Brautkleid war schon gekauft

Mutmaßlicher Heiratsschwindler zockt Verlobte und Schwiegervater ab

Amtsgericht Offenbach
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Im Amtsgericht Offenbach wird am kommenden Montag weiter über den Betrugsfall verhandelt.

Erst zieht der Mann seiner Verlobten viel Geld aus der Tasche, dann auch noch seinem damaligen Stiefvater. Nun steht er in Offenbach vor Gericht.

Rodgau/Offenbach – Am Montag saß vor dem Schöffengericht in Offenbach ein Mann, der nicht nur seiner Rodgauer Verlobten viel Geld aus der Tasche gezogen haben soll, sondern auch seinem damaligen Schwiegervater in spe. Nach Stand der Dinge richtete der mutmaßliche Heiratsschwindler einen Schaden von über 200.000 Euro an. Das Urteil steht aus.

Die Staatsanwältin trägt vor, der 38-jährige K. habe Anfang 2016 über eine Online-Partnervermittlung Kontakt zu einer Frau aus Rodgau gefunden. Er soll die damals 26-Jährige dazu gebracht haben, zwei über Kredite finanzierte Audi A8 zu 82.880 und 78.700 Euro zu kaufen. Die Verlobte habe sich bereit erklärt, weil der Angeklagte versicherte, er werde die Wagen gewinnbringend veräußern. Außerdem habe er sich vom Vater seiner Verlobten 157.000 Euro mit der Geschichte erschlichen, eigentlich sei er reich, wegen eines Steuerverfahrens habe das Finanzamt seine Konten aber eingefroren.

Offenbach: Mutmaßlicher Heiratsbetrüger vor Gericht

Richter Manfred Beck fragt: „Haben Sie ihrer Verlobten denn vorgegaukelt, als Autohändler erfolgreich zu sein?“ K. betont, er habe der Frau von Anfang an berichtet, als Gerüstbauer und Lkw-Fahrer gearbeitet zu haben. Auch seine beiden Kinder habe er erwähnt. Vom Vater der Verlobten habe er sich nie Geld geliehen, „im Gegenteil, ich renovierte sein Haus für 18.000 Euro“. Die Autos habe seine Verlobte aus eigenem Antrieb gekauft. Als er mit der Frau liiert gewesen sei, „habe ich von meinen Ersparnissen zwischen 60.000 und 70.000 Euro gelebt“. Nein, Kontoauszüge könne er nicht vorlegen, „ich hatte Bargeld“.

K. formuliert wesentlich eloquenter als die meisten, die sonst vor Gericht sitzen. Er ist um die 1,85 Meter groß und schlank und trägt sein volles Haar modisch.

K. erklärt, seine Verlobte habe ihn aus Rache angezeigt. Die Hochzeitsfeier im Hotel am Meer sei terminiert gewesen, das Brautkleid gekauft, die Einladungskarten verschickt. Dann habe sie herausgefunden, dass er fremdgehe. Die Mutter der parallel existierenden Flamme habe seine Verlobte angerufen und verlangt, „sie soll die Finger von mir lassen“. K. gehöre ihrer Tochter.

Prozess in Offenbach: Fiese Masche des mutmaßlichen Heiratsbetrügers

Die Geschädigte erinnert sich anders. Kurz vor der Hochzeit habe sie tatsächlich eine Frau aus Dresden kontaktiert, die ihr von K. erzählte, „dann war klar, er zieht die gleiche Masche auch mit ihrer Tochter ab“. Dazu gehörte auch die Nummer, von Panik getrieben die plötzlich erkrankte Mutter in einem Würzburger Krankenhaus zu besuchen. „Ich wartete unten“, berichtet die Ex-Verlobte, „während er sie angeblich kurz vor einer Operation im Krankenzimmer sah“.

Nach ein paar Tagen starb die Mutter ebenso wie bald darauf der Vater. Sie habe schon einen Kranz bestellt. K. habe jedoch erklärt, „dass er zur Beerdigung nicht fährt, weil die in Mazedonien stattfinde“. Heute wisse sie: „Seine Eltern leben noch, in einem Sozialbau.“ Er habe ihr einmal ein schmuckes Haus von außen gezeigt, in dem er angeblich aufgewachsen sei.

Offenbach: Mutmaßlicher Heiratsschwindler betrügt Schwiegervater um 175.000 Euro

Die Geschädigte wirkt keineswegs wie eine graue Maus, verfügt aus ihrer selbstständigen Arbeit über ein formidables Einkommen. Der Angeklagte erkannte wohl schnell, in ihr eher einen empathischen Charakter als einen kritischen Beobachter gefunden zu haben. Die Frau erklärt, wenn sie Zweifel formuliert habe, weil die teuren Autos etwa immer noch nicht verkauft seien, habe er sie emotional unter Druck gesetzt: „Wie kannst du so was nur von mir denken?“

K. habe Geschäftstelefonate fingiert, sich als Handelsvertreter von Porsche ausgegeben, der weltweit VIP-Kunden betreue. Warum so ein Zampano ständig klamm ist, erklärt der Vater der Geschädigten, der im Rhein-Main-Gebiet als Steuerberater arbeitet. Die Geschichte, das Finanzamt habe von ins Ausland verschobenen Geldern erfahren, „klang rundum plausibel“. Er erinnert sich, dem Angeklagten sogar 175.000 Euro gegeben zu haben, die er sich teils von Bekannten habe leihen müssen. Er habe sich nichts von K. quittieren lassen: „Dem zukünftigen Mann meiner Tochter habe ich vertraut.“ (Stefan Mangold)

Mit einer unfassbar dreisten Masche zockte im Landkreis Offenbach eine Ärztin Angehörige bei der Leichenschau ab. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

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