Akida Aziz und Mahmoud Farzan kandidieren erstmals für Rodgauer Ausländerbeirat

Nach Gemeinsamkeiten suchen

Akida Azizi Geografin
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Akida Azizi, Geografin

„Wenn man selbst nicht wählt, tun es andere für einen.“ Akida Azizi will nicht nur wählen gehen, sondern kandidiert sogar erstmals auf der Liste 2 für den Rodgauer Ausländerbeirat. Die 36-Jährige mit afghanischen Wurzeln will aktiv werden und ihre politischen Teilhabemöglichkeiten nutzen: „Gemeinsam kann man viel mehr erreichen“, ist sie sich sicher.

Rodgau – In ihrem Heimatland sind wirklich freie Wahlen neu, haben noch keine Tradition: „Das muss sich erst noch finden,“ glaubt Akida Azizi. Mit sechs Jahren kam sie mit ihren Eltern und ihrem jüngeren Bruder nach Deutschland. Lange lebte sie in Hannover, hat Geografie studiert und war für Organisationen im Umweltschutz, Klimaschutz und der Entwicklungszusammenarbeit tätig.

Dann lernte sie ihren jetzigen Ehemann kennen, der auch aus Afghanistan stammt, und ging mit ihm nach Hessen. Der Maschinenbauingenieur arbeitet für die Bahn. Inzwischen haben die beiden eine zweieinhalbjährige Tochter und leben in Nieder-Roden.

Viele der beruflich für sie interessanten Aufgaben in der Öffentlichkeitsarbeit sind als Folge der Pandemie zusammengestrichen worden, sodass Akida Azizi nach ihrer Elternzeit daran nicht anknüpfen kann. Deswegen will sie sich erst einmal selbstständig machen und einen Online-Handel eröffnen.

Die Integration habe ihr keine Schwierigkeiten bereitet, wie sie sagt. Doch sie kann sich gut daran erinnern, dass die Entscheidung, das Heimatland zu verlassen, für ihre Eltern schwierig war. „Das war oft Gesprächsthema: die Frage, sollen wir gehen oder nicht?“ Weil ihr Bruder und sie noch Kinder waren, sei das Erlernen der Sprache eher spielerisch gewesen, erinnert sie sich.

Aus eigener Erfahrung und vielen Gesprächen mit Migranten, weiß die junge Frau, dass beide Seiten kaum vorbereitet sind: die Flüchtlinge und das aufnehmende Land, in diesem Fall Deutschland.

Akida Azizi wünscht sich, dass die Gemeinsamkeiten stärker im Vordergrund stehen würden: „Trotzdem sollte man schauen, was uns unterscheidet, aber auch offen fragen, was wir voneinander lernen können“, sagt sie.

Vor allem aber müsste man aufräumen, mit der falschen Annahme, dass die Flüchtlinge wieder in ihre Herkunftsländer zurückkehren. Das ganze System sei darauf ausgerichtet, zum Beispiel mit befristeten Aufenthaltsgenehmigungen. Doch die wenigsten Menschen würden zurückgehen. „Sonst nimmt das keiner auf sich, die Risiken, die Zeit und das Geld für einen Schlepper“, sagt Azizi.

Seit gut fünf Jahren lebt Mahmoud Farzan in Rodgau. Auch er stammt aus Afghanistan, ist als politischer Flüchtling anerkannt. Der 45-Jährige ist verheiratet, hat sieben Kinder im Alter zwischen 3 und 19 Jahren. Der ehemals niedergelassene Kinderarzt bemüht sich schon längere Zeit, seine medizinische Qualifikation anerkennen zu lassen. Zwischenzeitlich arbeitet er bei Biotest.

Er engagierte sich bereits als Integrationslotse beim Caritasverband und kandidiert nun ebenfalls auf der Liste 2 des Ausländerbeirats: „Wir haben Erfahrungen, wir wissen, wie es jemandem geht, der neu in dieses Land kommt“, sagt er. Wissend lacht er beim heiklen Thema Mülltrennung, dass häufig genug selbst unter einheimischen Nachbarn zu Streitigkeiten führt.

Schritt für Schritt will Mahmoud Farzan sich weiter mit seiner Familie integrieren. Er will sich im Ausländerbeirat vor allem dafür einsetzen, dass es gute Zukunftsaussichten gibt, und Kindern eine gute Berufsausbildung ermöglicht wird.

Von Simone Weil

Mahmoud Farzan, Kinderarzt.
Banner wirbt für Ausländerbeiratswahlen.

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