. Zugleich ist der 73-Jährige Vermieter einer 161 Quadratmeter großen Wohnung in der Chinamauer. Sein Mieter dort muss stramme 408 Euro für Restmüll zahlen.

Mugrauer zufolge liegt das an der Rodgauer Müllgebührensatzung: „Sie funktioniert nur für kleine Haushalte, nicht aber für große Anlagen.“ Zum Hintergrund: In der Chinamauer gibt es 532 Wohnungen. Müllschächte in den Treppenhäusern führen den Abfall Containern im Keller zu. Behälter für Gelben-Sack-Müll stehen ebenfalls bereit, Biotonnen gibt es nicht. Es wird also weniger aufwendig Müll getrennt als andernorts.

„Aber selbst wenn mein Mieter noch mehr Müll trennen würde, hätte er keine Chance“, argumentiert der frühere Firmensanierer. Denn die Müllkosten würden je Hausgemeinschaft anteilig auf den Einzelnen umgelegt. Es müssten also alle mitmachen beim peniblen Mülltrennen. „Das können sie aber vergessen bei 54 Prozent Mietern, unter denen es regelmäßige Wechsel gibt. Das funktioniert nicht.“ Mugrauer plädiert deshalb für eine Müllgebührensatzung, die für sämtliche angebotenen Leistungen einzelne Beträge vom Bürger verlangt. „Das wäre dann eine faire Verteilung der Kosten.“

Der Ist-Zustand ist in Rodgau freilich ein anderer. Bezahlt werden muss alleine für den Restmüll. Die Biotonne, Sperrmüllabfuhr, der Kompostplatz für den Grünschnitt und der Recyclinghof sind hingegen kostenlos. Mugrauer: „Wer die Möglichkeit hat, den Müll zu trennen, wird begünstigt. Das können die Besitzer von Einfamilienhäusern fraglos eher als Mieter in großen Wohnanlagen. Die Müllsatzung muss auf den Prüfstand.“

Unterwegs mit den Offenbacher Müll-Detektiven: Bilder

Ähnlich verhalte es sich beim Stromsparen. Auch hierbei seien Hausbesitzer aufgrund ihrer Möglichkeiten klar im Vorteil. Mugrauer hat auch hierfür ein Rechenbeispiel. Auf dem Dach seines Hauses befinden 24 Module einer Photovoltaikanlage, die aus Sonnenkraft Strom produzieren – teils für den Eigenbedarf und teils für die Einspeisung ins Netz eines großen Energieunternehmens. Für jede Kilowattstunde, die im Haushalt Mugrauer nicht gebraucht wird, gibt es eine finanzielle Vergütung vom Stromversorger.

Im Mai haben die Nieder-Röder Eheleute Strom für 58 Euro verbraucht, aber sie haben in derselben Zeit Strom für 112 Euro eingespeist. „Da fragt man sich doch: Warum eine Stromleitungstrasse von der Nordsee quer durch ganz Deutschland verlegen, wo doch die Sonne auf Rodgau scheint?“

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